Am 10. Oktober 2026 sorgt in Sachsen-Anhalt nicht nur die Wahl eines neuen Landtagspräsidenten für Gesprächsstoff, sondern auch die Frage, worin dieser künftig durch das Land fahren soll. Tobias Rausch, der als erster AfD-Politiker zum Präsidenten eines Landesparlaments gewählt wurde, kritisierte den Rückzug eines Leasingangebots von BMW für seinen Dienstwagen.

In einem Schreiben an den BMW-Vorstand erklärte Rausch, er habe die Entscheidung mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen. Sollte der Rückzug unmittelbar mit seiner AfD-Mitgliedschaft zusammenhängen, sei dies fragwürdig, schrieb er. Die Meldung wurde am 9. Oktober 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt.

BMW zieht Angebot am Wahltag zurück

Zuvor hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet, BMW habe ein dem Landtag unterbreitetes Leasingangebot zurückgezogen. Die Landtagsverwaltung bestätigte, dass BMW das Angebot am Tag von Rauschs Wahl zurücknahm.

BMW erklärte, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern, und verwies auf den Schutz von Kundenbeziehungen. Der bisherige 7er-BMW des CDU-Vorgängers steht Rausch zunächst weiterhin zur Verfügung. Sein Leasingvertrag läuft voraussichtlich im November aus.

Dem Landtagspräsidenten stehen ein Dienstwagen und ein Fahrer zu. Die Verwaltung muss deshalb offenbar ein Ersatzfahrzeug beschaffen. Der bisherige Wagen war ungefähr neun Monate im Einsatz und legte dabei etwas mehr als 50.000 Kilometer zurück – für einen Dienstwagen eine durchaus flotte Bilanz.

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Nach Angaben der Landtagsverwaltung war das BMW-Angebot das einzige eines namhaften deutschen Herstellers. Von Mercedes oder Audi lagen bislang keine Angebote vor. AfD-Vertreter suchen offenbar nach einer Alternative außerhalb deutscher Hersteller.

Politische Nähe und wirtschaftlicher Standort

BMW-Vorstandschef Milan Nedeljković hatte wenige Tage zuvor Rechtspopulismus und Nationalismus als Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort bezeichnet. Wer Abschottung und Isolationismus fordere, handele nicht im Interesse des Wirtschaftsstandorts Deutschland, sagte Nedeljković der „FAZ“. In einem weiteren Bericht wurde seine Haltung als Kritik an der AfD sowie an Positionen beschrieben, die für einen vom Welthandel abhängigen Wirtschaftsstandort schädlich seien.

Die AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Rausch stellte in seinem Schreiben die mögliche Verbindung zwischen dieser politischen Einordnung beziehungsweise seiner Parteimitgliedschaft und dem BMW-Rückzug infrage.

Unterdessen fragte die stellvertretende AfD-Bundestagsfraktionschefin Beatrix von Storch Tesla-Chef Elon Musk auf X, ob Tesla Rausch einen offiziellen Dienstwagen zur Verfügung stellen würde. Musk hatte die AfD zuvor politisch unterstützt und gemeinsam mit Parteichefin Alice Weidel für die Partei geworben. Tesla reagierte auf die Anfrage bislang nicht.

Der Vorgang reiht sich laut dem Artikel in frühere Fälle ein, in denen sich Geschäftspartner von der AfD distanzierten. Genannt werden Anbieter von Spendenkonten, Konten für Parteigliederungen sowie Firmen für Veranstaltungs- und Hotelbuchungen.

Was die AfD-Politik für Unternehmen bedeuten könnte

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Unternehmensinitiative „Vielfalt ist Zukunft“ untersucht die wirtschaftlichen Folgen der AfD-Politik. Der Blick reicht dabei weit über einen Dienstwagen hinaus.

Im AfD-Wahlprogramm sind laut Studie Steuersenkungen von 181 Milliarden Euro vorgesehen – etwa 20 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Zusätzlich fordert die Partei eine Rente von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens sowie einen Steuerzuschuss zur Rentenversicherung. Die Studie warnt, dass die staatliche Handlungsfähigkeit dadurch erheblich eingeschränkt würde.

Auch europapolitisch wären die Folgen groß: Die AfD fordert einen Austritt Deutschlands aus dem Euro und möglicherweise aus der EU. Ein EU-Austritt, ein sogenannter „Dexit“, würde nach IW-Berechnungen innerhalb von fünf Jahren 5,6 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts kosten – rund 690 Milliarden Euro. 2,5 Millionen Arbeitsplätze könnten verloren gehen; die Folgen eines Euro-Austritts kämen zusätzlich hinzu.

Deutschland ist zugleich wegen des demografischen Wandels auf ausländische Erwerbstätige angewiesen. Die 6,7 Millionen ausländischen Beschäftigten erwirtschaften derzeit 13,2 Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung. Werden vor- und nachgelagerte wirtschaftliche Effekte einbezogen, steigt ihr Anteil laut Studie auf 16,9 Prozent beziehungsweise 648 Milliarden Euro.

Gerade in Ostdeutschland trugen ausländische Beschäftigte zum Beschäftigungswachstum bei. Ohne Zuwanderung aus Drittstaaten hätte es dort in den vergangenen Jahren keinen Zuwachs bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gegeben.

Energiepolitik als Streitpunkt

In der Energiepolitik verbindet die AfD den Abbau von Windrädern, den Wiedereinstieg in die Kernenergie, eine Reparatur von Nord Stream 2 sowie Abgaben- und Steuerentlastungen. Wirtschaftsvertreter bewerten diese Energiepolitik im Durchschnitt mit der Schulnote „mangelhaft“ (5).

67,2 Prozent der befragten deutschen Unternehmen sehen ein langfristiges Erstarken der AfD als Risiko für die Transformationspolitik. Sieben Prozent sehen darin eine Chance. Unternehmen und Verbände bescheinigen der AfD laut Studie keinen positiven politischen Beitrag und engagieren sich verstärkt für Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz.

Während in Magdeburg also noch nach dem nächsten Wagen für den Landtagspräsidenten gesucht wird, läuft die größere Debatte längst auf einer anderen Straße: zwischen politischer Haltung, wirtschaftlicher Abhängigkeit und der Frage, wie offen ein Standort sein will.