Am 15. Juli 2026 wurde die Antrittsvorlesung von Junior-Professorin Dr. Larena Schäfer an der Universität Vechta mit Spannung erwartet. Schäfer, die seit dem Wintersemester 2024 die Professur für Didaktik der englischen Sprache und Literatur innehat, thematisierte in ihrem Vortrag „Teilhabe in einer digitalen und vielfältigen Welt“ die Herausforderungen und Chancen, die der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Fremdsprachenunterricht mit sich bringt. Professor Dr. Nobert Lennartz äußerte seine Erleichterung über die Besetzung der Professur, die 15 Jahre vakante war, und betonte die wissenschaftliche Exzellenz und Teamorientierung von Schäfer, die das anglistische Trio an der Universität verstärkt.

In ihrer Antrittsvorlesung stellte Schäfer die drängende Frage, warum klassischer Englischunterricht trotz der Verfügbarkeit von KI-Übersetzern und dem Wachstum englischsprachiger Serien weiterhin notwendig ist. Laut aktuellen Bildungsstudien zeigen Jugendliche zwar steigende Englischkompetenzen, jedoch bestehen erhebliche Ungleichheiten im Zugang zu digitalen Lernmöglichkeiten. Der Digital Divide könnte sich weiter verschärfen, was eine zwingende Umgestaltung des Englischunterrichts im Sinne der Inklusion erfordert.

Forschungsprojekte und digitale Inklusion

Schäfer stellte während ihres Vortrags drei Forschungsprojekte vor, die die Rolle von KI im Unterricht beleuchten:

  • Multimodales Gestalten unter KI-Bedingungen: Hierbei sollen Schüler lernen, KI-Vorschläge kritisch zu bewerten und Stereotype zu entlarven.
  • KI-basierte Leistungsbewertung in der Praxis: Diese Studie untersucht die Zuverlässigkeit von ChatGPT bei der Bewertung von Texten aus 6. Klassen. Die Ergebnisse zeigen, dass KI nicht objektiv bewertet und wichtige Kontextdaten ignoriert.
  • Englischunterricht neu denken am Beispiel des „Steinfelder Wegs“: Ein alternatives Schulkonzept mit selbstreguliertem Lernen und flexiblen Lernzonen wird erprobt.

Schäfer schloss ihren Vortrag mit der eindringlichen Botschaft, dass der Englischunterricht in einer digitalen und vielfältigen Welt nicht weniger wichtig, sondern anders wichtig wird. Er soll als Raum für kritische und kreative Teilhabe dienen.

Die Potenziale von Künstlicher Intelligenz im Unterricht

Der Einsatz von KI im Englischunterricht bietet zahlreiche Möglichkeiten. Chatbots und andere KI-Technologien können als Übersetzer, Vokabellerntrainer und Textanalysetools fungieren. Dirk Beyer, der Autor eines neuen Buches, das im Mai 2025 veröffentlicht wird, erklärt, wie Lehrkräfte KI effizient im Unterricht einsetzen können. Das Buch enthält Anleitungen zur Erstellung von Prompts, Tipps zur Bewertung von KI-Ergebnissen und konkrete Vorschläge zur Nutzung von KI im Unterricht, die besonders auf die Bedürfnisse von Englischlehrkräften zugeschnitten sind.

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Ein wichtiges Augenmerk liegt auf den Herausforderungen, die mit der Integration von KI in den Bildungsprozess einhergehen. Die kritische Betrachtung der Grenzen der Technologie ist unerlässlich, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nutzen und Risiken zu wahren.

Künstliche Intelligenz kann personalisierte Lernpfade schaffen und adaptive Lernumgebungen fördern. Diese Technologien bieten individuelle Unterstützung, die besonders Schülern aus benachteiligten Familien zugutekommt und potenzielle Barrieren im Lernprozess abbaut.

Laut Klett ist die Integration von KI-Kompetenzen fundamental, um digitale Inklusion zu fördern. Schulen müssen sicherstellen, dass alle Schüler Zugang zu modernen Technologien haben, um Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten. Lehrkräfte benötigen hierzu fortlaufende Schulungen, um ihre Digitalkompetenz zu stärken und diese Kenntnisse an ihre Schüler weiterzugeben.

Der kritische Umgang mit KI gehört zum Unterricht, um Schüler auf die ethischen Implikationen dieser Technologien aufmerksam zu machen. So wird sichergestellt, dass junge Menschen die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung verstehen und eigenständig bewerten können.

In einer Zeit, in der digitale Medien als Lernmittel vielfältige Möglichkeiten bieten, ist eine Umgestaltung des Englischunterrichts notwendig. Die Initiative von Professorin Dr. Larena Schäfer ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Teilhabe aller Schüler an einer zunehmend digitalisierten Welt zu sichern.