Am 9. Juli 2026 ist ein neues Forschungsprojekt an der Freien Universität Berlin gestartet, das sich mit den verheerenden Auswirkungen von misogyn motivierter Online-Gewalt auf die politische Teilhabe und das gesellschaftliche Vertrauen beschäftigt. Unter dem Titel „Caught in the Crossfire: Political Cyberviolence and Institutional Responses to Safeguard Democracy“ wird das Projekt von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Initiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ gefördert und hat eine Laufzeit von vier Jahren. Beteiligt sind mehrere Institutionen, darunter der Arbeitsbereich Gender and Diversity der Freien Universität Berlin, das Bundeskriminalamt und die Konrad-Adenauer-Stiftung als Kooperationspartner. Prof. Dr. Gülay Çağlar, Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Gender and Diversity, leitet das Projekt.

Das Projekt knüpft an die frühere Studie „Mapping the Germanosphere“ an, die die frauenfeindlichen Netzwerke und antifeministischen Strömungen im deutschsprachigen Online-Raum untersucht hat. Dabei wird besonders betont, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen unerlässlich ist. Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn hebt hervor, dass interdisziplinäre Ansätze notwendig sind, um die Auswirkungen digitaler Gewalt angemessen zu analysieren. Zudem betont Dr. Friederike Grube vom Bundeskriminalamt die Bedeutung der Behörde bei der Bereitstellung von Informationen zur Kriminalitätsentwicklung.

Die Dimensionen digitaler Gewalt

Die Formen digitaler Gewalt sind vielfältig und nehmen in ihrer Komplexität zu. Frauen und Mädchen sind in privaten, öffentlichen, beruflichen und politischen Kontexten von dieser Gewalt betroffen. Die digitalen und analogen Gewaltformen sind oft miteinander verwoben, wobei digitale Gewalt häufig in der analogen Welt fortgesetzt wird. Technologische Möglichkeiten erweitern die Reichweite und Zugriffsmöglichkeiten für Täter, sodass digitale Gewalt jederzeit und von überall ausgeübt werden kann.

Die Konsequenzen sind weitreichend und können gravierende psychische, physische, wirtschaftliche, soziale und politische Folgen haben. Ein besonders besorgniserregendes Phänomen ist der Silencing-Effekt, durch den Frauen aus Angst vor digitaler Gewalt aus öffentlichen Debatten und politischen Ämtern zurücktreten. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Frauen, sondern bedroht auch den demokratischen Diskurs als Ganzes.

Verschiedene Facetten und Herausforderungen

Zu den verschiedenen Formen digitaler Gewalt zählen unter anderem Cyberstalking, Cybermobbing, Doxing, Deepfakes, Sextortion, Cyberflashing sowie nicht-einvernehmliche Verbreitung intimer Aufnahmen. Diese Übergriffe sind besonders alarmierend, da Frauen überproportional und oft in sexualisierter Form betroffen sind. Intersektionale Diskriminierungen können diese Situation zusätzlich verschärfen.

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Obwohl die Istanbul-Konvention Gewalt nicht explizit digital definiert, erkennt das Expert*innengremium GREVIO digitale Formen als Teil des Gewaltbegriffs an. Die Erkenntnisse aus dem neuen Forschungsprojekt werden dazu beitragen, ein besseres Verständnis der institutionellen Reaktionen auf digitale Gewalt zu entwickeln und die democratic Resilience zu stärken, wie Dr. Julia Ebner vom Institute for Strategic Dialogue betont.

Zusammenfassend ist das Beispiel dieses Projekts ein dringender Weckruf für die Gesellschaft, den Kampf gegen digitale Gewalt ernst zu nehmen und die politischen sowie digitalen Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Sicherheit und Teilhabe aller Bürger zu gewährleisten.