Dresdner Messe bündelt Beratung und Unterstützung für Alleinerziehende
Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, wird der Dresdner Kulturpalast zum Treffpunkt für Einelternfamilien. Von 11 bis 17 Uhr findet dort die 10. Messe für Alleinerziehende statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung für den Messebesuch ist nicht nötig. Veranstaltungsort ist der Kulturpalast Dresden, Schloßstraße 2.
Für viele Eltern dürfte vor allem die kostenlose Kinderbetreuung erleichternd sein: Sie können sich informieren, ohne zusätzlich eine Unterbringung ihrer Kinder organisieren zu müssen. In Dresden ist etwa ein Viertel der Haushalte mit Kindern alleinerziehend. Das Alleinerziehenden Netzwerk Dresden, ein Projekt des Frauenförderwerks e. V., veranstaltet die Messe. Unterstützt wird sie von der Stadt Dresden und dem sächsischen Sozialministerium.
Beratung, Workshops und eine Gerichtsverhandlung
Die Messe bündelt Angebote zu Kinderbetreuung und Erziehung, rechtlichen und finanziellen Fragen bei Trennung und Scheidung sowie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch Jobsuche und beruflicher Wiedereinstieg stehen auf dem Programm. Dazu kommen Themen wie Bindung, Vertrauen und Entspannung im Alltag – Dinge, die zwischen Brotdosen, Terminen und schlaflosen Nächten gern einmal hinten runterfallen.
Geplant sind Vorträge, Workshops und Mitmachangebote. Das Alleinerziehenden Netzwerk führt gemeinsam mit dem Amtsgericht Dresden, dem Jugendamt sowie Anwältinnen und Anwälten eine nachgestellte Gerichtsverhandlung zum Gewaltschutz auf. Wer dabei sein möchte, muss sich vorher über die Website des Frauenförderwerks anmelden.
Beratungsstellen für Kindertagespflege informieren über Tagespflege. KINDERLAND-Sachsen, Malwina und Outlaw vermitteln kostenlos Betreuungsplätze bei Tagesmüttern und Tagesvätern. Für Kinder gibt es außerdem eine Kreativecke und Kinderschminken. Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich; Dolmetschende übersetzen in Gebärdensprache, Arabisch, Russisch und Ukrainisch.
Hilfen der Stadt – und ein Netzwerk zum Mitmachen
Die Stadt Dresden weist darauf hin, dass Alleinerziehende Kinderbetreuung und Alltagsorganisation häufig allein bewältigen. Auf ihrer Informationsseite nennt sie unter anderem die Broschüre „Allein mit Kind? Anlaufstellen und Unterstützung für Alleinerziehende in Dresden“. Ebenfalls aufgeführt sind „Familienfreundliche Freizeitangebote in der Erlebnisregion Dresden“ mit mehr als 200 Angeboten für Familien in Sport, Spiel, Natur, Kunst und Kultur sowie „Rundum – Schwangerschaft und Geburt“ zu Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Betreuung, Lebensplanung, Partnerschaft und Beruf.
Für den Arbeitsalltag gibt es „So sag ich’s meinen Vorgesetzten“ zu Elternzeit, Wiedereinstieg und flexiblen Arbeitsmodellen. „Familienbewusste Personalpolitik für Väter – so funktioniert’s“ beschäftigt sich mit der Unterstützung von Vätern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Volkshochschule Dresden e. V. bietet Kurse für Familien an. ALISA – Alleinerziehend in Sachsen informiert über finanzielle Hilfen, rechtliche Regelungen, Entlastungen und Veranstaltungen. Auch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt Broschüren und Studien bereit.
Weitere Orientierung geben die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit. Sie informieren über gleiche Chancen für Frauen und Männer am Arbeitsmarkt. Zuständig sind in Dresden außerdem die Abteilung Kinder-, Jugend- und Familienförderung, die Gleichstellungsbeauftragte und das Jobcenter Dresden. Genannt werden dabei das Sozialgesetzbuch II (SGB II), Grundsicherung für Arbeitsuchende, § 18e, das Sozialgesetzbuch III (SGB III), Arbeitsförderung, § 385, und das Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII), Kinder- und Jugendhilfe, § 17.
Das Alleinerziehenden Netzwerk Dresden (AND) ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss behördlicher, gewerblicher und zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure. Das Netzwerk berät und unterstützt Alleinerziehende in Dresden. Institutionen, die sich engagieren möchten, können sich per E-Mail an and@frauenfoerderwerk.de wenden. Die städtische Seite wurde zuletzt am 8. September 2026 geändert.
Zwischen Trennung, Betreuung und Geldsorgen
Deutschlandweit werden in jeder fünften Familie Kinder allein oder getrennt von ihren Eltern erzogen. Gerade nach einer Trennung kommen emotionale und finanzielle Herausforderungen zusammen. Kostenlose Beratungsangebote können helfen, Konflikte zu lösen und gemeinsame Lösungen im Interesse des Kindes zu finden.
Für 2023 nennt das Bundesministerium 2,5 Millionen minderjährige Kinder in allein- oder getrennterziehenden Familien und 1,7 Millionen alleinlebende Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern. Der Väteranteil lag bei 18 Prozent und ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das hängt vermutlich teilweise mit der zunehmenden gemeinsamen Betreuung der Kinder zusammen, die von amtlichen Daten allerdings nicht ausreichend erfasst wird.
Die Befragung „Aufwachsen in Alltagswelten“ zeigt ein uneinheitliches Bild: Acht Prozent der Kinder übernachten relativ häufig beim anderen Elternteil, nämlich an 10 bis 15 Nächten pro Monat. 22 Prozent haben keinen Kontakt mehr zum anderen Elternteil, 29 Prozent übernachten nie dort. Für Eltern besteht Anspruch auf kostenlose Erziehungs-, Ehe- und Familienberatung durch das Jugendamt oder freie Träger. Solche Gespräche können frühzeitig genutzt werden, um Konflikte zu lösen und eine Trennung möglicherweise zu verhindern. Während einer Trennung helfen Beratungsstellen dabei, Lösungen zu entwickeln, die dem Kind eine stabile Beziehung zu beiden Elternteilen ermöglichen. Über die Beratungsstellensuche des Familienportals finden Eltern Angebote in ihrer Nähe.
Zusätzlich bietet das Projekt „STARK – Streit und Trennung meistern: Alltagshilfe, Rat & Konfliktlösung“ kostenlose Online-Beratung für Eltern und Kinder. Die Website informiert über rechtliche und wirtschaftliche Folgen einer Trennung und bietet ein kostenloses Online-Training zur Bewältigung von Partnerschaftskrisen. Kinder und Jugendliche finden dort altersgerechte Informationen und praktische Tipps.
Unterstützung reicht bis zum Steuerbescheid
Wie die wirtschaftliche Situation nach einer Trennung aussieht, hängt wesentlich davon ab, wie Eltern Beruf und Familienarbeit zuvor aufgeteilt haben. Eine partnerschaftliche Aufgabenteilung kann stabilisieren, weil dann meist beide Elternteile erwerbstätig sind. Frühzeitige Arbeitsmarktintegration, insbesondere von Müttern, soll das Armutsrisiko nach einer Trennung verringern. Dazu gehören der Ausbau der Kindertagesbetreuung, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und das einkommensabhängige Elterngeld. Ab 2026 wird außerdem schrittweise ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder bis zur vierten Klasse eingeführt.
Kindergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld können Alleinerziehende mit kleinen und mittleren Einkommen finanziell unterstützen. Wer Bürgergeld bezieht, erhält zusätzlich zu den Regelsätzen einen Mehrbedarf. Weitere spezielle Leistungen sind der steuerliche Entlastungsbetrag und der Unterhaltsvorschuss.
Der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende beträgt 4.260 Euro jährlich. Ab dem zweiten Kind erhöht er sich um 240 Euro pro weiterem Kind. Der Unterhaltsvorschuss greift, wenn der andere Elternteil keinen oder unregelmäßig Unterhalt zahlt: 227 Euro monatlich für Kinder bis fünf Jahre und 299 Euro monatlich für Kinder von sechs bis elf Jahren. Für ältere Kinder ist der Bezug bis zum vollendeten 18. Lebensjahr möglich, wenn sie nicht auf SGB-II-Leistungen angewiesen sind oder der alleinerziehende Elternteil im SGB-II-Bezug mindestens 600 Euro brutto verdient. Auch verwitwete Alleinerziehende haben Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Bei Bezug einer Waisenrente wird der Unterhaltsvorschuss um deren Betrag reduziert. Weitere Informationen zu Unterstützungsleistungen bietet das Familienportal.
Der Zehnte Familienbericht der Bundesregierung untersucht, wie Allein- und Getrennterziehende besser unterstützt werden können. Laut Bericht bilden die bestehenden Rechtsgebiete die unterschiedlichen Betreuungsmodelle noch nicht ausreichend ab; auch Mehrkosten geteilter Betreuung werden im Sozial- und Steuerrecht bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Alleinerziehende und ihre Kinder sind deutlich häufiger von Armut betroffen, zudem sind Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden bei ihnen häufig schlechter. Die Sachverständigenkommission legte zahlreiche Handlungsempfehlungen für weitere Reformen vor.
Weitere Informationen zur Messe stehen unter alleinerziehende-dresden.de und frauenfoerderwerk.de. Am 1. Oktober ist im Kulturpalast dann
