Am 24. April 2026 spricht Professor Philip Peter, der an der Universität Potsdam für Musiktheorie und Schulpraktisches Musizieren verantwortlich ist, über die Bedeutung von Inklusion und die Herausforderung des Lebens mit einer Sehbehinderung. Seit seiner Geburt kämpft er mit den Folgen einer Netzhauterkrankung, die ihm – in Kombination mit einer teilgelähmten linken Handmuskulatur – eine Perspektive auf die Welt verwehrt, die für viele als selbstverständlich gilt. Trotz seiner eingeschränkten Sehkraft, die nur 30% Sehschärfe im rechten Auge zulässt, hat Peter eine beeindruckende Karriere im Bereich Musik aufgebaut.
Nach dem Abitur entschied sich der Forscher gegen ein Lehramtsstudium, da ihm kein geeigneter Referendariatsplatz angeboten wurde. Stattdessen sammelte er Erfahrungen als künstlerischer Mitarbeiter an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock und wurde später Honorarprofessor. Im März 2024 trat er seine Position an der Universität Potsdam an und zeigt sich mit der Unterstützung, die er dort erhält, zufrieden.
Herausforderungen und Hilfsmittel im Alltag
Um den Anforderungen seines Berufs gerecht zu werden, nutzt Peter auch moderne Hilfsmittel. Diese reichen von Tageslicht und unterstützender Beleuchtung bis hin zu Diktiersoftware und einem großen Bildschirm, um die visuelle Belastung zu minimieren. Dennoch hat er mit Problemen am Computer zu kämpfen, was gelegentlich zu Kopfschmerzen führt. Um seine Ermüdung zu verringern, ermutigt er seine Studierenden zur persönlichen Kommunikation.
Die Universität selbst fördert die Inklusion und unterstützt Hochschulangehörige mit Behinderungen durch verschiedene Maßnahmen. Inklusionsbeauftragte Annette de Guzmán steht den Beschäftigten hilfreich zur Seite. Peter wünscht sich jedoch darüber hinaus, dass Schwerbehinderte proaktiv nach ihren Bedürfnissen gefragt werden. Diese Perspektive könnte den Zugang zu geeigneten Hilfsmitteln und Arbeitsplatzanpassungen erleichtern.
Musik als universelle Sprache
Musik gilt als universelle Sprache, die Menschen jeden Alters und kulturellen Hintergrunds anspricht. Inklusion in der Musikerziehung ist besonders wichtig, da sie das Selbstvertrauen stärkt und Lebensfreude vermittelt. Für Kinder und Jugendliche mit Sehbeeinträchtigungen kann die Musikerziehung entscheidend für die kulturelle Teilhabe sein. Aktives Musizieren fördert nicht nur die körperliche und geistige Entwicklung, sondern motiviert auch zur Bewegung und verbessert die Körperwahrnehmung.
In der Frühförderung hat die musiktherapeutische Arbeit, die das Ohr als Zugang zu Gefühlen nutzt, gezeigt, dass sie einen geschützten Raum für nonverbale Kommunikation bietet. Peters Überzeugung, dass Behinderungen oft verborgene Talente freisetzen, verstärkt die These, dass die Musikerziehung unterschiedliche Begabungen und Ressourcen erkennen und fördern kann. Laut einer Stellungnahme der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände stellt der geringe Umfang an Musikunterricht von nur ein bis zwei Stunden pro Woche eine Einschränkung dar, die verbessert werden sollte.
Ein Platz an der Seite der Inklusion
Peters Engagement erstreckt sich über den Unterricht hinaus; er hat sich als Role Model für die Inklusionskampagne „Bist du ein Hingucker?“ angeboten. Seine Mission ist klar: Er möchte anderen mit Behinderungen zeigen, dass sie trotz aller Herausforderungen Großes erreichen können. Dennoch drückt er Bedenken zur institutionellen Drucksituation aus, die sowohl Kreativität als auch individuelle Entfaltung hemmt.
In einer Zeit, in der über Heterogenität in der Gesellschaft diskutiert wird, appelliert Peter, dass Teilhabe nicht nur eine finanzielle Frage sein sollte. Seine persönliche Geschichte und sein Engagement im Bereich Musik haben ihn zu einem wichtigen Vertreter für Menschen mit Behinderungen gemacht, die sich ein inklusives und unterstützendes Umfeld wünschen. Sein Credo lautet, dass Behinderungen oft Fähigkeiten offenbaren, die bei anderen weniger ausgeprägt sind.
Lesen Sie mehr über Philip Peters Erfahrungen und Positionen auf der Website der Universität Potsdam, sowie die Anliegen der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände bezüglich inklusive Musikerziehung.