Wer in der Region Aachen lebt, merkt die Euregio Maas-Rhein oft erst, wenn die Grenze im Alltag plötzlich keine große Rolle spielt: beim Einkaufen jenseits der Grenze, im Zug nach Maastricht oder im Gespräch mit Pendlerinnen und Pendlern aus Ostbelgien. Die aus Ostbelgien stammende Forscherin Alina Müllender von der Universität Hasselt untersucht diese euregionale Identität. Gegenüber dem Belgischen Rundfunk (BRF) beschreibt sie eine eher indirekte Verbundenheit – weniger als großes politisches Bewusstsein, mehr als Gewohnheit.

Bei Straßenbefragungen in Vaals und Aachen wussten nur wenige Menschen, dass die Euregio Maas-Rhein seit 50 Jahren besteht. Einige wünschten sich einheitlichere Fahrscheine für Bus und Bahn. Das klingt unspektakulär, ist aber ziemlich nah am echten Grenzalltag. Wichtig dabei: Die Aussagen aus den Befragungen geben die Sicht der jeweils Befragten wieder, nicht die Haltung der gesamten Grenzregion.

Ein Verbund zwischen drei Ländern

Die Euregio Maas-Rhein – französisch Eurégion Meuse-Rhin, niederländisch Euregio Maas-Rijn – liegt im Grenzraum von Belgien, Deutschland und den Niederlanden, im Umfeld von Aachen, Lüttich und Maastricht. Laut BRF besteht sie seit 50 Jahren; ihre Gründung wird auf 1976 datiert. Damals entstand sie als Arbeitsgemeinschaft. 1991 erhielt die Organisation die Rechtsform einer Stiftung nach niederländischem Recht. Zunächst war sie im Provinzhaus der niederländischen Provinz Limburg in Maastricht ansässig.

Seit dem 1. Januar 2007 befindet sich der Sitz in Eupen, Belgien, im Haus Gospertstraße 42. Die Deutschsprachige Gemeinschaft gehört dem Verbund seit 1992 an. Die Euregio zählt zu den ältesten grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen Europas und verbindet Regionen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Auf rund 11.000 Quadratkilometern leben fast vier Millionen Menschen in einem gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum. Zum Verbund gehören fünf Partnerregionen: auf deutscher Seite die Region Aachen mit der Stadt Aachen, der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren, Heinsberg und Euskirchen; in den Niederlanden der südliche Teil der Provinz Limburg; in Belgien die Provinzen Limburg und Lüttich sowie die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Nördlich grenzt die Euregio an die Euregio Rhein-Maas-Nord, östlich an die Region Köln-Bonn und südlich an die Region Saar-Lor-Lux. Die Landkarte ist also dicht gepackt – und die Wege dazwischen sind oft kürzer als manche Fahrt innerhalb eines einzelnen Bundeslandes.

Die Region Aachen: 46 Städte und Gemeinden

Der deutsche Teil, die Region Aachen, umfasst die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg. Rund 3.500 Quadratkilometer groß, leben dort etwa 1,3 Millionen Menschen in 46 Städten und Gemeinden. Das Gebiet umfasst die westliche Hälfte des Regierungsbezirks Köln und entspricht weitgehend dem früheren Regierungsbezirk Aachen. Ausgenommen sind Niederkrüchten und Elmpt; hinzu kommt der ehemalige Kreis Euskirchen.

Geografisch ist die Region Aachen Deutschlands westlichste Region. Im Süden liegen Nordeifel und Hohes Venn, im Norden die Jülicher Börde. Das Gebiet entspricht nahezu dem Einzugsgebiet der Rur. Im Alltag tauchen dafür auch die Bezeichnungen „Raum Aachen“, „Raum Aachen-Düren“ und „westliches Rheinland“ auf.

Historisch steckt in diesem Raum einiges: das Département de la Roer, Teile der früheren Herzogtümer Jülich und Limburg, das Aachener Reich mit der Reichsstadt Aachen, die Reichsabtei Burtscheid, die Reichsabtei Kornelimünster sowie die karolingischen Gaue Rurgau, Jülichgau und der westliche Mühlgau.

Auch Verwaltungs-, Wirtschafts- und Infrastrukturgebiete überschneiden sich hier weitgehend. Dazu zählen das Tätigkeitsgebiet der Wirtschaftsförderungsgesellschaft AGIT mbH, die Bereiche der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer Aachen, Gerichtsbezirke rund um Aachen und die benachbarten Amtsgerichte Erkelenz und Euskirchen sowie die Zuständigkeitsgebiete der Kreispolizeibehörden Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg. Hinzu kommen der Kernbereich des Bistums Aachen, die evangelischen Kirchenkreise Jülich und Aachen, der westliche ripuarische Sprachraum, das Gebiet der Unteren Forstbehörde Rureifel-Jülicher Börde und das Gebiet des Wasserverbandes Eifel-Rur.

Als zusammenhängende Wirtschaftsräume werden unter anderem das Aachener Steinkohlenrevier zwischen Hückelhoven, Kohlscheid, Eschweiler und Siersdorf sowie die Rurschiene von Linnich über Jülich und Düren bis Kreuzau genannt.

Organisiert wurde die regionale Zusammenarbeit zunächst über den 1981 gegründeten Verein „Regio Aachen e. V.“. 2012 wurde er durch den Zweckverband „Region Aachen“ als Rechtsnachfolger ersetzt. Dieser soll die Region überregional vermarkten, Kräfte in regionalen und überregionalen Netzwerken bündeln, Aktivitäten in der Metropolregion und der Innovationsregion Rheinisches Revier koordinieren sowie die Beantragung von Interreg-Fördermitteln koordinieren.

Bus, Bahn und der ganz praktische Grenzraum

Das Ziel der Euregio ist klar umrissen: Barrieren abbauen, die durch Staatsgrenzen im Alltag entstehen. Dazu gehört die Mobilität von Grenzgängern und Pendlern, aber auch der Ausbau grenzüberschreitender Bus- und Bahnverbindungen. Für viele Regionalzüge und alle Linienbusse gibt es das Euregio-Ticket. Es gilt als Tageskarte für eine Person. An Wochenenden und Feiertagen können zusätzlich ein Erwachsener und bis zu drei Kinder mitgenommen werden. Weitere Angaben zum Geltungsbereich liegen im übermittelten Artikeltext nicht vor.

Die Zusammenarbeit reicht darüber hinaus. Im Bereich Wirtschaft und Arbeitsmarkt geht es um die Förderung der Mobilität, die Unterstützung von Unternehmensansiedlungen und den Wissensaustausch zwischen Hochschulen wie der RWTH Aachen, der Universität Maastricht und der Universität Lüttich. Kultur und Tourismus gehören ebenfalls dazu: gemeinsame Veranstaltungen, Rad- und Wanderwege sowie Kulturprojekte.

Seit 2019 ist die Euregio als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) organisiert. Diese Rechtsform soll gemeinsame Projekte effizienter und unbürokratischer machen. Außerdem erleichtert sie die Beantragung und Verwaltung von EU-Fördermitteln, insbesondere aus dem Interreg-Programm.

Für die RWTH Aachen ist das nicht bloß Verwaltungssprache. Hochschulen sitzen in diesem Raum nicht auf Inseln, sondern arbeiten über Grenzen hinweg zusammen – manchmal in großen Forschungsvorhaben, manchmal in kleineren Kontakten, die zunächst fast beiläufig wirken. Ein Seminar, ein Forschungsprojekt, ein Weg zur Partnerhochschule: So kann euregionale Verbindung aussehen.

Förderung mit grenzüberschreitendem Mehrwert

Das Interreg-Programm „Deutschland-Nederland“ fördert die Zusammenarbeit zwischen niederländischen und deutschen Gemeinden, (Land-)Kreisen, Universitäten und Hochschulen sowie Verbänden. Unterstützt werden auch niedrigschwellige, kleinere Projekte. Das kann beim Einstieg helfen, wenn eine Idee noch nicht nach einem millionenschweren Großvorhaben aussieht.

Gefördert wird unter anderem der Technologietransfer für kleine und mittlere Unternehmen. Weitere Bereiche sind der Ausbau grenzüberschreitender Infrastruktur, der grenzüberschreitende Patientenschutz vor Infektionskrankheiten und die Zusammenarbeit deutscher und niederländischer Sicherheitskräfte.

Ein zentrales Genehmigungskriterium ist der grenzüberschreitende Mehrwert. Die Projektpartner sollen auf mehreren Ebenen tatsächlich zusammenarbeiten: Mitarbeitende arbeiten grenzüberschreitend, es bestehen finanzielle Überschneidungen und inhaltlich verfolgen die Partner dasselbe Ziel. In der Zeitschrift „Grenzen Verbinden“ werden dazu Beispielprojekte vorgestellt.

Wer die Entwicklung der Euregio nachlesen möchte, findet unter anderem Almut Krielens Das ist ungeheuer bunt hier! Die Euregio Maas-Rhein nutzt die Chancen ihrer Vielfalt (Shaker, Aachen 2005), Johanna Kamermans Euregio Carolus Magnus – Grenzen in Fluss (Mainz/Aachen 2004), Krielens Beitrag Grenzen machen diese Region spannend. Zum Politikverständnis der Akteure in der Euregio Maas-Rhein in Politisches Handeln in transnationalen Räumen (Nomos, Baden-Baden 2005) sowie Rolf Purpars Euregio – Land zwischen Maas und Rhein (Meyer