Gerhard Gribkowsky stirbt bei Motorradunfall in Österreich
Gerhard Gribkowsky, der frühere Vorstand der Bayerischen Landesbank, soll am 4. Oktober bei einem Motorradunfall in Niederösterreich ums Leben gekommen sein. Der 68-Jährige war an einem Sonntagnachmittag auf einer Bundesstraße bei Schwarzau im Gebirge unterwegs, kam von der Fahrbahn ab und prallte mit seinem Motorrad laut österreichischen Medien gegen einen Regenschachtdeckel. Er wurde vom Fahrzeug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle.
Die Polizei bestätigte den Tod, nannte den Namen des Verunglückten in ihrer ersten Unfallmeldung jedoch nicht. Berichtet hatten unter anderem die „Bild“-Zeitung und andere Medien. Die Strecke gilt als beliebte Ausflugsroute, vor allem für Motorradfahrer, und ist als Höllental-Straße bekannt.
Vom BayernLB-Vorstand zum Formel-1-Skandal
Der gebürtige Hamburger gehörte von 2003 bis 2008 dem Vorstand der BayernLB an. Als Risikovorstand spielte er eine wichtige Rolle beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Landesbank. Die BayernLB hatte 2002 Beteiligungen am milliardenschweren Formel-1-Geschäft übernommen, nachdem der Medienunternehmer Leo Kirch insolvent geworden war und die Bank zu einem wichtigen Anteilseigner geworden war.
2006 wurden die Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft, der von Bernie Ecclestone unterstützt wurde. Gribkowsky erhielt aus Ecclestones Umfeld heimlich gut 44 Millionen US-Dollar. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zahlte Ecclestone das Geld, damit Gribkowsky den Verkauf an CVC veranlasste. Ecclestone stellte sich dagegen als Opfer dar und erklärte, Gribkowsky habe ihn besonders raffiniert bedroht. Die Staatsanwaltschaft bezweifelte diese Darstellung.
Nach 45 Verhandlungstagen legte Gribkowsky Mitte Juni 2012 ein Geständnis ab und belastete Ecclestone. Dessen Anwälte bezeichneten das Geständnis als unwahr. Das Landgericht München I verurteilte Gribkowsky 2012 wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im Zusammenhang mit dem Formel-1-Verkauf Bestechungsgeld erhalten und die Transaktion zugunsten von CVC beeinflusst hatte.
Haft, Freigang und ein neuer Alltag
Im Januar 2011 kam Gribkowsky ins Gefängnis. Seit Oktober 2013 war er Freigänger und arbeitete tagsüber bei einem Baukonzern. Im März 2016 wurde er vorzeitig entlassen, der Rest seiner Haftstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Nach seiner Haftentlassung begann er beruflich neu.
Sein früherer Anwalt sagte, Gribkowsky habe nach Verurteilung und Haftstrafe wieder ins bürgerliche Leben zurückgefunden. Der Unfall sei für ihn und seine Familie tragisch. Ein Mann, der einst als einer der mächtigsten Banker Deutschlands galt und bei der BayernLB rund 500.000 Euro jährlich verdient haben soll, war damit wieder weit weg von den Münchner Gerichtssälen und den großen Finanzgeschäften.
Millionenforderungen nach dem Verkauf
Der Fall zog auch zivilrechtliche Folgen nach sich. Constantin Medien verklagte Ecclestone und Gribkowsky auf 171 Millionen Dollar Schadensersatz. Ende Oktober 2012 forderte die Bayerische Landesbank von Ecclestone 416 Millionen Dollar. Darin enthalten waren 350 Millionen Dollar wegen eines aus Sicht der Bank zu niedrigen Verkaufspreises.
Die BayernLB ist eine öffentlich-rechtliche Landesbank mit Sitz in München, Zentralinstitut der bayerischen Sparkassen und Hausbank des Freistaats Bayern. Der Freistaat hält über die BayernLB Holding rund 80 Prozent der Anteile, der Sparkassenverband Bayern etwa 20 Prozent. Deshalb reichte der Streit um die Formel-1-Beteiligung weit über die persönliche Geschichte eines Vorstands hinaus — bis in die Eigentümerstruktur des Landesinstituts.
Nun endet diese Geschichte auf einer österreichischen Bundesstraße, dort, wo Ausflügler und Motorradfahrer normalerweise wegen der Landschaft anhalten. Gribkowsky wurde 68 Jahre alt. Die Nachricht über seinen Tod erreichte auch Würzburg: An der Universität Würzburg bleibt vor allem der ungewöhnliche Lebenslauf eines Bankers im Gedächtnis, der vom mächtigen BayernLB-Vorstand über einen internationalen Korruptionsskandal zurück in ein bürgerliches Leben führte.
