Die Diskussion über Glücksspielwerbung im Fußball hat in jüngster Zeit an Intensität gewonnen. Eine umfassende Analyse durch die Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim zeigt, dass die UEFA-Europameisterschaft 2024 und die Bundesliga stark von Werbung für Glücksspiele, insbesondere Sportwetten, geprägt sind.

Die Studienergebnisse sind alarmierend: Während 11 Spielen der EM 2024 wurden 5.914 Hinweise auf Glücksspielwerbung erfasst, was bedeutet, dass etwa alle zwei Minuten ein neues Werbeformat ausgestrahlt wurde. Insgesamt war Glücksspielwerbung 195 Minuten lang präsent, was 7,4 Prozent der gesamten Sendezeit ausmacht.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

Besonders besorgniserregend ist die Normierung von Glücksspiel im Fußball, die vor allem junge Menschen und vulnerable Gruppen gefährdet. Wenn man die Bundesliga untersucht, zeigt die Studie, dass an einem typischen Spieltag 18.708 Werbeinhalte erfasst wurden, von denen 15.089 in Live-Übertragungen sichtbar waren. Dies stellt fast 500 Minuten an sichtbarer Werbung dar, was ein Drittel der gesamten Sendezeit entspricht.

Über 72 Prozent der Werbung stammte von Sportwettenanbietern, wobei 84 Prozent der umworbenen Inhalte Logos waren. In sozialen Medien erreichten 223 veröffentlichte Beiträge über 10 Millionen Nutzer, wobei die Hauptzielgruppe überwiegend junge Männer zwischen 18 und 34 Jahren war. Trotz dieser massiven Werbung waren Alters- und Warnhinweise in TV-Übertragungen kaum zu finden, während soziale Netzwerke mehr überwacht scheinen.

Kritik an der UEFA und der Sponsoren

Die vorangegangenen Entwicklungen haben auch zu einer breiten Diskussion über die Verantwortung der UEFA und ihrer Sponsoren geführt. Am 24. November 2023 wurde die „Menschenrechtserklärung für die UEFA EURO 2024“ ins Leben gerufen, an der unter anderem die Bundesregierung und der DFB beteiligt sind. Ziel dieser Initiative ist es, Menschenrechten Priorität einzuräumen und die Risiken im Bereich Glücksspiel zu adressieren.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Dennoch gibt es erhebliche Kritiken, dass die Verantwortlichen den Anforderungen zum Schutz vor problematischem Glücksspiel nicht gerecht werden. Sylvia Schenk von Transparency International Deutschland e.V. äußert Bedenken, dass die UEFA EURO 2024 Glücksspiel in der Gesellschaft salonfähig macht und insbesondere junge Männer anlockt. Auch der Slogan von Interwetten, „Du hast das Wissen. Wir haben die Wetten“, wird als irreführend kritisiert.

Forderungen nach Prävention und Aufklärung

Angesichts der steigenden Anzahl von Glücksspielabhängigen in Deutschland, schätzt man etwa 1,3 Millionen Menschen, wird eine Aufklärungskampagne zu den Risiken des Glücksspiels gefordert. Die Nationale Anti-Doping-Agentur hat zwar eine Präventionskampagne gestartet, jedoch bleibt eine Kampagne zur Prävention von Glücksspielsucht aus. Der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert hat bereits auf die schwerwiegenden Gefahren des Glücksspiels hingewiesen, ohne dass sein Appell bislang Berücksichtigung fand.

Markus Sotirianos vom Bündnis gegen Sportwetten-Werbung fordert eine Stärkung der Glücksspielsuchtprävention anstelle von weiterer Werbung für Glücksspiel. Diese Ansätze stehen im Kontext einer sich verändernden Medienlandschaft, in der Inhalte zunehmend verschwimmt und Grenzen zwischen Information, Unterhaltung und Werbung oft nicht mehr klar zu erkennen sind.