Der mehr als drei Meter tiefe Hackensee bei Holzkirchen ist weitgehend trockengefallen. Wo sonst Wasser liegt, zeigen sich rissiger Seegrund, Muschelschalen und trockengelegte Fischerboote. Auch eine Uferbefestigung liegt frei. Ein ungewohnter Anblick – und für viele vor Ort ein ziemlich mulmiger.

Bei einem Ortstermin am Dienstag informierten sich rund 50 Besucher, Politiker, Behördenvertreter und Eigentümer über die Lage. Eingeladen hatte der Landtagsabgeordnete Martin Rosenberger (FW) auf Initiative von Erdal Karli. Holzkirchens Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) betonte die Bedeutung des Hackensees und sprach sich für eine gemeinsame Lösung mit Sachsenkam und dem benachbarten Landkreis aus.

Zu wenig Regen, zu wenig Schnee

Klaus Neugebauer von der Regierung von Oberbayern bezeichnete das Niedrigwasser als mitteleuropäisches Phänomen. Als Hauptursache nannte er zwei aufeinanderfolgende Jahre mit zu wenig Niederschlag im Raum Holzkirchen: zu wenig Sommerregen und zu wenig ergiebiger Schneefall im Winter.

Wasser aus dem Kirchsee in den Hackensee umzuleiten, sei keine Option, erklärte Neugebauer. Dadurch würden die Moore geschädigt. Das Ellbach- und Kirchseemoor gehört zu den drei wichtigsten Moorgebieten Bayerns und ist als FFH-Gebiet geschützt. Gerade in Dürrezeiten müsse das Wasser in den Mooren gehalten werden.

Auch dem Kirchsee fehlen derzeit etwa 30 Zentimeter Wasser. Laut dem Biologen Burkhard Quinger verfügt das Gebiet über keine Reserven. Ein zusätzlicher Eingriff würde also nicht einfach ein Problem lösen, sondern das Wasser anderswo fehlen lassen.

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Hackensee-Eigentümerin Ulrike Glaser-Preiß verwies auf bestehende Schutzmaßnahmen und ein Besucherlenkungssystem. Ihre Familie hat außerdem bei der Universität Regensburg einen Gewässerentwicklungsplan in Auftrag gegeben. Der niedrige Wasserstand gefährde das fragile Ökosystem des Sees, befürchtet sie, und forderte gemeinsame Lösungen.

Der Biber ist nicht der Hauptschuldige

Gerhard Schwab, langjähriger Gebietsbetreuer für Bibermanagement in Südbayern, wies den Biber als Hauptursache zurück. Biberdämme führten nicht dazu, dass mehr Wasser versickere. Bei natürlichen Gewässern verschwinde Wasser auch nicht durch sogenannte Biberröhren, da Biber ihre Ausstiege über Land anlegten.

Michael Vermeulen vom Landratsamt Miesbach lenkte den Blick auf eine andere Folge: Durch die kleinen Wasserflächen an den Biberdämmen verschwänden auch die letzten Rückzugsorte für Kleinstlebewesen. Wegen der Trockenheit hätten sich die Biber inzwischen ebenfalls zurückgezogen; derzeit seien drei bis vier Familien bekannt.

Am Angelclub Hartpenning klingt die Sache trotzdem weniger theoretisch. Hubert Schmid berichtete von einem Wasserstandsverlust von etwa einem Meter in diesem Jahr. Bei einer maximalen Tiefe von 3,5 Metern kann das den Fischbestand erheblich beeinflussen.

Die Angler beobachten seit mehreren Jahren starke Wasserstandsschwankungen. Als mögliche Gründe nennen sie eine schlechtere Regulierung durch das Moor, ein Aufstauen des Kirchsees und mögliche Einflüsse des Bibers. Der Angelclub möchte Biberdämme gelegentlich mechanisch öffnen dürfen. Außerdem bat er das Landratsamt um Unterstützung beim aufgestauten Schlamm vor dem Auslauf.

Landrat Jens Zangenfeind (FW) sagte zu, die zuständigen Stellen würden ihre Aufgaben erledigen. Rosenberger kündigte an, die Entwicklung rund um den Biber weiterzuverfolgen.

Bayern trocknet aus – Moore halten Wasser zurück

Der Blick über den Hackensee hinaus zeigt, wie groß der Zusammenhang ist. Von März bis Juli 2026 fiel in Bayern so wenig Niederschlag wie seit 1931 nicht mehr. Hitzewellen und hohe Temperaturen verstärkten die Austrocknung durch hohe Verdunstung. Örtlich lag die Zahl der Tage mit mindestens 30 °C bis zum Siebenfachen über dem langjährigen Mittel.

Die Folgen: niedrige Grundwasserstände, ausgetrocknete Böden und geringe Wasserstände in Flüssen und Seen. Am 19. August 2026 wurde in Mindelheim ein „sehr niedriger“ Grundwasserstand von 8,59 Metern unter Geländehöhe gemessen; die Messstelle liegt auf 602,33 m ü. NN. In Krumbach wurden am selben Tag 3,34 Meter unter Geländehöhe registriert – ein neuer Tiefststand seit Beginn der Messungen im Jahr 2000. Auch an zahlreichen weiteren Grundwassermessstellen in Bayern gab es sehr niedrige Wasserstände oder neue Niedrigstwerte.

Als mögliche Gegenmaßnahme gilt, Wasser stärker in der Landschaft zurückzuhalten und natürliche Wasserspeicher wie Moore zu aktivieren. Moorberaterin Elisabeth Fladerer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Krumbach-Mindelheim erklärte, Wasser sei über Jahrzehnte oder Jahrhunderte möglichst schnell aus der Landschaft abgeleitet worden.

Manchmal beginnen die Gegenmittel klein: Ackerrandstreifen und Hecken können den Abfluss verlangsamen und die Versickerung vor Ort fördern. Für den künftigen Wasserrückhalt kommen außerdem Auenflächen infrage, die Hochwasser aufnehmen, sowie wiedervernässte Moore.

Im Leipheimer Moos wird seit Anfang Mai Wasser aus der Karstquelle Nau in Bereiche des kalkhaltigen Niedermoores geleitet. Menge und Ableitung richten sich nach den tagesaktuellen Pegelständen. Trotz der außergewöhnlichen Trockenheit waren die Moorflächen laut Raphael Rehm von der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos überwiegend gut mit Wasser versorgt.

Die Wiedervernässung soll den Torfkörper erhalten, die weitere Zersetzung von Torf verringern und zum Arten- und Klimaschutz beitragen. Wasserbüffel halten sich dort in den nassen und schlammigen Bereichen auf – ein Bild, das mit dem rissigen Grund des Hackensees kaum weiter auseinanderliegen könnte.

Wasser, Torf und Zeit

Rehm und Fladerer betonen, dass Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Klimaschutz und Naturschutz gemeinsam betrachtet werden sollten. Die Entstehung von Mooren dauert Tausende Jahre, ihre Entwässerung erfolgt seit vielen Jahrzehnten. Auch Wiederherstellung und Regeneration brauchen Zeit und lassen sich nicht allein durch technische Maßnahmen wie Dämme erreichen.

Als möglicher neuer Ansatz gilt die wirtschaftliche Nutzung nasser Flächen, etwa Paludikultur. Moore sind Feuchtgebiete und wichtige Kohlenstoffspeicher: Unter Wasser konservierte Pflanzenreste bilden über Jahrtausende Torf. Ein Hektar Moor bindet etwa sechsmal so viel CO₂ wie eine vergleichbare Waldfläche.

Entwässerte Moore geben diesen gespeicherten Kohlenstoff wieder frei. Obwohl Moore weltweit etwa 0,4 Prozent der Landfläche bedecken, verursachen entwässerte Moore rund fünf Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen – etwa das Doppelte der weltweiten Emissionen des Flugverkehrs.

Eine dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung entwässerter Moore ist nicht möglich, weil sich Pflanzenreste zersetzen und der Boden absackt. Im Raum Günzburg beträgt die Torfsackung bis zu zwei Zentimeter pro Jahr. Wer die aktuellen Grundwasserstände in Bayern verfolgen will, findet sie unter www.nid.bayern.de/grundwasser.