Heute, am 20. Oktober 2026, startet in Halle eine Produktreihe, die nach Stadt klingt: „Hallesches Jelumpe“. „Jelumpe“ heißt auf Hochdeutsch so viel wie „Zeug“ oder „Sachen“ – und genau darum geht es. Der Förderverein Pro Halle e. V. und die Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH wollen typische hallesche Wörter und Redewendungen sichtbar machen, nicht bloß im Gespräch am Küchentisch, sondern auch im Alltag.

Zum Auftakt stehen Tassen im Retrostil sowie ein beidseitig bedrucktes beziehungsweise verwendbares Plakat mit halleschen Begriffen und Redensarten im Regal. Die Produkte gibt es in zwei Varianten: „Meine“ in Pastellrosa und „Meiner“ in Hellgrau. „Jörschen“ und „bejoller mor“ werden als weitere Beispiele für hallesche Ausdrücke genannt – Wörter, bei denen man als Ortsfremder vermutlich erst einmal kurz innehält.

Hallesche Wörter zum Mitnehmen

Die ersten Artikel sind ab sofort in der Tourist-Information im Marktschlösschen und im Online-Shop hallesaale.shop erhältlich. Die Produktreihe soll nach und nach wachsen. Geplant sind unter anderem eine Postkarte und ein Frühstücksbrett – also Dinge, die morgens tatsächlich auf dem Tisch landen könnten, zwischen Kaffee, Marmelade und dem ersten verschlafenen „Meiner“.

Der Förderverein Pro Halle e. V. hat bereits andere Projekte angestoßen, um hallesche Sprichwörter im Alltag sichtbarer zu machen. Dazu gehört eine künstlerisch gestaltete Hauswand am Hallmarkt. Auch in der Dreyhauptstraße gibt es eine Giebelgestaltung mit hallischen Dialektbegriffen.

Im hallesaale*-Shop werden außerdem saisonale Produkte angekündigt: Der „Finni & Rudi Adventskalender“ kommt als Klappkarte mit Umschlag und ist ab sofort erhältlich. Eine „Finni & Rudi“ Weihnachtstasse 2027 soll ab November erhältlich sein.

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Hallisch – auch Hallensisch oder Hallesch genannt – ist der Dialekt der Stadt Halle (Saale) und umliegender Orte im Saalekreis. In Halle und den angrenzenden Dörfern ist er noch vollständig ausgeprägt. Gesprochen wird Hallisch an der Grenze zwischen ober­sächsischem und thüringischem Sprachgebiet; sprachwissenschaftlich wird der Dialekt sowohl dem obersächsischen Nordosterländischen als auch dem nordostthüringischen Dialektraum zugerechnet.

Wenn aus „gehen“ „jehn“ wird

Entstanden ist Hallisch aus einer ursprünglich niederdeutschen Stadtmundart, die sich zu einer ostmitteldeutsch geprägten städtischen Umgangssprache entwickelte. Der Dialekt hat charakteristische Besonderheiten auf allen Sprachebenen. Viele lokale Wörter stammen aus der „Glauchschen Mundart“ beziehungsweise dem „Lattcherschmus“, einer stark an das Rotwelsche angelehnten Dialektform aus dem Hallenser Stadtteil Glaucha.

Ein paar Lautverschiebungen geben schnell einen Eindruck: Aus „pfeffern“ wird „feffrn“, aus „Teufel“ „Deiwl“. Anfangs-„g“ wird zu „j“ – „gehen“ heißt „jehn“, „geboren“ „jeborn“. „Jung“ verwandelt sich in „junk“, „Boden“ in „Boddn“. Auch Endungen verändern sich: „treiben“ wird zu „dreim“, „kommen“ zu „gomm“, „fangen“ zu „fang“; „hüpfen“ heißt „hübn“, „dampfen“ „dambn“ und „Kinder“ „Kinnor“.

Beim kleinen Wort „der“ landet man bei „dor“, „mir“ kann „mor“ oder „mr“ werden. Verben und folgende Pronomen ziehen häufig zusammen: „hat er“ wird „hatte“, „sagt er“ „saate“, „machst du“ „machste“. Man hört darin eine Stadtgeschichte, die nicht geschniegelt daherkommt, sondern eher mit kurzen Wegen und noch kürzeren Silben.

Zum hallischen Wortschatz gehören „Bärschde“ für Bürste, „Bemme“ für Brotscheibe und „Bottn“ für Schuhe. Ein „Dust“ ist ein Idiot, ein „Ganker“ ein Weberknecht. „Heeme“ bedeutet zu Hause, „Räächn“ Regen, „nüwwer“ hinüber und „rüwwer“ herüber. Wer einen „Quien“ oder „Kwien“ erwähnt, meint einen Hund; „Schnazjer“, „Schnazcher“ oder „Dilpsch“ steht für einen Spatz beziehungsweise allgemein einen Vogel.

Auch ganze Sätze klingen sofort nach Halle: „Haste mr nich jesähn?“ heißt „Hast du mich nicht gesehen?“, „Ich hawwe keen Jeld nich(e).“ bedeutet „Ich habe kein Geld.“ und „Ich hawwe niemand nich jesähn.“ heißt „Ich habe niemanden gesehen.“ „Jib mich ma ne Mark.“ lässt sich mit „Gib mir mal eine Mark.“ übersetzen.

Ein „Motschekiebchen“ ist ein Marienkäfer, „Schnongs“ ein Bonbon und „Kleeches“ schwere Arbeit. „Kniepen“ kann kneifen oder kreischen bedeuten, „mausen“ beziehungsweise „mopsen“ heißt wegnehmen, stehlen oder klauen. Für den Kopf gibt es gleich mehrere Wörter: „Kopp“, „Nischl“ und „Dätz“. Mädchen heißen „Mächens“ oder „Ische(n)“, Jungen „Kerls“ oder „Scheeks(er)“. „Majum“ ist eine veraltete Bezeichnung für Wasser und stammt vom Hebräischen „majim“.

„Meiner“ oder „meinor“ ist eine freundliche Anrede für Menschen und Tiere. Das passt ziemlich gut zu den hellgrauen Tassen – und erklärt vielleicht auch, warum das Wort auf einem Gebrauchsgegenstand weniger nach Museum als nach täglichem Küchenleben klingt.

Dialekt, Stadtgeschichte und Forschung

Hallisch ist nicht mit „Hällisch“ zu verwechseln. Damit werden der Dialekt und das frühere Territorium der Stadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg bezeichnet. Veröffentlichungen zum Hallischen stammen unter anderem von Andrea Seidel, Bodo-Eberhard Lochner, Günter Engelhardt, Gustav Matz und Manfred Lemmer. Als sprachwissenschaftliche Grundlagen werden Arbeiten von Horst Becker, Gunter Bergmann, Helmut Schönfeld und Hans Reimann genannt.

Wie eng Sprache und historische Erinnerung zusammenliegen können, zeigt auch die Podcastreihe „True Crime History & More“ des Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalt. Konzipiert und organisiert wird sie von Dr. Katrin Moeller und Dr. Anne Purschwitz, gemeinsam mit dem Verein für hallische Stadtgeschichte, dem Arbeitskreis Digitale Landesgeschichte der Historischen Kommission Sachsen-Anhalt und dem Institut für Landesgeschichte.

Ausgangspunkt war die „Lange Nacht der Wissenschaften“ 2022. Die Reihe entstand nach modernen Podcast-Vorbildern; ihre Inhalte werden entweder als Livemitschnitte oder im Rahmen studentischer Seminararbeiten präsentiert. Behandelt werden Biografien historischer Personen, Kriminalfälle sowie zeitgenössische und historische Bewertungen dieser Fälle.

Kriminalhistorische Quellen erzählen dabei nicht nur von einzelnen Delikten, sondern auch vom alltäglichen Zusammenleben historischer Menschen. Die Fälle reichen von der Frühen Neuzeit bis zur DDR-Geschichte und lösten bereits zu ihrer Zeit Diskussionen aus. Es geht um außergewöhnliche Kriminalfälle, rechtliche und ermittlungstechnische Schwierigkeiten, die Rechtmäßigkeit von Indizien und Verfahrenswegen, ethische Herausforderungen und schwierige juristische Auseinandersetzungen.

Alle Fälle haben einen Bezug zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalts und zu Mitteldeutschland. Die Reihe will Landesgeschichte erweitern und historische Forschung öffentlich vermitteln – unterhalten und informieren zugleich. Ab November 2023 erschien zehn Monate lang monatlich eine Podcastfolge. Und wer nach dem Hören noch über ein Wort stolpert, kann ja im hallesaale.shop nachschauen. Vielleicht steht es schon auf dem Plakat.