Die steigenden Temperaturen in urbanen Räumen stellen eine immer drängendere Herausforderung dar. Susanne Draeger, Professorin für Entwerfen und Energieeffizientes Bauen an der BTU Cottbus-Senftenberg, betont: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit.“ Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojekts „Hitze in der Stadt“, gemeinsam mit der Climateflux GmbH und dem Institut für Sozialforschung Berlin, wird diese Thematik intensiv untersucht. Das Projekt wird von Jil Schroth geleitet und zielt darauf ab, die Kluft zwischen technischer Klimaforschung und der Perspektive der Stadtbewohner zu schließen.

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Erkenntnis, dass Städte durch den Wärmeinseleffekt aufheizen. Hitzewellen werden in den letzten Jahren immer häufiger und intensiver. Dies führt zu konkreten Handlungsempfehlungen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, die die Notwendigkeit kühler Wege inmitten urbaner Räume hervorheben, nicht nur schattiger Parks.

Definition des städtischen Wärmeinseleffekts

Der Wärmeinseleffekt beschreibt die Lufttemperaturdifferenz zwischen urbanen Gebieten und ihrem Umland. Laut der WMO ist das städtische Klima durch Bauweise und Emissionen beeinflusst, was sich auf verschiedene meteorologische Parameter wie Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind auswirkt. In Städten können diese Temperaturunterschiede bis zu 10 Kelvin erreichen, während die mittlere Intensität in deutschen Städten zwischen 2 und 4 Kelvin liegt.

Ein wesentlicher Aspekt, der zur Intensität des Wärmeinseleffekts beiträgt, sind fehlende Grünflächen und versiegelte Böden, die Niederschlagswasser nicht speichern können. Dies hat zahlreiche negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung, insbesondere während heißer Nächte, die den Schlaf stören und Konzentrationsschwierigkeiten verursachen können.

Anpassungsmaßnahmen zur Reduzierung von Hitze

Um die Auswirkungen der städtischen Überhitzung zu minimieren, sind Anpassungsmaßnahmen erforderlich. Diese können die Schaffung von Grünflächen, die Einrichtung von Frischluftschneisen sowie geeignete Verschattungsstrategien umfassen. Die Stadtplanung liegt dabei in der Verantwortung der Kommunen und Stadtplaner*innen.

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Das Fraunhofer Institut für Bauphysik spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von evidenzbasierten Planungstools. Diese ermöglichen die Simulation von Stadtklimas und helfen bei der Bewertung der zukünftigen Effekte von Anpassungsmaßnahmen. Ziel ist es, die effektivsten Wege zur Minderung der Überhitzung in Städten zu identifizieren und umzusetzen.

In diesem Zusammenhang fördert Draeger an der BTU den Master-Studiengang „Klimagerechtes Bauen und Betreiben“, der interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ingenieur*innen, Architekt*innen und Planer*innen befördert. Praktische Planungsprojekte und Exkursionen, wie nach Rotterdam und zur TU Delft, belegen innovative Lösungen in der wassersensiblen Stadtplanung und der Klimaanpassung. Städte wie Rotterdam dienen als Vorbild für die Entwicklung hitzeresilienter urbaner Strukturen.

Die Herausforderung, Städte für die Zukunft hitzeresilient zu gestalten, erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch das Engagement der nächsten Generation von Planer*innen und Architekt*innen. Das Ziel bleibt klar: eine nachhaltige und menschenfreundliche urbanisierte Umgebung zu schaffen.