An der Humboldt-Universität zu Berlin stehen mehrere archäologische Fachrichtungen vor tiefen Einschnitten. Die geplanten Sparmaßnahmen gefährden möglicherweise die institutionelle Kontinuität der klassischen Archäologie sowie der Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas. Heute, am 19.10.2026, richtet sich der Blick deshalb auf die HU Berlin – und auf eine Entscheidung, die weit über einzelne Stellen hinausreichen könnte.

Der Akademische Senat berät am kommenden Dienstag erstmals über die Schließung des Archäologieinstituts und den Wegfall der letzten Berliner Professur für Architektur- und Stadtgeschichte. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung soll die endgültige Entscheidung im Dezember fallen. Die Universität muss im akademischen Bereich jährlich 8,2 Millionen Euro einsparen.

Gefährdete Sammlungen und ein Berliner Sonderweg

Die Veränderungen betreffen nicht nur Studiengänge und Professuren. Auf dem Spiel steht auch die Zukunft wissenschaftlicher Sammlungen und der Zusammenarbeit zwischen Universität und Museen. Besonders hart träfe es die Sudanarchäologie. Der Verband der Ägyptologie warnte laut FAZ vor dem vollständigen Verschwinden dieses Fachgebiets aus der deutschen Hochschullandschaft.

Die sudanarchäologische Sammlung mit Objekten aus der UNESCO-Welterbestätte Musawwarat es-Sufra und das dazugehörige Grabungsarchiv in Berlin müssten dann unter veränderten Forschungsbedingungen weitergeführt werden. Wie genau diese Bedingungen aussehen könnten, ist offen. Auch die klassische Archäologie wäre betroffen: Ihre langjährige Kooperation mit den Museen der nahe gelegenen Museumsinsel gilt als besonderes Merkmal des Berliner Wissenschaftsstandorts.

Schon Anfang 2026 kündigte die Hochschule für Technik und Wirtschaft das Ende ihres Studiengangs für Grabungstechnik an. Renommierte internationale Vertreter der klassischen Archäologie protestierten bereits gegen die geplanten Veränderungen. Innerhalb der HU kritisieren Betroffene zugleich die aus ihrer Sicht mangelnde Transparenz bei der Verteilung der Kürzungen. Sie bemängeln, dass Kriterien wie die Einwerbung von Drittmitteln nicht in allen Fachbereichen gleich gewichtet würden.

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Warum die Universitätsleitung kürzen will

Universitätspräsidentin Julia von Blumenthal verweist auf einen 2024 begonnenen Bewertungsprozess für Forschung und Lehre. Wegen eines strukturellen Haushaltsdefizits habe die Universität damals quantitative und qualitative Kriterien sowie die Besonderheiten einzelner Fachbereiche berücksichtigt.

Nach ihrer Darstellung ist die Archäologie bei Drittmittel-Performance und Gesamtforschungsleistung nicht mehr so stark wie früher: Es gebe keinen Clusterantrag, keine Sonderforschungsbereiche und derzeit kein Graduiertenkolleg. Auch das klassische Pompeji-Projekt zählt für die Universität nicht als Drittmittelprojekt, weil es von der Stiftung der Humboldt-Universität finanziert wird.

Die staatlichen Mittel reichten nicht mehr aus, um Aufgaben der Nachwuchsförderung ohne zusätzliche Finanzierung zu gewährleisten, erklärte von Blumenthal. Sie verwies außerdem auf eine geringe Auslastung der Archäologie und Kulturgeschichte Nordostafrikas. Die Einschreibungszahlen in der klassischen Archäologie seien nur begrenzt aussagekräftig, weil ihnen deutlich weniger Studienabschlüsse gegenüberstünden. Vergleichbare Unterschiede zwischen Einschreibungen und Abschlüssen gebe es allerdings auch in anderen zulassungsfreien Studienfächern.

Bereits 2024 plante die Universitätsleitung, eine vierte Professur für Archäologie nach deren Freiwerden 2027 zu streichen. Das Institut sollte anschließend mit drei Professuren neu organisiert werden. Die betroffenen Fachbereiche wurden jedoch erst deutlich später über diese Perspektive informiert – ein Punkt, der den Unmut zusätzlich anheizt.

Von Blumenthal erklärte, die HU wolle archäologische Kompetenzen erhalten und einen offenen Prozess zur Neuaufstellung beginnen. Im ersten Schritt soll ein neues fachliches Konzept erarbeitet werden. Nach bisherigen Überlegungen sollen zwei Professuren mit Ausstattung sowie eine Dauerstelle zur Betreuung der umfangreichen Sammlungen erhalten bleiben.

Damit wären nach Darstellung der Universitätsleitung die Voraussetzungen für ein eigenständiges Institut mit drei Professuren nicht mehr gegeben. Ob und wie die archäologischen Fachgebiete organisatorisch zusammengeführt werden, soll der noch offene Neuaufstellungsprozess klären.

Auch andere Fachbereiche bleiben nicht verschont. Laut von Blumenthal muss selbst die als leistungsstark geltende juristische Fakultät zwei Professuren aufgeben. Dadurch könnten, so die Präsidentin, auch die Zahl hervorragender Studierender, der Absolventen und der Prädikatsexamen sinken.

Wenn die Institutsseite nicht lädt

Wie fragil der Zugang zu Informationen sein kann, zeigt ausgerechnet die Website zur sudanarchäologischen Sammlung und zum Archiv. Beim Abruf konnte Anubis die Website nicht laden; möglicherweise war der Server überlastet. Nutzer sollen die Seite neu laden.

Anubis schützt den Server vor umfangreichem automatisiertem Abrufen durch KI-Unternehmen. Das System nutzt dafür ein Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash, das massenhaftes Scraping verteuern soll. Für einzelne Nutzer soll die zusätzliche Rechenlast gering sein. Beschrieben wird Anubis als vorläufige Lösung, bis bessere Methoden zur Erkennung von Headless-Browsern verfügbar sind.

Moderne JavaScript-Funktionen sind erforderlich. Erweiterungen wie JShelter können diese Funktionen deaktivieren und sollen deshalb für die Domain abgeschaltet werden. Einmal neu laden, vielleicht klappt’s dann – im Alltag klingt das banal, bei einem wissenschaftlichen Archiv ist es doch eine ziemlich eigentümliche Zugangshürde.

Hilfe von außen für kleine Fächer

In dieser angespannten Lage verweist die Novus Stiftung auf eine andere Möglichkeit der Unterstützung. Sie fördert Projekte der Altertumswissenschaften und hilft Wissenschaftler:innen sowie Studierenden bei kreativen Vorhaben. Außerdem engagiert sie sich für die Vermittlung von Archäologie und Kulturgeschichte.

Unterstützt werden Universitäten, Forschungsinstitute, Museen und Sammlungen in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen kleinere Projekte und Initiativen zu materiellen Hinterlassenschaften menschlicher Zivilisationen bis 500 n. Chr. Ziel ist es, kulturelles Erbe zu erforschen und zu vermitteln sowie Bildung und interdisziplinären Austausch zu fördern.

Gefördert werden klassische Fachrichtungen wie Ägyptologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Vorderasiatische Archäologie. Daneben unterstützt die Stiftung neuere Ansätze wie Digital Archaeologies und Cultural Heritage Studies. Gerade unterfinanzierten „kleinen Fächern“ möchte sie neue Perspektiven eröffnen – vor allem mit kurzfristigen, innovativen Maßnahmen, für die im Forschungsalltag häufig das Geld fehlt.

Die Förderung soll unkompliziert, unkonventionell, transparent und flexibel erfolgen. Förderanträge können über ein Formular schrittweise eingereicht werden. Für Projektideen und Fragen zur Förderung verweist die Stiftung auf ein Kontaktformular.

Die Bedeutung alter Kulturen für Gegenwart und Zukunft will die Novus Stiftung verständlich und zugänglich machen. Sie setzt sich für Wissenschaft, Bildung und Kultur ein, möchte Wissen über die Vergangenheit vertiefen und es für kommende Generationen zugänglich und erlebbar halten. Durch schnelle und gezielte Förderung sollen neue Ansätze und nachhaltige Projekte in Wissenschaft und Kultur möglich werden.

Gemeinsam mit Partnern und Förderern will die Stiftung den Reichtum der Geschichte bewahren und innovativ vermitteln. Als zentrale Werte nennt sie Kreativität – also Ideen, die Archäologie und Geschichte lebendig machen –, Dynamik mit schneller und lösungsorientierter Reaktion auf Bedarfe sowie Entschlossenheit durch schlanke Verwaltung und kurze Entscheidungswege.