Am 22. April 2026 wurde Nina Radzewitz für ihre Dissertation zur Untersuchung der Impfentscheidungen ostdeutscher Pflegekräfte geehrt. Ihre Forschung beleuchtet, wie mentalitätsspezifische Strukturen in Ostdeutschland die Entscheidungen während der Corona-Pandemie beeinflussten. Insbesondere fokussiert sie sich auf Pflegefachkräfte, die in der ehemaligen DDR lebten und während dieser gesellschaftlichen Zäsur in der Pflege tätig waren. Der Kontext der Dissertation ist spannend: Die Impfabstimmungen wurden nicht nur durch medizinische Gesichtspunkte, sondern auch durch soziale Faktoren geprägt. Radzewitz beschäftigt sich mit der zentralen Frage, warum sich viele Pflegende gegen die Impfung entschieden.
Die Autorin hebt hervor, dass biografische Erfahrungen aus der Zeit der DDR und der Wendezeit reaktiviert wurden. Interviews mit Pflegekräften schufen ein autobiografisch-narratives Bild, das auf die Ablehnung von staatlichem Handeln hinweist. Die Dissertation macht deutlich, dass auch 35 Jahre nach dem Wiedervereinigungsprozess tief verwurzelte mentalitäre Unterschiede fortbestehen. Dies verleiht ihrer Arbeit nicht nur akademische Tiefe, sondern zeigt auch realpolitische Implikationen auf.
Die Einordnung der Pandemie
In einem breiteren Kontext hat die Corona-Pandemie als gesellschaftliche Zäsur fungiert, die bestehende Ordnungen ins Wanken brachte. Laut pflegenetzwerk-deutschland.de wurde in Fokusgruppen mit Leitungspersonal und externen Experten über die Herausforderungen diskutiert, die die Pandemie mit sich brachte. Die Diskussionen, durchgeführt von der INFO GmbH Markt- und Meinungsforschung im Auftrag des BMG, ergaben, dass die Pandemie zwar ernste Probleme wie den Fachkräftemangel verschärfte, jedoch auch die Notwendigkeit einer genauen Aufarbeitung unterstrich.
Insgesamt fanden drei Gruppendiskussionen statt. Die Teilnehmenden konstatieren, dass viele zentrale Probleme in der Pflege nicht konkret genug adressiert wurden. Kritische Anmerkungen betrafen insbesondere die Unkonkretheit von Maßnahmen und den problematischen Theorie-Praxis-Transfer bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Dr. Holger Liljeberg fasste die Erkenntnisse zusammen und verdeutlichte die Herausforderung, eine Balance zwischen Infektionsschutz und sozialer Teilhabe zu finden.
Die Herausforderungen in der Pflege
Die Pflegekräfte teilten ihre Erlebnisse aus der Pandemie, insbesondere die strikten Infektionsschutzmaßnahmen und die Isolation von Pflegebedürftigen. Während Leitungspersonen die Hygiene als „ermüdendes Verordnungsthema“ erlebten, wiesen externe Experten auf Defizite im Hygienebereich hin. Diese unterschiedlichen Sichtweisen verdeutlichen die Herausforderungen, die die Pandemie sowohl für Pflegekräfte als auch für die Leitungsebene mit sich brachte.
Die Pandemie wurde von vielen als Zeit eines überwältigenden Regelungsdrucks wahrgenommen. Zudem führte der Mangel an Schutzausrüstung zu Beginn der Pandemie zu kritischen Situationen, wenngleich sich diese Problematik schnell entschärfte. Die Diskussion der Fokusgruppen war jedoch nicht nur kritisch, sondern auch konstruktiv. Es wurden praktikable Handlungsvorschläge erarbeitet, darunter die Notwendigkeit eines systematischeren Übersetzungsprozesses für gesetzliche Vorgaben und eine stärkere Unterstützung bei der Entwicklung von Krisenkonzepten.
Nina Radzewitz’ Dissertation wird von ihrer Promotionskommission, darunter Prof. Dr. Heidrun Herzberg von der BTU Cottbus – Senftenberg, als herausragende Leistung gewürdigt. Ihrer Forschung soll auch für die weitere Entwicklung in der Wissenschaft und der Praxis Bedeutung zukommen. Die Autorin wurde für ihren weiteren wissenschaftlichen und persönlichen Weg in dieser bedeutenden Disziplin alles Gute gewünscht. Ihre Arbeit könnte entscheidend dazu beitragen, die Herausforderungen im Pflegebereich besser zu verstehen und geeignete Lösungen zu finden.