IndiKlimA macht Klimaanpassung in Kommunen messbar
Am 9. Oktober 2026 arbeitet der Kreis Mettmann gemeinsam mit Partnern daran, Klimaanpassung messbar zu machen. Im Forschungsprojekt „IndiKlimA – Indikatorenbasiertes Klimaanpassungsmonitoring auf regionaler und kommunaler Ebene“ entsteht ein standardisiertes Monitoring-System. Kommunen sollen damit verfolgen können, ob ihre Anpassungsmaßnahmen wirken – und wie sich die Lage über längere Zeit verändert.
Im Mittelpunkt stehen Indikatoren, die zwei Seiten zusammenbringen: die Betroffenheit durch Klimafolgen und die Wirkung konkreter Gegenmaßnahmen. Hitze soll sich damit besser erfassen lassen, ebenso die Folgen von Starkregen und Überflutungen. Für den Kreis Mettmann ist das keine reine Schreibtischarbeit. Als kommunaler Praxispartner bringt er eigene Erfahrungen in die Entwicklung ein.
Vom Forschungsprojekt in die kommunale Praxis
Erprobt werden die Ansätze gemeinsam mit Remscheid, Solingen und Wuppertal – unter realen kommunalen Bedingungen, also dort, wo Daten fehlen können, Zuständigkeiten ineinandergreifen und ein heißer Sommertag schnell mehr bedeutet als nur klebrige T-Shirts. Der Regionalverband Ruhr (RVR) übernimmt die Vernetzung mit seinen Mitgliedskommunen.
Für die technische Umsetzung des digitalen Monitoring-Tools ist die Disy Informationssysteme GmbH zuständig. Wissenschaftlich koordiniert wird das Projekt vom Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen (FiW), das auch das Indikatorensystem entwickelt. Der Ort Aachen spielt damit nicht nur beim Projektauftakt eine Rolle, sondern ist ein wichtiger wissenschaftlicher Knotenpunkt.
Finanziert wird IndiKlimA über den EFRE-Förderaufruf „Regio.NRW – Transformation“ vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union kofinanziert. Die Projektlaufzeit reicht von Januar 2026 bis Dezember 2028, das Gesamtprojektvolumen liegt bei rund 2,23 Millionen Euro.
Ein Jahr voller Termine und Datensuche
Der Bedarf für ein solches Werkzeug ist nicht aus der Luft gegriffen. Extremwetterereignisse wie das Hochwasser im Juli 2021 haben gezeigt, wie verletzlich Kommunen sein können. Bund und Länder haben Klimaanpassungsgesetze verabschiedet, doch für die praktische Umsetzung fehlen den Städten und Gemeinden bislang einheitliche Werkzeuge. Viele entwickeln eigene Klimaanpassungskonzepte, arbeiten dabei aber mit unterschiedlichen Bewertungsmethoden und Datengrundlagen. Ein systematisches, langfristiges Monitoring ist bislang nur wenig verbreitet.
Beim zweitägigen Projektauftakt-Workshop in Aachen am 28. April 2026 stellte das IndiKlimA-Konsortium den Stand der Klimaanpassungsmaßnahmen in den beteiligten Städten und Kommunen sowie den aktuellen Forschungsstand vor. Im Zentrum standen ein gemeinsames Verständnis und die Zusammenarbeit. Am 24. Juni wurde das Projekt beim Bergischen Klimaforum in Solingen vorgestellt. Vertreterinnen und Vertreter der Klimaschutz- und Klimaanpassungsabteilungen des Bergischen Städtedreiecks diskutierten dort die Fortschritte des regionalen Klimamanagements.
Am 14. Juli 2026 nahm IndiKlimA an der feierlichen Übergabe von Förderbescheiden im Rahmen des EFRE-Förderaufrufs „Regio.NRW – Transformation“ im nordrhein-westfälischen Umweltministerium in Düsseldorf teil. Neben IndiKlimA wurden fünf weitere Projekte gefördert. Nach den Projektvorstellungen überreichte Umweltminister Oliver Krischer die Förderbescheide, anschließend tauschten sich die Beteiligten über die Projektinhalte aus.
Richtig warm wurde es beim Workshop am 7. August 2026: Bei 33 °C traf sich das Projektkonsortium beim RVR in Oberhausen, Veranstaltungsort war Haus Ripshorst. Seit dem 1. Oktober 2026 gehört außerdem das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) zum Forschungskonsortium. Das Stadtforschungsinstitut berät Kommunen und erstellt im Rahmen eines Unterauftrags ein Gutachten zu „Klimawandel, Hitzevorsorge und Gesundheit“.
Was Kommunen schon heute nutzen können
Eine Orientierung für die kommunale Arbeit bietet der aktualisierte Online-Leitfaden „Klimalotse 3.0“, den das Umweltbundesamt am 14. September 2022 veröffentlichte. Er richtet sich an Städte, Gemeinden, Regionen, kommunale Entscheidungsträger sowie Klimaanpassungsmanagerinnen und -manager. Der Leitfaden hilft dabei, Folgen des Klimawandels systematisch zu bewerten und sich auf Risiken wie Hitze, Trockenheit und Starkregen vorzubereiten.
Der Klimalotse ist in fünf Module gegliedert: die Initiierung eines Anpassungsprozesses, die Klimarisikoanalyse, die Formulierung von Zielen, die Planung, Finanzierung und Umsetzung von Maßnahmen sowie Monitoring und Evaluation. Dazu kommen Empfehlungen zu aktuellen Studien und Tools, praxisbezogene Arbeitsvorlagen und Aufgabenstellungen. Kommunale Beispiele und Hinweise von Kommunalakteuren zeigen, wie Klimaanpassung vor Ort aussehen kann – manchmal sehr konkret, manchmal mit dem üblichen Ringen um Daten, Geld und Zuständigkeiten.
Auch Querschnittsthemen wie Partizipation, Kommunikation und Datenverfügbarkeit werden berücksichtigt. Struktur und Inhalte orientieren sich an der DIN ISO/TS 14092, die Anforderungen und Leitlinien für die allgemeine Anpassungsplanung kommunaler Verwaltungen beschreibt, sowie an der DIN EN ISO 14091 für die Entwicklung und Durchführung von Klimarisikoanalysen und -bewertungen zu gegenwärtigen und zukünftigen Klimarisiken.
Die Version 3.0 enthält neue Texte, erweiterte Kapitel, aktualisierte Links und Studien sowie zusätzliche Praxiserfahrungen. Vorgestellt wurde der Klimalotse im Rahmen der „Woche der Klimaanpassung“ des Bundesumweltministeriums vom 12. bis 16. September 2022. IndiKlimA setzt nun an einer Stelle an, an der es im Alltag oft hakt: bei der Frage, wie sich Fortschritte vergleichbar, dauerhaft und mit vertretbarem Aufwand beobachten lassen.
