Zunehmender globaler Handel, Reisen und der Klimawandel begünstigen die Ausbreitung biologischer Invasionen. Laut fu-berlin.de haben invasive Arten, die sich in neuen Regionen etablieren, gravierende Auswirkungen auf heimische Wild- und Nutztierpopulationen. In einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ haben Biologen der Freien Universität Berlin, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie der University of Bristol ein Bewertungsschema zur Einschätzung des Tierleids durch biologische Invasionen vorgestellt.
Das System trägt den Titel „Animal Welfare Impact Classification for Invasion Science“ (AWICIS) und bewertet die körperliche sowie mentale Verfassung von Tieren, die unter invasive Arten leiden. Es erfasst Merkmale wie Ernährungszustand, Gesundheit und Verhalten. Die Schwere des Tierleids wird in fünf Stufen klassifiziert, die durch physische und physiologische Indikatoren unterstützt werden. Erste Auswertungen haben gezeigt, dass insbesondere eingeschleppte Ameisen, wie die argentinische Ameise (Linepithema humile), den heimischen Tieren schweres Leid zufügen. Diese Ameisenart wurde durch Schifffahrt nach Europa eingeschleppt und verdrängt einheimische Ameisen, was zu Verletzungen und Verhaltensstörungen bei heimischen Tieren führen kann.
Artenvielfalt und ökologische Auswirkungen
Invasive Arten verändern nicht nur die Zusammensetzung der Tierwelt, sie stellen auch eine Bedrohung für die Biodiversität dar. Diese Problematik ist insbesondere in Argentinien ausgeprägt, wo exotische Arten wie der Biber (Castor canadensis) und das Rotbauchhörnchen (Callosciurus erythraeus) erhebliche Risiken für heimische Arten und Ökosysteme darstellen. Laut green-ecolog.com wurde der Biber 1946 auf Feuerland eingeführt, um dessen Fell zu nutzen. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Exemplare in der Region verbreitet. Diese Nager verändern die Waldstruktur, den Wasserhaushalt und die Nährstoffdynamik erheblich.
Ein weiteres Beispiel ist der gemeine Star (Sturnus vulgaris), dessen erster Nachweis 1987 in Buenos Aires erfolgte und der sich seither im Westen und Norden Argentiniens ausgebreitet hat. Diese Art verursacht wirtschaftliche Verluste durch Schäden in Weinbergen und verdrängt heimische Tierarten. Der amerikanische Nerz (Neovison vision), der in den 1950er Jahren eingeführt wurde, bedroht die Wasservögel, insbesondere den Macá Tobiano. Die Schwarze Laus (Achatina fulica) wird aufgrund ihrer hohen Reproduktionsrate und der Übertragung von Krankheiten als schädlich für die Artenvielfalt betrachtet.
Globale Perspektive auf invasive Arten
Weltweit existieren über 37.000 gebietsfremde Arten, von denen mehr als 3.500 als invasiv gelten, wie der WWF unterstreicht (wwf.de). Diese nicht heimischen Arten destabilisieren nahezu alle Ökosysteme, in denen sie sich etablieren. Sie verdrängen einheimische Arten und können auch Krankheiten übertragen, was noch tiefgreifendere Auswirkungen auf die Biodiversität nach sich zieht. In Deutschland sind bislang 1.015 Neobiota-Arten registriert, darunter 449 Tierarten und 469 Pflanzenarten, die sich etabliert haben.
Angesichts der klimatischen Veränderungen wird mit einer verstärkten Ausbreitung und Etablierung nicht heimischer Arten gerechnet. Das Bundesamt für Naturschutz listet mittlerweile 107 gebietsfremde Arten in Deutschland als invasiv, wovon 88 besondere Regulierung in der EU erfordern. Die Schwere und die Lorenzierungen der Auswirkungen durch invasive Arten erfordern dringend weitere Forschung, insbesondere in weniger wohlhabenden Regionen der Welt, wo der Einfluss auf die Biodiversität und die Wirtschaft noch nicht vollumfänglich erfasst wird.