Die Auseinandersetzung mit der deutschen NS-Vergangenheit bleibt ein zentrales Thema in der Geschichtskultur des Landes. Am 2. Juni 2026 erinnert die Universität Münster an den Historikerstreit, der 1986 durch Ernst Noltes Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgelöst wurde. In diesem kontroversen Artikel vertrat Nolte die These, dass die Gräueltaten der Nationalsozialisten eine Reaktion auf die Verbrechen der Bolschewiki waren. Diese Behauptung sorgte für einen Streit über die Singularität des Holocaust und dessen Bedeutung für das deutsche Geschichtsbild.
Kritiker werfen Nolte vor, den Nationalsozialismus zu verharmlosen und ein unkritisches Nationalbewusstsein zu fördern, was die öffentliche Debatte über die NS-Vergangenheit weiter anheizte. Prof. Dr. Holger Thünemann hat die Kontroversen um den Historikerstreit an drei zentralen Zitaten eingeordnet und damit die Komplexität des Themas deutlich gemacht. Bei einem Gedenkakt im Deutschen Bundestag warf Bundespräsident Roman Herzog mit seiner Erklärung vom 3. Januar 1996, den 27. Januar als zentralen deutschen NS-Gedenktag zu proklamieren, ein Licht auf diese Problematik. Herzog wollte damit ein Zeichen gegen rechtsextreme Gewalt setzen und den Rahmen für eine zukunftsorientierte Form des Erinnerns schaffen.
Erinnern und Aufarbeiten
Diese Gedenkveranstaltung, die jährlich rund um den 27. Januar stattfindet, ist nicht nur eine Erinnerung an die Opfer des Holocaust, sondern soll auch die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rassismus stärken. Herzog betonte, dass öffentliches Erinnern alleine nicht ausreicht, um diesen gefährlichen Strömungen entgegenzuwirken. Der Historiker Volkhard Knigge kritisierte den „leerlaufenden Erinnerungsimperativ“ und plädierte für eine Bildung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins.
In diesem Kontext ist der Aufstieg der AfD ein besorgniserregendes Phänomen. Die Partei hat eine neue Welle des Geschichtsrevisionismus in Deutschland initiiert. Björn Höcke forderte bereits 2017 eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“. Alexander Gauland entblößte sich mit der Äußerung, die NS-Zeit sei „nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“. Diese Sichten, die eine Fokussierung auf vermeintlich positive Traditionslinien propagieren, stehen im direkten Widerspruch zu einem kritischen Umgang mit der deutschen Geschichte.
Politische Dimension der Geschichtskultur
Der Historikerstreit wird als „Schwellenereignis“ in der geschichtskulturellen Auseinandersetzung mit dem NS-Regime und dem Holocaust betrachtet. Es wird immer wieder betont, dass Geschichtsschreibung ein Politikum ist und sowohl Wissenschaft als auch Unterricht politische Dimensionen haben müssen, um revisionistischen Ansätzen entgegenzuwirken. Die stetige Aufarbeitung und der kritische Umgang mit der NS-Vergangenheit bleiben essenziell für die deutsche Gesellschaft.
Das Erbe der Vergangenheit erfordert nicht nur das Erinnern, sondern auch eine kritische Reflexion und das Vermitteln von historischem Wissen, um zukünftigen Formen des Extremismus entgegenzuwirken. Die Herausforderung besteht darin, ein Geschichtsbewusstsein zu fördern, das sowohl die grauenvollen Aspekte der Geschichte anerkennt als auch eine positive Zukunftsperspektive ermöglicht.