KI, Roboter und die Zukunft der Arbeit: Zwischen Musks Vision und Wildbergers Gestaltung
Leipzig, 3. November 2026. Während draußen der Herbstwind durch die Straßen zieht, wird in Berlin über eine ziemlich große Frage gesprochen: Wie sieht Arbeit aus, wenn künstliche Intelligenz und Roboter immer mehr Aufgaben übernehmen? Beim zweitägigen Digitalgipfel der Bundesregierung beraten Regierungsvertreter, Experten und Tech-Unternehmer aus mehreren Ländern über Chancen, Risiken und Folgen von KI. Die Zukunft der Arbeitswelt gehört zu den zentralen Themen des Treffens.
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hält eine Zukunft ohne Erwerbsarbeit, wie sie Elon Musk beschreibt, weder für unausweichlich noch für erstrebenswert. Ein Naturgesetz, wonach Erwerbsarbeit zwangsläufig optional werde, gebe es nicht, sagte Wildberger. Die Menschen könnten diesen Prozess gestalten.
„Optional“ klingt nicht für alle nach Freiheit
Musk hatte in einem Interview mit dem „Economist“ erklärt, Künstliche Intelligenz werde jeden Job besser erledigen können als Menschen. Arbeit werde dadurch „optional“. Außerdem hält er eine hochproduktive Überflussgesellschaft für möglich, in der Geld irgendwann keine Rolle mehr spiele.
Wildberger stellte infrage, ob Musk tatsächlich eine solche Welt anstrebe. Er selbst wünsche sie nicht. Eine Welt, in der Menschen sich um nichts mehr kümmern müssten, sei womöglich gar nicht lebenswert. Zugleich stimmte der Minister zu, dass sich Menschen in einem solchen Szenario vor allem der Sinnsuche widmen würden. Das klingt erst einmal nach viel freier Zeit – und dann sitzt man da, mit Kaffee in der Hand, und fragt sich, wofür eigentlich.
Beim „U.S.-Saudi Investment Forum 2025“ hatte Musk am Mittwoch über die langfristigen Folgen von KI und Robotik gesprochen. Nach seiner Einschätzung könnten KI und humanoide Roboter die Armut beseitigen. Tesla werde bei der Entwicklung solcher Roboter vermutlich eine Vorreiterrolle einnehmen; weitere Unternehmen würden ebenfalls humanoide Roboter herstellen.
Musk setzt auf Roboter, Wildberger auf Gestaltung
KI und Robotik bezeichnete Musk als den grundlegenden Weg, um alle Menschen reich zu machen. In zehn bis 20 Jahren könnte Arbeit seiner Prognose zufolge freiwillig beziehungsweise optional sein. Arbeiten wäre dann vergleichbar mit dem Spielen von Videospielen oder Sport. Auch Geld werde künftig keine Rolle mehr spielen.
Für diese weitreichende Erwartung gibt es allerdings bislang keinen Beleg. Studien zufolge kann KI zur Bekämpfung von Armut beitragen. Dass Technologie allein Armut beseitigt, ist bisher nicht nachgewiesen.
Wildberger erwartet derweil, dass sich die Arbeitswelt sicher verändern wird. Neue Jobs würden entstehen, während andere unter Druck gerieten. Menschliches Urteilsvermögen werde nach seiner Einschätzung an Bedeutung gewinnen. Unternehmen rief er auf, weiterhin junge Menschen einzustellen, damit diese lernen und berufliche Fertigkeiten entwickeln können.
Was die Forschung zum Arbeitsmarkt prüft
Wie stark KI den Arbeitsmarkt tatsächlich umkrempelt, untersucht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Technologien entwickeln sich schnell und können Aufgaben zunehmend effizient erledigen. Das IAB analysiert deshalb, in welchem Umfang KI Automatisierungspotenziale besitzt.
Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage, ob durch KI Arbeitsplätze wegfallen, sich Arbeitsaufgaben verändern oder zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Untersucht werden außerdem die Verbreitung von KI-Technologien, mögliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Löhne sowie Veränderungen bei den Qualifikationsanforderungen.
Auch die Schattenseiten landen auf dem Prüfstand: automatisierte Entscheidungssysteme können etwa bei der Personalauswahl Diskriminierungsrisiken mit sich bringen. Daneben geht es um die Auswirkungen auf die Arbeitsqualität. Auf einer Sonderseite bündelt das IAB seine Aktivitäten, Publikationen und Projekte zum Thema „Arbeitsmarkt und künstliche Intelligenz“.
An der Uni Leipzig wirkt die Musk-Prognose damit weniger wie ein fertiger Fahrplan als wie ein sehr großer Entwurf. Ob Arbeit irgendwann Freizeitbeschäftigung wird, entscheidet sich nicht allein in den Laboren von Tesla oder bei der Entwicklung neuer KI-Systeme – sondern auch in Unternehmen, Politik und Klassenzimmern, wo junge Menschen ihre ersten beruflichen Fertigkeiten lernen.
