Die Ergebnisse der PACE-Studie (Planetary Health Action Survey) zeigen einen besorgniserregenden Trend: Das Vertrauen in staatliches Klimahandeln ist auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Messungen gefallen. Laut den Forschern, die die psychologischen Aspekte des Klimawandels und die Handlungsbereitschaft der Menschen analysiert haben, vertrauen derzeit nur 16 % der Befragten dem politischen System. Dies ist eine weitreichende Erkenntnis, die auf eine umfassende Erhebung unter 3.845 Teilnehmern in Deutschland zurückgeht, die von Lena Lehrer und ihrem Team im Rahmen des PACE-Projekts durchgeführt wurde.
Die Studie untersucht, wie Menschen aktuelle Maßnahmen der Klimapolitik wahrnehmen und welche Handlungsmöglichkeiten sie für sich selbst priorisieren. Dabei zeigt sich, dass die Bevölkerung zwar ein starkes Bedürfnis nach mehr Klimaschutz hat, jedoch die staatlichen Programme als unzureichend erachtet. Diese Wahrnehmung führt zu einer verstärkten Individualisierung der Verantwortung für den Klimaschutz. Konzepte, die früher eher als staatlich definiert galten, werden zunehmend als persönliche Aufgaben interpretiert.
Psychologische Klimalage und Handlungsbereitschaft
Obwohl die psychologische Klimalage im April 2026 stabil erscheint, bleibt die Frage, wie eng dieser Korridor der Handlungsbereitschaft sein kann. Prof. Dr. Cornelia Betsch, eine führende Forscherin im PACE-Team, erklärt, dass diese Stabilität trügerisch ist. Die Zustimmung zu einem temporären Tempolimit wird, trotz der aktuellen Energiekrise, nicht stärker unterstützt als bei generellen Tempolimits. Dies verdeutlicht die Komplexität der Lage und dass einfache Maßnahmen oft nicht die erhoffte Resonanz finden.
Die gesammelten Daten zeigen zudem, dass viele Menschen zwar sichtbare Folgen des Klimawandels, wie extreme Wetterereignisse, als Bedrohung wahrnehmen, jedoch die mentalen Gesundheitsprobleme und die steigenden Allergene, die durch den Klimawandel begünstigt werden, erheblich unterschätzen. Diese Kluft zwischen Wahrnehmung und tatsächlicher Handlungsbereitschaft ist besorgniserregend. Ein höheres Bewusstsein für die Risiken korreliert mit einer gesteigerten Bereitschaft zur Handlung, wobei jüngere Menschen und Männer insgesamt eine geringere Bereitschaft zeigen.
Klimawissen und tatsächliches Handeln
Studien belegen, dass im Jahr 2022 73 % der Befragten angaben, sich gut oder sehr gut über den Klimawandel informiert zu fühlen. Jedoch spiegelt sich dieses Wissen nicht immer in klimapolitischen Entscheidungen wider: Nur 52 % verzichten teilweise oder ganz auf das Fliegen aus Klimagründen. Gut 46 % nutzen Ökostrom zu Hause, während 25 % an Umweltschutzorganisationen spenden. Die Kluft zwischen Wissen und Handeln bleibt dabei ein zentrales Thema im Diskurs um Klimaschutz.
Ein fundamentales Problem ist die „Pluralistische Ignoranz“, bei der Individuen glauben, ihre Ansichten über den Klimawandel seien nicht weit verbreitet. Diese Wahrnehmung kann das Handeln hemmen und einen Teufelskreis des Schweigens schaffen. Emotionen und soziale Normen sind hingegen entscheidend für nachhaltiges Verhalten. Wenn Klimakommunikation emotional ansprechend gestaltet wird, kann dies zu einer höheren Handlungsbereitschaft führen.
Laut Experten ist es wichtig, zwischen Wissen über den Klimawandel und über Klimaschutzmaßnahmen zu unterscheiden. Zu viel Angst und Fokussierung auf den Klimawandel können kurzfristige Lösungen begünstigen und andere soziale Prioritäten vernachlässigen. Daher wird eine Umgestaltung der Klimakommunikation und Schulungen in Verhaltenspsychologie angeraten.
Das PACE-Projekt wird durch verschiedene Institutionen unterstützt, darunter das BNITM, das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die fortlaufende Forschung zielt darauf ab, die Lücke zwischen Verhaltensabsicht und tatsächlichem Verhalten im Klimaschutz zu schließen und somit einen Beitrag zu effektiveren Klimaschutzstrategien zu leisten. Weitere Informationen zur PACE-Studie sind auf der Website der Universität Erfurt zu finden.