Der fortschreitende Klimawandel hat weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, darunter auch die Verbreitung von Antibiotika-resistenten Mikroben. Ein neues Forschungsprojekt mit dem Titel „Bakterielle Klimaresilienz in One Health“ (BaKlimON), das am 1. Juli 2026 startet, soll sich intensiv mit der Wechselwirkung zwischen Mikroorganismen und den klimatischen Veränderungen auseinandersetzen. Mit einer Förderung von 3,2 Millionen Euro durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie die Volkswagenstiftung wird das Projekt von der Leibniz Universität Hannover, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) koordiniert.

Die Forschungsteams, unter der Leitung von Prof. Dr. Natalia Tschowri, zielen darauf ab, die Anpassungen von Mikroben an wesentliche klimatische Stressfaktoren wie Temperatur- und Wasserstress zu untersuchen. Dabei stehen nicht nur die Auswirkungen auf Mikroorganismen an sich im Fokus, sondern auch deren Einfluss auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Zu den klinisch relevanten Erregern, die eingehend untersucht werden sollen, zählen unter anderem Staphylokokken und Enterobacter. Diese Forschung ist notwendig, denn klimabedingte Veränderungen könnten die Häufigkeit von Infektionskrankheiten steigern und damit den Bedarf an Antibiotika erhöhen, was wiederum die Entwicklung von Resistenzen begünstigt.

Zusammenhang zwischen Klimawandel und Antibiotikaresistenzen

Aktuelle Studien, wie die Übersichtsarbeit von Dr. Erta Kalanxhi und Dr. Ramanan Laxminarayan im Fachjournal Nature Reviews Microbiology, zeigen, dass steigende Temperaturen und Extremwetterereignisse die Verbreitung antimikrobieller Resistenzen (AMR) potenziell begünstigen. Trotz dieser Hinweise ist ein klarer ursächlicher Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Zunahme von AMR bislang nicht ausreichend belegt. Tatsächlich stehen nach Schätzungen etwa zwei Drittel der jährlich 7,7 Millionen Todesfälle durch bakterielle Infektionen in Verbindung mit Resistenzen, wobei 1,2 Millionen direkt auf resistente Erreger zurückzuführen sind, wie Leibniz INFECTIONS berichtet.

Eine der Herausforderungen ist der horizontale Gentransfer von Antibiotika-Resistenzgenen, der unter bestimmten klimatischen Bedingungen erhöht auftreten kann. Umweltveränderungen wie das Schmelzen des Permafrosts könnten sogar neue Quellen für Resistenzgene freisetzen, die die Verbreitung antibakterieller Resistenzen weiter anheizen. In der Landwirtschaft können klimabedingte Ernteausfälle sowie intensive Tierhaltungspraktiken den Einsatz von Antibiotika erhöhen, was zusätzliche Risiken mit sich bringt.

Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes

Die Bekämpfung dieses Problems erfordert einen integrativen One-Health-Ansatz, der die Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Mensch und Tier berücksichtigt. Die Deutsche Antibiotikaresistenzstrategie (DART 2030) verfolgt genau diesen interdisziplinären Weg, um die Herausforderungen von AMR gemeinsam zu bewältigen. Wie das Robert Koch-Institut feststellt, ist der direkte und indirekte Kontakt zwischen Menschen, Tieren und der Umwelt ein erheblicher Faktor bei der Verbreitung von Resistenzen. Daher sind grundlegende Maßnahmen zur Infektionskontrolle unabdingbar.

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Zugangsverbesserungen zu sauberem Trinkwasser, stärkere Hygienemaßnahmen sowie effizientere Diagnostik und Impfprogramme sind entscheidend, um der Bedrohung durch resistente Mikroben entgegenzuwirken. Auch landwirtschaftliche Praktiken und der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika müssen dringend überdacht werden, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und das Entstehen von Resistenzen zu minimieren.