Wer wegen Kniearthrose vor einer Prothese steht, bekommt heute nicht automatisch dieselbe Lösung wie der nächste Patient. Teilprothese, Vollprothese oder computergestützte Planung: Was passt, hängt vom individuellen Befund ab. Beschwerden, körperliche Untersuchung und Bildgebung geben den Ausschlag – nicht ein allgemeines Rezept.

Am Standort RWTH Aachen zeigt sich zugleich, wie weit robotergestützte Chirurgie inzwischen über das Knie hinausreicht. Laut WDR wurde dort einer 52-jährigen Patientin die Gebärmutter minimalinvasiv roboterassistiert entfernt. Die Chirurgin steuert die Instrumente an einer Konsole, der Roboter setzt die Bewegungen um und filtert Zittern heraus. An der Uniklinik Aachen kommen solche Eingriffe inzwischen in zehn Fachbereichen zum Einsatz, darunter Gynäkologie, Orthopädie und Urologie.

Wenn nur ein Knieabschnitt betroffen ist

Eine Teilprothese, medizinisch unikompartimentelle Knieprothese, ersetzt nur den geschädigten Abschnitt. Das Knie besteht aus drei Kompartimenten: medial an der Innenseite, lateral an der Außenseite und patellofemoral hinter der Kniescheibe. Ist die Arthrose auf einen dieser Bereiche begrenzt und sind die übrigen Strukturen noch relativ gesund, kann eine Teilprothese infrage kommen.

Typischerweise sollten die Bänder intakt und funktionsfähig sein. Eine deutliche Fehlstellung, die die gesamte Knieausrichtung betrifft, spricht eher gegen dieses Verfahren. Die Vollprothese ersetzt dagegen die Gelenkoberflächen aller drei Kompartimente. Sie wird meist erwogen, wenn mehrere Bereiche geschädigt sind, eine bedeutende Fehlstellung vorliegt oder eine Bandinstabilität gegen die Teilprothese spricht.

Der Eingriff ist bei der Teilprothese im Allgemeinen begrenzter, weil eine kleinere Gelenkfläche bearbeitet wird. Bei der Vollprothese werden alle drei Kompartimente vorbereitet und mit neuen Oberflächen versorgt. Beide Verfahren nutzen Implantatkomponenten, die eine reibungsarme Gelenkbewegung nachbilden; Größe und Konfiguration unterscheiden sich.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das Sankt Josef-Hospital Xanten sieht bei geeigneten Patienten mögliche Vorteile für eine frühe funktionelle Erholung. Eine schnellere Genesung ist aber nicht garantiert. Nach einer Teilprothese wird der kleinere Eingriff zwar teilweise mit einem einfacheren frühen Verlauf verbunden, die Vollprothese folgt üblicherweise einem strukturierten Physiotherapieprogramm. Beide Varianten brauchen einen Rehabilitationsplan mit einem Physiotherapieteam. Der konkrete Verlauf hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht allein aus der Prothesenart ableiten.

Auch die Haltbarkeit hat kein allgemeingültiges Ablaufdatum. Sie hängt unter anderem vom Patienten, vom Implantat und vom Lebensstil ab; Nachuntersuchungen überwachen die Implantatleistung. Eine Teilprothese kann später in eine Vollprothese umgewandelt werden, etwa wenn sich die Arthrose auf weitere Kompartimente ausdehnt. Darüber entscheidet ein orthopädischer Chirurg anhand der individuellen Situation und der Bildgebung.

Roboter im OP – der Mensch bleibt am Steuer

Seit 2022 nutzt die OsteMed Klinik Bremervörde beim Kniegelenkersatz das robotergestützte Mako-System. Nach Klinikangaben wurden dort inzwischen nahezu 1.000 Gelenke roboterassistiert implantiert. Grundlage ist eine Computertomografie, aus der eine individuelle dreidimensionale Rekonstruktion entsteht. Der Roboter führt die Bewegungen des Operateurs aus, die Kontrolle über den Eingriff bleibt beim Operateur. Eingesetzt wird das System bei Vollprothesen und bestimmten Teilprothesen.

Die Mobilisierung beginnt laut Klinik meist am Operationstag oder am Folgetag. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Informationsvorträge sind für den 14. Oktober 2026 um 18 Uhr im Ratssaal Bremervörde und für den 15. Oktober 2026 um 18 Uhr im Hotel Paulsen in Zeven geplant.

In Xanten erwartet das Sankt Josef-Hospital für 2026 rund 1.100 Hüft- und Knieprothesenversorgungen. Im Rahmen von EndoFIT bietet die Klinik kostenlose Informationsveranstaltungen an – jeden ersten Donnerstag im Monat, Beginn um 17 Uhr. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Die Registerdaten, auf die die Klinik verweist, zeigen allerdings insgesamt höhere Wechselraten bei Teilprothesen als bei Vollprothesen.

Und dann ist da noch Wien: Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder setzte das da-Vinci-System erstmals im August 2011 bei einer Prostataoperation ein und betreibt inzwischen zwei Systeme. Roboterassistierte Chirurgie gibt es dort in vier Abteilungen: Urologie seit August 2011, Gynäkologie seit Mai 2016, Chirurgie seit Juli 2017 sowie HNO/Phoniatrie seit Dezember 2017. Beide Wiener Systeme verfügen über Firefly-ICG-Technologie.

Als mögliche Vorteile nennt das Krankenhaus ein geringeres Gewebetrauma, weniger Blutverlust, weniger Schmerzen und eine kürzere Aufenthaltsdauer. Das klingt im ersten Moment bestechend, ist aber kein Freifahrtschein für den Roboter: Bei der Knieprothese bleiben Befund, Untersuchung und ärztliche Entscheidung entscheidend.

Ein Markt, der kräftig wächst

Wie schnell sich die Technik verbreitet, zeigen die Zahlen des IFR World Robotics Report 2026. Der weltweite Absatz professioneller Service-Roboter stieg 2025 um 24 Prozent auf knapp 250.000 Einheiten. Chirurgische Operationsroboter kamen auf rund 8.400 verkaufte Einheiten – ein Plus von 57 Prozent. Der Umsatz mit Medizinrobotern wuchs 2025 um 19 Prozent.

Den größten Anteil stellten Transport- und Logistikroboter mit 117.500 Einheiten und einem Zuwachs von 21 Prozent; ihr Marktanteil lag bei 47 Prozent. Haushalts-Service-Roboter erreichten knapp 34,2 Millionen Einheiten, 37 Prozent mehr als zuvor. Weltweit wurden 2025 außerdem etwa 7.000 humanoide Roboter mit einer Körpergröße von mehr als 140 Zentimetern verkauft.

Ein kleiner, aber wichtiger Haken steckt in der Datengrundlage: Die IFR-Zahlen beruhen auf Stichproben von 238 Unternehmen, nicht auf einer Hochrechnung der gesamten Branche. Die Zusammensetzung dieser Stichprobe ändert sich jedes Jahr.

Für Menschen mit Kniearthrose bleiben damit mehrere Wege offen: Vollprothese, Teilprothese und computergestützte Operationsplanung. Welche Methode geeignet ist, lässt sich nicht allein vom Patienten festlegen, sondern ergibt sich aus Befund, Untersuchungsergebnissen und Bildgebung. Die Informationen ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung; Beratung und Entscheidung gehören in die Hände einer qualifizierten medizinischen Fachkraft.