Historische Kriegsschadenskarten haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, nicht nur als Dokumente der Vergangenheit, sondern auch als wertvolle Ressourcen für die Forschung zur Stadtneugestaltung und zum Wiederaufbau. Das Projekt „UrbanMetaMapping“ untersucht diese Karten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Mittel- und Osteuropa und eröffnet neue Perspektiven auf die urbane Transformation nach Konflikten. Unter der Leitung von Dr. Carmen Enss, einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Universität Bamberg, wurde hierbei eine umfangreiche Sammlung aus zahlreiche Städten wie Nürnberg, Berlin, London, Warschau und Bukarest zusammengetragen. Forscher*innen bemerkten sogar mehr Karten als zunächst angenommen, darunter auch für ein Erdbeben in Rumänien im Jahr 1940, was die Diversität der gesammelten Daten unterstreicht.
In den meisten Fällen wurden die Schadenskarten während des Krieges erstellt und nach dem Ende des Konflikts für den Wiederaufbau genutzt. Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass die Wiederaufbauprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg planvoller und koordinierter waren, als oftmals angenommen wird. Diese Erkenntnisse stützen sich auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen, darunter Denkmalpflege, Geschichte, Geoinformatik, Sozialgeografie und Linguistik.
Digitale Zugänglichkeit und laufende Forschung
Ein wesentliches Element des Projekts ist die digitale Plattform „MapmyMaps“, die es der Öffentlichkeit ermöglicht, auf die aufbereiteten Karten zuzugreifen. Diese Karten wurden in einem Geoinformationssystem (GIS) georeferenziert, was eine Darstellung der verschiedenen Zeitebenen erleichtert. Dies ist besonders relevant für aktuelle Fragestellungen, wie beispielsweise die Lokalisierung von Blindgängern in den urbanen Landschaften.
Finanziert wird das Projekt mit rund 2,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Am Institut für Raumplanung und Stadtentwicklung (IRS) wird zudem ein Teilprojekt mit Schwerpunkten auf weniger prominente Städte durchgeführt. Hier wird die Wiederaufbaustrategie nach Kriegsende in Städten wie Chemnitz, Cottbus und Gorzów Wielkopolski analysiert.
Vernetzung und Austausch innerhalb der Wissenschaft
Das Forschungsnetzwerk, das „UrbanMetaMapping“ ins Leben rief, wurde im November 2020 gegründet und umfasst zahlreiche deutsche Forschungsinstitute sowie die Technische Universität Wien. Zentral ist eine vergleichende stadtgeschichtliche Analyse, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Wiederaufbauprozesse und der Planung sozialistischer Städte in Ostdeutschland und Polen untersucht werden.
Eine Tagung zum Thema „Spatial Humanities“ wird 2024 in Bamberg stattfinden und mehr als 100 Teilnehmende aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenbringen. Das Projekt zielt nicht nur auf die dauerhafte Sicherung und die Zugänglichkeit der erhobenen Daten ab, sondern plant auch zukünftig weitere Forschungsanträge, um Veränderungen im Stadtbild nach Kriegen zu erforschen. Weitergehende Informationen sind auf der Projektwebsite urbanmetamapping.uni-bamberg.de erhältlich.
Zusammengefasst eröffnet das Projekt „UrbanMetaMapping“ nicht nur historische Einsichten, sondern bietet auch eine wertvolle Grundlage für die Auseinandersetzung mit urbanen Umgestaltungsprozessen in der Gegenwart und Zukunft. Durch eine sorgfältige Analyse der Kriegsschadenskarten wird der mechanische Wiederaufbau in den Städten in ein neues Licht gerückt.