Ein Austausch mit Geschichte: Der mongolische Staatspräsident Khurelsukh Ukhnaa war am Donnerstag zu Gast in Sachsen. In Leipzig erinnerte er an zwei Menschen, die vor rund 100 Jahren an der Universität Leipzig gemeinsam an einem bis heute wichtigen Kapitel der Mongolistik arbeiteten.

Geehrt wurden der deutsche Mongolist Erich Haenisch, der 1966 starb, und sein mongolischer Schüler Natsagdorj Dashdorj, der bereits 1937 verstarb. Dashdorj war 1925 mit 40 weiteren mongolischen Studenten im Rahmen eines Studentenaustauschs nach Deutschland gekommen. Ein ziemlich weiter Weg – geografisch ohnehin, wissenschaftlich erst recht.

Eine Tafel für zwei Pioniere

Bei einer Festveranstaltung im Paulinum der Universität Leipzig enthüllte Ukhnaa eine Gedenktafel für Haenisch und Dashdorj. Beide übersetzten in den 1920er-Jahren die mongolische Schrift „Geheime Geschichte der Mongolen“ aus dem Jahr 1240 erstmals in eine europäische Sprache.

Nach einem Empfang im Alten Rathaus traf der mongolische Präsident am Nachmittag Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Zuvor hatte Ukhnaa in Leipzig Kooperationsverträge mit sächsischen Universitäten unterzeichnet.

Der Besuch knüpft an eine alte Verbindung an, soll aber zugleich nach vorn weisen. Sachsen wirbt heute erneut um Nachwuchskräfte aus der Mongolei. Seit 2024 unterstützt ein sächsisches Verbindungsbüro in Ulaanbaatar die Beziehungen. Durch die neuen Kooperationen könnte künftig die Zahl mongolischer Studierender in Sachsen steigen.

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Rund ein Prozent der etwa 2,5 Millionen Mongolen spricht Deutsch. Mehr als 1.360 mongolische Studierende besuchen derzeit deutsche Universitäten. Für Hochschulen, die internationale Kontakte nicht nur auf Papier pflegen wollen, sind solche Zahlen durchaus greifbar.

Mongolistik mitten in Leipzig

An der Universität Leipzig ist die Mongolistik Bestandteil der Bachelor- und Masterstudiengänge „Indologie, Tibetologie und Mongolistik“. Das Studium richtet sich an Menschen, die sich für die Mongolen und ihre historische Bedeutung in Zentral- und Südasien interessieren, für die alte mongolische Sprache, die Geschichte der Mongolen und ihre nomadisch-schamanische sowie später buddhistisch geprägte Kultur. Auch die mongolische Gegenwart gehört dazu.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem intensiven Erlernen mongolischer Sprachen. Vermittelt wird vor allem Khalkha-Mongolisch, die heutige Standardsprache der Mongolei. Wer sie beherrscht, kann sich außerdem mit anderen mongolischen Ethnien verständigen, darunter Burjaten und Kalmücken in China und der Russischen Föderation.

Studierende können den Bachelor „Indologie, Tibetologie und Mongolistik“ mit dem Schwerpunkt Mongolistik absolvieren. Im Master heißt der Studiengang „Indologie, Tibetologie, Mongolistik“, ebenfalls mit dem Schwerpunkt Mongolistik. Angaben zu einer Promotion oder einem Graduiertenkolleg liegen nicht vor.

Zuständig ist die Universität Leipzig, Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften, Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften. Das Institut befindet sich in der Schillerstraße 6, 04109 Leipzig. Telefonisch ist es unter +49 341 9737120 erreichbar, per E-Mail unter indsekr@uni-leipzig.de.

Am 23.10.2026 wirkt die Geschichte von Haenisch und Dashdorj an diesem Ort deshalb nicht wie ein verstaubter Rückblick. Zwischen Studienordnungen, Sprachkursen und neuen Verträgen bekommt sie wieder Gegenwart – ganz praktisch, in Leipzig.