Heute, am 6. Oktober 2026, wird es im Hörsaalgebäude auf dem Campus Augustusplatz zweimal ernst: Um 11:15 Uhr und um 13:30 Uhr zeigt das Leipziger Soldan-Moot-Team bei öffentlichen Probepleadings, wie aus einer Fallakte ein mündlicher Auftritt vor Gericht wird. Veranstaltungsort ist Hörsaal 3. Eingeladen sind alle Studierenden der Juristischen Fakultät – gerade im Rahmen der Ersti-Woche also auch diejenigen, die mit dem Moot Court bisher noch wenig anfangen konnten.

Der Hans Soldan Moot Court simuliert ein deutsches Gerichtsverfahren anhand eines fiktiven Falls. Studierende bearbeiten zunächst schriftlich die Aufgabe, verfassen Schriftsätze und vertreten die Interessen einer Prozesspartei beziehungsweise ihrer Mandanten. Anschließend tragen sie ihre rechtliche Argumentation vor einem Tribunal mündlich vor, reagieren auf die Gegenseite und müssen Fragen des Gerichts auffangen. Das klingt auf Papier ordentlich, fühlt sich im Hörsaal aber vermutlich deutlich schneller an.

Vom Schriftsatz ins Plädoyer

Die Probepleadings sollen einen Einblick in anwaltliche Argumentation geben und zugleich auf die mündlichen Verhandlungen des Soldan Moots in Hannover vorbereiten, die vom 8. bis 10. Oktober 2026 stattfinden. Als Interessenvertreter analysieren die Teams den Fall rechtlich, würdigen Beweismittel und formulieren Rechtsmeinungen. Dabei lernen sie die forensische Tätigkeit von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten kennen. Jedes Jahr steht ein neuer Fall im Mittelpunkt; neben der juristischen Arbeit vermittelt er auch Kenntnisse im anwaltlichen Berufsrecht.

Wie gut die Leipziger Vorbereitung bereits funktioniert, zeigte sich beim 11. Soldan Pre-Moot an der Bucerius Law School in Hamburg. Am 26. September 2026 traten dort 32 Teams aus 19 Universitäten in vier Verhandlungsrunden an. Das Leipziger Team II mit Jonathan Kliem und Ansgar Klisch gewann den Pre-Moot. Für die beiden öffentlichen Auftritte in Leipzig dürfte das Rückenwind sein – und wahrscheinlich trotzdem ein ordentliches Kribbeln im Bauch.

Viel Arbeit, nicht nur ein bisschen Rollenspiel

Der Soldan Moot Court richtet sich vor allem an engagierte Studierende, die ihre theoretischen Kenntnisse in der anwaltlichen Praxis vor einem deutschen Zivilgericht anwenden möchten. Empfohlen wird die Teilnahme ab dem dritten Semester, weil dann meist solide zivilrechtliche Vorkenntnisse vorhanden sind. Bewerbungen aus dem zweiten Semester sind ausdrücklich willkommen; auch Studierende aus niedrigeren Fachsemestern haben bereits teilgenommen.

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Interesse an zivilrechtlichen Sachverhalten und Problemen gehört ebenso dazu wie Durchhaltevermögen. Teamfähigkeit ist kein hübsches Extra, sondern nötig: Über längere Zeit wird gemeinsam an der Fallakte, den Schriftsätzen und den mündlichen Verhandlungen gearbeitet. Der Moot Court bringt viele fachliche Diskussionen mit sich, weshalb Teilnehmer einer Debattenkultur gegenüber aufgeschlossen sein sollten. Nicht jeder Einwand landet sanft auf dem Tisch – manchmal wird eben länger nachgehakt.

Der Wettbewerb findet jährlich zwischen dem Sommer- und Wintersemester statt. In dieser Zeit werden zwei Schriftsätze verfasst, danach folgen die Vorbereitung auf die mündlichen Verhandlungen und die Verhandlungen selbst. Teilnehmer sollten einplanen, einen großen Teil des Sommers mit ihrem Team und den Coaches zu verbringen und sich intensiv in die Fallakte einzuarbeiten. Ein paralleles Praktikum oder das Schreiben einer Hausarbeit ist grundsätzlich möglich. Trotzdem sollte klar sein: Wer mitmacht, muss bereit und motiviert sein, sich intensiv mit dem Moot Court und dem Fall zu beschäftigen.

Praxisluft und der SQ-Schein

Die Teilnahme ermöglicht eine fachliche Weiterentwicklung durch die Bearbeitung anspruchsvoller Rechtsfragen. Gleichzeitig wachsen persönliche Fähigkeiten und Soft Skills – vom Auftreten vor einem Tribunal bis zum gemeinsamen Sortieren einer vertrackten Argumentation. Teilnehmer kommen mit zahlreichen Praktikern in Kontakt und können erste berufliche Kontakte knüpfen. Außerdem erhalten sie durch die Teilnahme den SQ-Schein.

Wer sich die Leipziger Teams heute ansehen möchte, findet sie im Campus Augustusplatz, Hörsaalgebäude, Hörsaal 3. Ansprechpartner ist Prof. Dr. Christian Berger von der Juristischen Fakultät, Burgstraße 27, 04109 Leipzig. Telefonisch ist er unter +49 341 97-35311 erreichbar; der E-Mail-Kontakt läuft über die Veranstaltungsseite.

Veranstaltungsdetails der Universität Leipzig