Eine neue Studie der Fischereiforschungsstelle (FFS) Langenargen und der Universität Konstanz beleuchtet das Verhalten junger Blaufelchenlarven im Bodensee. Diese Studienergebnisse, veröffentlicht am 4. Mai 2026, zeigen, dass die Larven bereits kurz nach dem Schlüpfen am Licht orientieren. Besonders anziehend wirken dabei grüne und gelbe Lichtquellen, die die Larven in flache Uferbereiche führen. Diese Zonen, oft als „Kinderstuben“ bezeichnet, sind entscheidend für das Überleben und das Wachstum der Larven, da sie dort Nahrung finden und gleichzeitig geschützt sind.
Die Forscher untersuchten das Verhalten der Larven in einem künstlichen Y-förmigen Labyrinth, in dem verschiedene Lichtfarben verwendet wurden, um die Anziehungskraft zu testen. Ihrer Analyse zufolge folgen die jungen Fischlarven gezielt den Lichtquellen im grün-gelben Spektrum. Mit fortschreitendem Alter lässt jedoch diese Anziehung nach. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass erhöhte Wassertemperaturen die Lichtorientierung der Larven beeinflussen. Bei steigenden Temperaturen beschleunigt sich die Entwicklung, und die Larven neigen dazu, ihre geschützten Aufwuchsgebiete im Uferbereich verfrüht zu verlassen.
Einfluss von Stressoren auf Fischlarven
Zusätzlich zu den Ergebnissen über die Blaufelchenlarven untersuchen wissenschaftliche Arbeiten am Alfred-Wegener-Institut (AWI), insbesondere den Einfluss mehrerer Stressfaktoren auf Fischlarven, darunter Heringslarven. In einer Studie, die unter der Leitung von Dr. Andrea Franke durchgeführt wurde, wurden die Larven unterschiedlichen Temperaturen und bakterieller Belastung ausgesetzt und deren Reaktionen auf Genexpression und Mikrobiota analysiert.
Die Ergebnisse legen nahe, dass bereits ein einzelner Stressor, wie Temperaturerhöhung, die Genexpression beeinflusst und potenziell Zellschädigungen verringert. Bei einer Kombination von Hitzewelle und bakterieller Belastung jedoch konnten keine akklimatisierenden Reaktionen auf der Ebene der Genexpression nachgewiesen werden. Diese Erkenntnisse sind besonders alarmierend, da sie auf die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den bereits stark dezimierten Heringsbestand in der westlichen Ostsee hinweisen.
Klimawandel und Lichtverschmutzung
Alexander Brinker von der FFS Langenargen warnt, dass das Zusammenspiel von Temperaturstress und Lichtverschmutzung, insbesondere durch künstliches Licht wie Straßenbeleuchtung, ernsthafte Folgen für Fischlarven haben könnte. Künstliches Licht kann die Larven in ungeeignete Bereiche locken, wo sie schlechtere Nahrungsbedingungen und mehr Fressfeinde erwarten müssen. Außerdem stört es den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Larven, was ihre Entwicklung beeinträchtigen kann.
Um die negativen Effekte zu reduzieren, schlagen die Forscher eine gezielte Anpassung der Lichtfarben im Uferbereich vor. Dies könnte den Jungfischen helfen, ihre Lebensräume besser zu navigieren und ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Die Originalstudie von Roberts et al. (2026) zeigt somit, wie wichtig es ist, die lichtbedingten Bedingungen für junge Fischlarven in der heutigen von Menschen beeinflussten Umwelt zu berücksichtigen. Diese Erkenntnisse sind nicht nur für den Bodensee, sondern auch für andere Gewässer von großer Bedeutung.