Wer im Supermarkt zu veganem Hack, Haferdrink oder Tofu greift, entscheidet nicht nur nach Geschmack. Auch der Weg durchs Regal, der Preis und ein kleiner Hinweis auf dem Smartphone können den Einkauf beeinflussen. Lidl Deutschland will Kund:innen den Kauf pflanzlicher Proteinquellen und ausgewogener Produkte deshalb leichter machen.

Vorgestellt wurde dieser Ansatz am 13. Oktober 2026 in Berlin bei der Veranstaltungsreihe „Lidl im Dialog“. Im Mittelpunkt stehen drei Stellschrauben: die Platzierung im Regal, die Preisgestaltung und digitale Anreize. An der Diskussion nahmen unter anderem Christiane Seidel vom Verbraucherzentrale Bundesverband, die Bundestagsabgeordnete Susanne Hierl (CDU/CSU) sowie Prof. Dr. Nina Langen von der TU Berlin teil. Langen forscht zu Kaufentscheidungen am Verkaufsort.

Neben dem Fleisch, zum gleichen Grundpreis

Pflanzliche Alternativprodukte platziert Lidl direkt neben den jeweiligen tierischen Produkten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, erspart aber die Suche in einer eigenen Ecke des Marktes. Auch beim Preis soll die Hürde sinken: Pflanzliche Alternativen werden den entsprechenden Fleisch- und Milchprodukten gleichgestellt.

Seit Oktober 2023 bietet Lidl nahezu das gesamte vegane Vemondo-Sortiment zum gleichen Grundpreis wie vergleichbare tierische Produkte an. Für jedes Vemondo-Produkt wurde grundsätzlich ein tierisches Vergleichsprodukt festgelegt. Entscheidend ist dessen Grundpreis pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter. Bei der Auswahl berücksichtigt Lidl unter anderem Produktsortierung, Grammatur und Qualität.

Ein Beispiel liefert das vegane Vemondo-Hackfleisch: Sein Preis orientiert sich am Grundpreis von Metzgerfrisch gemischtem Hackfleisch. Gibt es mehrere mögliche Vergleichsprodukte, wird der Preis des pflanzlichen Produkts an einem davon ausgerichtet. Aktionspreise sind von der Preisangleichung ausgenommen. Produkte ohne entsprechendes tierisches Vergleichsprodukt – etwa Falafel, Tofu und Brotaufstriche – fallen ebenfalls nicht darunter.

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Laut Christoph Graf, Chief Merchandising Officer bei Lidl Dienstleistung, werden die Maßnahmen von den Kund:innen gut angenommen. Die ProVeg-Preisstudie 2025 kommt zudem zu dem Ergebnis, dass ein pflanzlicher Warenkorb bei Lidl in Deutschland zum zweiten Mal in Folge günstiger war als ein vergleichbarer tierischer Warenkorb. Enthalten waren Aufschnitt, Würstchen, Burger, Fischstäbchen, Frischkäse, Hack, Joghurt, Scheibenkäse, Kochcreme, Milch, Pizza und Schnitzel. Im Durchschnitt lagen die pflanzlichen Produkte laut Studie 18 Prozent darunter.

Coupons für Gemüse und Hülsenfrüchte

Der nächste Impuls soll über die Lidl-Plus-App kommen. Gezielte Coupons sind unter anderem für pflanzliche Proteinquellen, Bio-Artikel sowie Obst und Gemüse geplant. Der Einkauf bekommt damit noch eine digitale Begleitung – ein kurzer Blick aufs Handy, dann landet vielleicht doch die Packung Linsen im Wagen.

Lidl ordnet die Maßnahmen in seine Strategie für bewusste Ernährung ein. Das Sortiment orientiert sich an der „Planetary Health Diet“. Vorgesehen sind mehr pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte, Nüsse und vegane Alternativprodukte, zugleich weniger Salz und Zucker sowie ein höherer Vollkorn- und Ballaststoffanteil im Eigenmarkensortiment.

Im Nachhaltigkeitsbericht weist Lidl für das Geschäftsjahr 2025 einen Anteil pflanzenbasierter Proteinquellen von 13,8 Prozent aus. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 2,5 Prozentpunkte.

Preisvergleich mit zwei unterschiedlichen Bildern

Wie groß der Preisabstand zwischen pflanzlichen und tierischen Produkten tatsächlich ist, hängt stark von Auswahl und Zeitpunkt ab. Für eine Untersuchung verglich ProVeg Deutschland Preise in deutschen Einzelhandelsgeschäften: betrachtet wurden zwölf Produktkategorien, sechs umsatzstarke Lebensmitteleinzelhändler und 40 Standorte.

Der vegane Warenkorb war dabei im Durchschnitt 25 Prozent teurer als der Warenkorb mit tierischen Produkten. Die größten Preisunterschiede gab es bei Lidl mit rund 35 Prozent, bei Rewe war die Differenz mit 11 Prozent am geringsten. Der günstigste pflanzliche Warenkorb kostete bei Kaufland 23,27 Euro, der teuerste bei Edeka 28,52 Euro.

Ganz verschwunden ist der Preisaufschlag also nicht. Vegane Ersatzprodukte waren weiterhin teurer als tierische Vergleichsprodukte, allerdings deutlich günstiger als im Vorjahr: 2022 lag die durchschnittliche Preisdifferenz noch bei 53 Prozent. Für dasselbe Budget waren aktuell zwölf vegane Produkte erhältlich, 2022 reichte es nur für zehn.

Aldi Nord wurde aus der Wertung ausgeschlossen, weil pflanzliche Alternativprodukte während des Untersuchungszeitraums nur an acht von zwölf Standorten angeboten wurden. Bei Lidl stehen die veganen Vemondo-Produkte dagegen direkt neben den jeweiligen tierischen Vergleichsprodukten – und spätestens an dieser Stelle entscheidet sich der Einkauf dann doch zwischen App-Coupon, Preisschild und dem, was gerade gut ausschaut.

Quelle 1: vegconomist.de

Quelle 2: Lidl Deutschland

Quelle 3: Statista