Am 12. Mai 2026 wurde das Liebig Centre for Agroecology and Climate Impact Research an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) feierlich eröffnet. Dieses internationale Kooperationszentrum ist das erste seiner Art in Deutschland, das in Partnerschaft mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) arbeitet. Ziel des Zentrums ist die Forschung zu nachhaltigen und klimaresilienten Agrarsystemen.
Die Vereinbarung zur Zusammenarbeit wurde am 16. Mai 2025 von der JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz und Dr. Najat Mokhtar, der stellvertretenden Generaldirektorin der IAEO, unterzeichnet. Das Liebig Centre verknüpft renommierte Einrichtungen der JLU mit Programmen der IAEO und dem Joint FAO/IAEA Centre of Nuclear Techniques in Food and Agriculture.
Forschungsschwerpunkte und innovative Methoden
Ein zentrales Anliegen des Liebig Centres ist die Bereitstellung wissenschaftsbasierter Informationen und technischer Lösungen für die Agrarwirtschaft. Zu den hauptsächlichen Forschungsschwerpunkten gehören die Auswirkungen des Klimawandels auf landwirtschaftliche Ökosysteme, sowie die Entwicklung von Anpassungsstrategien zur Steigerung von Produktivität und Umweltverträglichkeit. Die Forschung nutzt dabei verschiedene innovative Methoden. Dazu zählt der Einsatz der FACE-Technik, mit der CO₂-Konzentrationen und Temperaturen im Freiland untersucht werden.
Ebenfalls von Bedeutung ist das Institut für Pflanzenökologie unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Müller, welches zu den zentralen Säulen des Liebig Centres zählt. Eine weitere wichtige Einrichtung ist das Institut für Insektenbiotechnologie, geleitet von Prof. Dr. Marc Schetelig. Hier liegt der Fokus auf der Entwicklung biologischer und biotechnologischer Verfahren für einen nachhaltigen Pflanzenschutz. Besonders hervorzuheben ist die Sterile Insektentechnik (SIT), die zur Reduzierung invasiver Schadinsekten entwickelt wurde, ohne den Einsatz von Pestiziden.
Internationale Vernetzung und zukünftige Perspektiven
Das Liebig Centre hat bereits zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Forschungsarbeiten veröffentlicht, welche sich mit Themen wie Stickstoffdynamiken und Treibhausgasemissionen befassen. Zudem wird ein breites internationales Netzwerk mit Partnerinstitutionen, darunter die Hochschule Geisenheim und die Universität Wien, ausgebaut. Über 180 UN-Mitgliedstaaten könnten potenziell von den Forschungsergebnissen eines solch innovativen Zentrums profitieren.
Die Namensgebung des Zentrums ehrt Justus Liebig, einen Pionier der modernen Landwirtschaft im 19. Jahrhundert, der bedeutende Beiträge zur Entwicklung agrarwissenschaftlicher Methoden und Düngemittel geleistet hat. Das Liebig Centre steht somit nicht nur für aktuelle Herausforderungen der Agrarforschung, sondern auch für die Tradition und den Fortschritt in der Landwirtschaft.