Luthers Deutsche Messe: Sonderführung in der Forschungsbibliothek Gotha zum Reformationstag
Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt lädt anlässlich des Reformationstags zu einer Sonderführung mit Dr. Katrin Henzel ein. Termin ist Samstag, der 31. Oktober, um 10 Uhr. Treffpunkt ist der Eingang der Forschungsbibliothek im ersten Obergeschoss des Ostflügels von Schloss Friedenstein in Gotha.
Im Mittelpunkt steht Martin Luthers Schrift „Deudsche Messe und ordnung Gottis diensts“, die 1526 erschien. Zum 500. Jahrestag geht es darum, wie Luther den Gottesdienst für die Kirchgänger verständlicher gestalten wollte. In den historischen Schauräumen werden Bücher und Handschriften aus der Reformationszeit gezeigt, darunter der Erstdruck der „Deutschen Messe“.
Gotha, Luther und die verständliche Liturgie
Die Führung nimmt außerdem die Bedeutung Gothas und der 1647 gegründeten Herzoglichen Bibliothek für die Erforschung von Reformationsschriften in den Blick. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Eine Anmeldung wird erbeten: telefonisch unter 0361/737-5530 oder per E-Mail an veranstaltungen.fb@uni-erfurt.de.
„Deutsche Messe“ bezeichnet reformatorische Gottesdienstordnungen, die den mittelalterlichen Abendmahlsgottesdienst in deutscher Sprache und nach reformatorischen Vorstellungen gestalten. Geistliche aus dem Umfeld der Reformation entwickelten schon kurz nach Luthers Auftreten neue Formen – teils auf strikt biblischer Grundlage, teils durch das Entfernen von Elementen, die sie als Fehlentwicklungen betrachteten. Besonders umstritten war die mittelalterliche Opfer-Theologie der römischen Messe.
Bereits 1522/23 wurden an verschiedenen Orten erste deutsche Abendmahlsgottesdienste gefeiert, unter anderem durch Andreas Karlstadt in Wittenberg sowie durch Martin Bucer, Kaspar Hedio, Johann Schwebel und Johannes Oekolampad auf Franz von Sickingens Ebernburg. Häufig übertrug man zunächst nur einzelne Teile der Messe ins Deutsche, etwa die biblischen Lesungen, oder ließ die still gesprochenen Kanon-Gebete, den Canon Missae, weg.
Von ersten Übersetzungen zur Deutschen Messe
Einige dieser frühen evangelischen Gottesdienstordnungen wurden gedruckt und verbreiteten sich rasch. Gemeinsam war ihnen, dass sie sich weiterhin relativ eng am Ablauf der mittelalterlichen Messe orientierten, konsequent die deutsche Sprache verwendeten und die Abendmahlsfeier mit Brot und Wein enthielten. Den vom Priester still gesprochenen Canon Missae lehnten sie als Ausdruck der römisch-katholischen Opfer-Theologie ab.
1523 veröffentlichte Luther „Von ordenung gottes diensts ynn der gemeine“ auf Deutsch sowie „Formula missae et communionis“ auf Latein. Beide Schriften waren noch keine ausgearbeiteten Gottesdienstordnungen, sondern Erläuterungen seiner Vorstellungen von einem künftigen reformatorischen Gottesdienst. Luthers Deutsche Messe wurde erstmals am 29. Oktober 1525 in der Wittenberger Stadtkirche gefeiert. 1526 folgte die Schrift „Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdiensts“.
Gemeinsam mit Johann Walter entwickelte Luther neue Melodien für den liturgischen Gesang. Außerdem veränderte er die überlieferte Reihenfolge der Messteile an mehreren Stellen stärker als in seinen Schriften von 1523 und in früheren evangelischen Gottesdienstordnungen. Unter anderem fehlen das „Gloria in excelsis“ und das Halleluja. Ob Luther diese Stücke lediglich nicht ausdrücklich erwähnte oder tatsächlich auslassen wollte, ist unklar.
Dass in der Ordnung keine Lieder aufgeführt sind, bedeutet nicht, dass kein Gemeindegesang vorgesehen war. Aus anderen zeitgenössischen Schriften sind Lieder vor und nach der Predigt sowie während und nach der Abendmahlsausteilung belegt.
Der Ablauf und seine Grenzen
Luthers empfohlener Ablauf der Deutschen Messe sah so aus:
- Eingangslied oder Introitus
- Kyrie eleison
- Kollektengebet
- Epistel
- Graduallied
- Evangelium
- Glaubensbekenntnis als Lied
- Predigt
- Vaterunser-Paraphrase und Vorbereitung auf das Abendmahl
- Konsekration des Brotes durch die Einsetzungsworte
- Elevation
- Austeilung des Leibes Christi unter dem Zeichen des Brotes, begleitet vom deutschen Sanctus und/oder anderen Liedern
- Konsekration des Kelches
- Elevation
- Austeilung des Blutes Christi unter dem Zeichen des Weines, begleitet vom deutschen Agnus Dei und/oder anderen Liedern
- Dankgebet
- Segen
Als allgemeine Form setzte sich diese Gottesdienstordnung in den evangelischen Kirchen allerdings nicht durch. Die getrennte Austeilung von Brot und Wein galt im sonntäglichen Normalgottesdienst aus praktischen Gründen als schwer umsetzbar. Auch Luthers stark gekürzte und neu formulierte Abendmahlsvorbereitung, unter anderem ohne Präfation, Anamnese und Epiklese, war vielen Theologen und Kirchenleitungen zu weitgehend.
Als reguläre Form des lutherischen und evangelischen Abendmahlsgottesdienstes etablierte sich daher eine Ordnung, die näher am ursprünglichen Messeablauf lag – etwa die Brandenburgisch-Nürnbergische Kirchenordnung von 1533 oder die norddeutschen Kirchenordnungen von Johannes Bugenhagen. Eine Ausnahme bildeten südwestdeutsche lutherische Gebiete wie Württemberg, Baden und die Pfalz. Dort folgte man auch beim Abendmahl eher dem schlichteren oberdeutschen Predigtgottesdienst, etwa nach der württembergischen Kirchenordnung von 1553.
Weit verbreitet wurden Luthers Melodien, insbesondere sein „Kyrie eleison“, das deutsche Sanctus „Jesaja, dem Propheten“ und das Credo-Lied „Wir glauben all an einen Gott“. Seit der Liturgischen Bewegung der 1920er Jahre gab es erneut Versuche, Luthers Deutsche Messe als reguläre Gottesdienstform zu verwenden.
Nachwirkung bis in die Gegenwart
Die nach dem Zweiten Weltkrieg von Christhard Mahrenholz erarbeitete „Lutherische Agende I“ orientiert sich in Form A maßgeblich an Luthers Deutscher Messe. Form B folgt stärker der „Formula missae et communionis“, allerdings in deutscher Sprache. Das Evangelische Gottesdienstbuch der EKD-Mitgliedskirchen von 1999 lässt Anpassungen der Deutschen Messe als eine von mehreren möglichen Varianten zu.
Der Freiburger Musikwissenschaftler Konrad Küster rekonstruierte die Luthermesse zu Mariä Lichtmess 1546. Charakteristisch für diese rekonstruierte Messe ist, dass die gesamte Messe außer der Predigt vom Pfarrer oder Kantor gesungen wird. Gemeindelieder spielen nur eine geringe Rolle. Grundlage der Rekonstruktion sind Musikdrucke des Thomaskantors Georg Rhau und Ablaufnotizen des dänischen Bischofs von Ribe, Peder Jensen Hegelund.
Ein kleiner praktischer Hinweis zur digitalen Recherche gehört ebenfalls dazu: Die Deutsche Digitale Bibliothek konnte auf der angegebenen Seite Anubis-JavaScript nicht laden; als mögliche Ursache wird eine Überlastung des Servers genannt. Anubis soll Server vor massivem automatisiertem Abrufen durch KI-Unternehmen schützen. Das System verwendet dafür ein Proof-of-Work-Verfahren nach dem Vorbild von Hashcash, das ursprünglich zur Verringerung von E-Mail-Spam vorgeschlagen wurde.
Die zusätzliche Rechenlast soll für einzelne Nutzer gering bleiben, bei massenhaftem Scraping aber erheblich sein und dieses verteuern. Anubis wird als vorläufige Lösung bezeichnet, während an Methoden zur Erkennung von Headless-Browsern gearbeitet wird, etwa anhand der Schriftartdarstellung. Künftig soll die Proof-of-Work-Abfrage Nutzern mit höherer Wahrscheinlichkeit legitimer Nutzung nicht angezeigt werden.
Anubis benötigt moderne JavaScript-Funktionen. Erweiterungen wie JShelter können diese deaktivieren. Wer die Seite aufrufen möchte, soll JShelter oder vergleichbare Erweiterungen für diese Domain deaktivieren und die Seite anschließend neu laden.
