Am 1. Juni 2026 gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bekannt, dass das Graduiertenkolleg „Geschlecht und Vergeschlechtlichungen in völkerstrafrechtlichen Kontexten: Konflikte, normative Ordnungen, Transformationspraktiken“ an der Philipps-Universität Marburg bewilligt wurde. Dieses interdisziplinäre Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Wechselwirkungen zwischen Geschlechterkonzeptionen und dem Völkerstrafrecht eingehend zu untersuchen. Es bringt spannende Erkenntnisse für die Forschung und leistet einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über Geschlechterrollen in internationalen Konflikten.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Bock, einer erfahrenen Rechtswissenschaftlerin, werden 12 Principal Investigators aus verschiedenen Fachbereichen der Universität Marburg an dem Kolleg mitarbeiten. Der Fokus liegt auf der systematischen Analyse der Vergeschlechtlichungsprozesse in internationalen Strafkontexten. Dabei sollen auch Handlungsempfehlungen entwickelt werden, die zur Verbesserung völkerstrafrechtlicher Normen und Praktiken beitragen.
Interdisziplinäre Ansätze und Förderungen
In der ersten vierjährigen Förderphase werden insgesamt 20 Promovierende unterstützt, und in einer möglichen zweiten Phase könnten weitere 10 hinzukommen. Die DFG stellt hierfür über 5,5 Millionen Euro zur Verfügung, was die bedeutende Unterstützung für diese innovative Forschung verdeutlicht. Das Kolleg bündelt die Expertise des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse (ICWC), des Zentrums für Konfliktforschung (ZfK) und des Zentrums für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung, wodurch eine Vielzahl an Perspektiven integriert wird.
Die interdisziplinäre Ausrichtung des Kollegs vereint Disziplinen wie Rechtswissenschaften, Geschichte, Friedens- und Konfliktforschung, Soziologie, Theologie sowie Literatur- und Wirtschaftswissenschaft. Diese Diversität fördert einen multiperspektivischen Forschungsansatz, der ein differenziertes Verständnis von Geschlechtergerechtigkeit in globalen Rechts- und Konfliktkontexten ermöglichen soll.
Gesellschaftliche Relevanz
Das Thema Geschlecht und Vergeschlechtlichungen in völkerstrafrechtlichen Kontexten ist äußerst relevant, da Geschlechterrollen und -normen eine entscheidende Rolle bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen spielen. Die Erkenntnisse des Kollegs werden nicht nur zur Wissenschaft beitragen, sondern sollen auch langfristig Geschlechtergerechtigkeit in internationalen Rechtsprozessen fördern und die interdisziplinäre Spitzenforschung an der Philipps-Universität Marburg stärken.
Das Graduiertenkolleg stellt somit einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung von völkerstrafrechtlichen Normen dar und könnte nachhaltige Impulse für die Forschung sowie für gesellschaftliche Diskussionen über Geschlechterfragen in konfliktbelasteten Regionen geben. Die Bewilligung durch die DFG ist ein Zeichen für das Vertrauen in die Forschungsansätze der Universität Marburg und deren Bedeutung in der internationalen Wissenschaftslandschaft.