Das Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat eine wegweisende Studie ins Leben gerufen, die sich mit den biologischen Alterungsprozessen bei MMA-Kämpfern beschäftigt. Das Hauptziel dieser Untersuchung ist es, zuverlässige Marker zur Bestimmung des biologischen Alters zu identifizieren. Dabei wird das biologische Alter, das häufig vom tatsächlichen Lebensalter abweicht, durch verschiedene Faktoren wie Lebensstil, Ernährung, Bewegung und Stress beeinflusst. Die Projektleiterin, Dr. Kirsten Jahn, PhD, leitet die Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften und hebt den aktuellen Mangel an klaren Messwerten für das biologische Alter hervor.
Ein innovativer Ansatz der Studie ist die Nutzung von DNA-Methylierung als Maß für das biologische Alter. Diese Art der Methylierung beeinflusst die Genaktivität durch chemische Markierungen, welche die Aktivität bestimmter Gene steuern. Das MHH-Team verwendet modernste Technologie zur gleichzeitigen Analyse von circa 28 Millionen CpG-Stellen, was eine präzise Untersuchung ermöglicht.
Studienmodell MMA-Kämpfer
MMA-Kämpfer dienen hierbei als Modell für die Untersuchung des biologischen Alterns, da sie diverse körperliche und psychische Belastungen durchlaufen. Besonders in der Erholungsphase sind alterungshemmende Faktoren wie leichtes Training und eine normale Ernährung zu beobachten. Im Gegensatz dazu stehen während der Wettkampfphase belastende Faktoren wie intensive Trainingsbedingungen, spezielle Diäten und Flüssigkeitsverzicht, die potenziell das biologische Alter negativ beeinflussen könnten.
Die Vermutung der Forscher ist, dass diese wechselnden Belastungen die sogenannten biologischen Altersuhren beeinflussen. Dr. Panagiotis Karachalios, ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, spielt eine entscheidende Rolle in der Studie, indem er die MMA-Kämpfer begleitet und ihre Fortschritte dokumentiert. Neben der Analyse von DNA-Methylierung erhalten Studienteilnehmer MRT-Aufnahmen des Kopfes vor und nach Kämpfen, um mögliche Verletzungen und die Hirnalterung zu untersuchen.
Umfassende Datenerhebung und Vergleichsstudien
Die Studie umfasst zudem die Erfassung von Daten zu Wohlbefinden, Proteinen und verschiedenen Stoffwechselprodukten. Um die Ergebnisse umfassend zu verstehen, werden die Daten der MMA-Kämpfer mit jenen von Hobby-MMA-Sportlern sowie gesunden älteren Menschen verglichen. Diese Vergleiche sollen tiefere Einblicke in die Auswirkungen des Kampfsports auf das biologische Alter und die allgemeine Gesundheit ermöglichen.
Ergänzend werden auch bisherige Altersmarker wie „Age Clocks“ und die Längen von Telomeren analysiert. Ein weiterer spannender Aspekt dieser Untersuchung ist die Untersuchung der Auswirkungen des Kampfsports auf die psychische Widerstandskraft (Resilienz). Die Erkenntnisse dieser Studie könnten weitreichende Implikationen für die Gesundheitsforschung und das Verständnis des biologischen Alterns haben.
Insgesamt zeigt die Forschung der MHH, dass die Uhr im Körper nicht für alle gleich tickt und dass individuelle Unterschiede in der biologischen Alterung erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Auf den ersten Blick scheinen Effekte, die durch sportliche Betätigungen wie MMA entstehen, weitgehend unbekannt zu sein und laden zur weiteren Erforschung ein.