In der aktuellen Forschung zur biologischen Alterung nimmt ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine spannende Position ein. Ihre Untersuchung konzentriert sich auf die biologischen Alterungsprozesse bei MMA-Kämpfern. Diese Sportler durchlaufen intensive körperliche und psychische Belastungen, was sie zu einem interessanten Studienmodell macht, um zuverlässige Marker für das biologische Alter zu identifizieren, so die Studienleiterin Dr. Kirsten Jahn, PhD, aus der Arbeitsgruppe Molekulare Neurowissenschaften. Das Ziel ist klar: Ein besseres Verständnis davon zu bekommen, wie sich das tatsächliche Lebensalter und das biologische Alter unterscheiden können.
Es ist bekannt, dass viele Faktoren wie Lebensstil, Ernährung, Bewegung und Stress das biologische Alter beeinflussen können. Dabei ist die Frage, wie stark sich diese Faktoren tatsächlich auswirken, von zentralem Interesse. Die Forschung zur Epigenetik zeigt auf, dass Veränderungen der DNA, welche die Grundbausteine der genetischen Information nicht betreffen, dennoch große Auswirkungen auf die Genaktivität haben können. Diese epigenetischen Veränderungen führen dazu, dass selbst eineiige Zwillinge, trotz identischer DNA, unterschiedliche biologische Alter aufweisen können.
Analysen und Ergebnisse mit hochmoderner Technologie
Das Team der MHH setzt eine fortschrittliche Technologie ein, um DNA-Methylierung an circa 28 Millionen CpG-Stellen zu analysieren. DNA-Methylierung ist ein spezifisches epigenetisches Signal, das die Genaktivität steuert und sich mit dem Alter verändert. Diese Markierungen können Aufschluss über die biologischen Alterungsprozesse geben. Der Algorithmus von Steve Horvath, der als Maßstab dient, basiert auf der Analyse von 353 DNA-Methylierungsstellen und kann das biologische Alter in verschiedenen Zellen und Geweben präzise schätzen.
Um ein umfassendes Bild zu erhalten, werden die MMA-Kämpfer in verschiedenen Phasen ihrer sportlichen Karriere untersucht. Während der Erholungsphase kommen alterungshemmende Faktoren wie leichtes Training und gesunde Ernährung zum Tragen, während intensives Training und Flüssigkeitsverzicht in der Wettkampfphase alterungsfördernde Auswirkungen haben können. Die Hypothese lautet, dass diese wechselnden Belastungen die biologischen Altersuhren der Athleten beeinflussen können.
Wohlbefinden und psychische Resilienz im Fokus
Die Studie erhebt nicht nur Daten zu den biologischen Alterungsprozessen der MMA-Kämpfer, sondern auch zu deren allgemeinem Wohlbefinden und psychischen Widerstandskraft – einem Aspekt, der im Kampfsport von entscheidender Bedeutung ist. Zusätzlich werden die Ergebnisse mit den Daten von Hobby-MMA-Sportlern und gesunden älteren Menschen verglichen, um breitere Einsichten in die Zusammenhänge zwischen sportlicher Betätigung, biologischem Alter und mentaler Gesundheit zu gewinnen.
Bezüglich der Auswirkungen des Lebensstils auf das biologische Alter gibt es viele Ansätze, die aufzeigen, wie etwa regelmäßige Bewegung, eine mediterrane Ernährung und Stressmanagement positive Effekte auf die Genexpression haben können. Die Epigenetik thematisiert in diesem Zusammenhang, wie Umwelteinflüsse und persönliche Lebensgewohnheiten die Gesundheit und das Altern des Menschen beeinflussen, ohne die DNA selbst zu verändern.
Der interdisziplinäre Ansatz dieser Studie verspricht nicht nur neue Erkenntnisse über die biologischen Alterungsprozesse von Sportlern, sondern könnte auch weitreichende Auswirkungen auf die Grundlagenforschung und die medizinische Praxis haben, insbesondere im Bereich der Präventionsmedizin.