Montagsblues beginnt oft schon am Sonntag: Leipziger Studie untersucht den Übergang in die Arbeitswoche
Heute ist der 20.10.2026. In Leipzig beginnt der Tag für viele Menschen mit demselben kleinen Kampf: Der Wecker klingelt, draußen ist es noch still, und das Aufstehen fühlt sich unnötig schwer an. Montag gilt als unbeliebtester Wochentag. Morgenmüdigkeit inklusive.
Dieses Stimmungstief zu Wochenbeginn heißt „Montagsblues“. Eine Studie der Universität Leipzig hat untersucht, was dahinterstecken könnte. Wissenschaftlich eindeutig belegt ist der Montagsblues laut dem Artikel von myself allerdings nicht.
Wenn der Sonntag noch nach Wochenende schmeckt
Naheliegend ist der Kontrast: Am Wochenende bestimmen Ausschlafen, ein ruhiger Tagesablauf und freie Zeit den Takt. Dann kommen Meetings, To-do-Listen und ungelesene E-Mails. Dazu verschiebt sich der Schlafrhythmus oft durch späteres Zubettgehen und längeres Schlafen. In der Nacht von Sonntag auf Montag schlafen viele außerdem unruhig.
Die Leipziger Forschenden vermuteten deshalb, dass sich das Wohlbefinden am Wochenende zunächst verbessert, beim Übergang in die Arbeitswoche aber teilweise wieder abnimmt – etwa durch die Umstellung des Tagesrhythmus. Die Erholungsforschung geht eigentlich davon aus, dass Menschen am Ende eines Wochenendes besser drauf sein sollten, weil arbeitsfreie Zeit der Regeneration dient. Frühere Forschung zum Montagsblues deutet jedoch darauf hin, dass man sich nach dem Wochenende mitunter schlechter fühlt als zuvor. Ein eigenartiger Übergang: frei, erholt, dann plötzlich wieder im Büro.
Arbeitspsychologe Dr. Oliver Weigelt und sein Team vom Institut für Psychologie veröffentlichten ihre Ergebnisse im „Journal of Organizational Behavior“. An der Tagebuchstudie nahmen 87 erwerbstätige Personen teil. Sie wurden an zwei Wochenenden und in der dazwischenliegenden Arbeitswoche befragt – morgens, mittags und nachmittags zu Vitalität und Erschöpfung.
Am Morgen ging es zusätzlich um die Erholung am Vortag, die Schlafqualität der vergangenen Nacht und die Erwartungen an den Arbeitstag. Am Ende eines Arbeitstags gaben die Teilnehmenden an, wie stark sie sich bei der Arbeit angestrengt hatten. Untersucht wurden verschiedene Erholungsfaktoren: das Abschalten von der Arbeit, Entspannung, Autonomie, das Bewältigen von Herausforderungen und besonders Veränderungen der Schlafqualität.
Montag nicht automatisch der müdesteste Tag
Die Ergebnisse rücken das verbreitete Bild ein Stück zurecht. Montags war das Wohlbefinden nicht geringer als dienstags, mittwochs oder donnerstags. Auch fanden die Forschenden keine Hinweise darauf, dass die Erschöpfung im Verlauf einer Arbeitswoche kontinuierlich zunimmt. Vitalität und Erschöpfung entwickelten sich zudem unabhängig davon, wie stark sich die Beschäftigten beruflich angestrengt hatten.
Der Sonntag kann sich trotzdem wie eine freundliche Insel anfühlen, deren Ufer am Montagmorgen ziemlich abrupt endet. Genau dieser Kontrast zwischen dem erholsamen Sonntag und dem Beginn der Arbeitswoche kann dazu führen, dass der Montag subjektiv besonders belastend wirkt. Die Leipziger Untersuchung fand keine grundsätzlich geringere Leistungsfähigkeit am Montag – der Wechsel macht ihn eher unangenehmer, als er objektiv sein muss.
Eine wichtige Rolle spielten Erwartungen. Vorfreude auf anstehende Aufgaben stand mit höherer Vitalität und weniger Montagsblues in Verbindung. Die positive Wirkung solcher Erwartungen und auch der Anstieg vor dem Wochenende können mögliche negative Arbeitseffekte ausgleichen. Die Vitalität steigt nämlich schon vor dem Wochenende an – der sogenannte „Thank-God-It’s-Friday“-Effekt. Die stärksten Veränderungen zeigten sich beim Übergang zwischen Wochenende und Arbeitswoche.
Auch der Schlaf mischt kräftig mit. Wer am Wochenende besser schlief als an Arbeitstagen, berichtete von höherem Wohlbefinden. Schlechtere Schlafqualität in der Nacht von Sonntag auf Montag ging dagegen mit einem Rückgang des Wohlbefindens einher.
Drei kleine Hebel für den Montag
Ganz praktisch empfiehlt der Ausgangsartikel drei Dinge. Erstens: Vorfreude schaffen. Schon am Sonntag kann man etwas Schönes für Montag planen – ein Mittagessen mit einer Kollegin, frische Blumen für den Schreibtisch oder am Abend ein Essen beim Lieblingsitaliener.
Zweitens lohnt es sich, Aufgaben sinnvoll einzuteilen. Der Montagmorgen muss nicht gleich mit dem schwierigsten Brocken beginnen. Leichter fallende Tätigkeiten, die den eigenen Fähigkeiten entsprechen, können den Einstieg angenehmer machen.
Drittens hilft eine optimierte Morgenroutine. Ein Cappuccino auf dem Arbeitsweg oder ein paar Dehnübungen zum Wachwerden sind keine Zauberei, aber manchmal reicht schon so ein kleiner Fixpunkt, damit der Tag nicht mit dem Gefühl startet, hinterherzulaufen.
Der Blues beginnt womöglich schon am Sonntag
Eine Studie der Universität Göteborg kommt zu dem Ergebnis, dass der Sonntag oft unangenehmer erlebt wird als der Montag. Die Aussicht auf den bevorstehenden Arbeitsbeginn kann die Stimmung bereits am Sonntag drücken. In einer anderen Tagebuchstudie stieg die Energie am Wochenende an und sank beim Übergang zum Montag wieder. Gute Schlafqualität und eine positive Arbeitserwartung schwächten diesen Rückgang ab.
Auch Befragungen zeichnen ein eher graues Bild. Laut einer Erhebung der ManpowerGroup beginnen viele Beschäftigte die Arbeitswoche mit schlechter Stimmung. Genannt wurden unter anderem fehlende Motivation, belastende Aufgaben und die Aussicht auf die bevorstehende Woche. Eine im Sage Journal veröffentlichte Untersuchung stellte zu Wochenbeginn eine geringere Arbeitszufriedenheit und eine stärkere Wahrnehmung belastender Faktoren am Arbeitsplatz fest.
Bei einer Befragung von MondayMakers und der Karriereberatung von Rundstedt unter 410 Berufstätigen in Deutschland gaben 42 % an, eine ausgeprägte Abneigung gegen Montag zu empfinden und nur ungern zur Arbeit zu gehen. Forschende der Universität Vermont analysierten außerdem von 2008 bis 2017 täglich rund 50 Millionen Tweets weltweit. Die Sprache zeigte deutliche wöchentliche Stimmungsschwankungen; montags war die gemessene Stimmung besonders negativ.
Und dann ist da noch der Dienstag. Eine Untersuchung zum Wochenverlauf ergab, dass er mitunter negativer erlebt wird als der Montag: Die Erholung vom Wochenende ist schon vorbei, der nächste freie Tag aber noch nicht in Sicht. Das ist diese zähe Mitte, in der der Kalender wenig verspricht.
Nach der Umstellung auf die Sommerzeit wurde am darauffolgenden Montag außerdem eine Häufung von Herzinfarkten festgestellt. Als mögliche Faktoren gelten Schlafmangel und die abrupte Veränderung des Tagesrhythmus. Montagstress betrifft dabei nicht nur Berufstätige. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass auch Ruheständler durch erlernte Wochenrhythmen und langjährige Erwartungen körperliche und emotionale Reaktionen entwickeln können.
Die Leipziger Originalpublikation trägt den Titel „Continuity in transition: Combining recovery and day-of-week perspectives to understand changes in employee energy across the 7-day week“, DOI: 10.1002/job.2514. Und während irgendwo schon der erste Cappuccino dampft, wartet auf dem Schreibtisch vermutlich weiterhin diese eine ungelesene E-Mail.
