Mit der aktuellen Ausgabe des Journals „Gestalt Theory“ wird ein bedeutender Schritt in der morphologischen Psychologie sichtbar. In der Publikation werden 13 Beiträge in englischer Sprache vorgestellt, die sich mit den vielfältigen Aspekten dieses psychologischen Konzepts befassen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Herbert Fitzek erhält die Morphologie eine angemessene Einordnung innerhalb der gestaltpsychologischen Tradition. Diese Ausgabe thematisiert insbesondere die Aufnahme der Morphologie in verschiedene Bereiche, darunter die morphologische Markt- und Konsumpsychologie, Medienpsychologie, psychologische Beratung sowie Sportpsychologie. Dies berichtet die Business School Berlin.
Eine zentrale Diskussionslinie der Artikel ist die Auffassung von Wirklichkeit im Erleben und Verhalten. Dieser Fokus ist eng verbunden mit der Gründungsgeschichte der Business School Berlin (BSP), die als Plattform für die Weiterentwicklung solcher psychologischer Konzepte dient. Die Ergebnisse der morphologischen Forschung werden zudem auf der Konferenz „Gestalt – Image – Action“ präsentiert, die vom 16. bis 19. September 2026 an der Humboldt Universität, im Humboldt Forum (Stadtschloss) sowie an der BSP stattfinden wird. Studierende können das gesamte Programm der Tagung für 25 Euro oder Einzelteile zum Besuch auswählen.
Fokus auf Morphologische Psychologie
Die morphologische Psychologie, die als eine der Schwerpunkte der ZWISCHENSCHRITTE beschrieben wird, interpretiert das GOETHEsche Wissenschafts-Programm innerhalb der Psychologie. Wilhelm Salber, ein bedeutender Vertreter dieser Disziplin, entwickelte die morphologische Psychologie bereits ab den 1950er Jahren. Ab 1963 war Salber Direktor des Psychologischen Instituts II an der Universität zu Köln, wo er und seine Mitarbeiter:innen die Ideen von Wilhelm Dilthey aufgriffen. Dilthey stellte eine alternative Sichtweise zur naturwissenschaftlichen Orientierung in der Psychologie vor. Die morphologische Psychologie vereint grundlegende Gedanken von F. Nietzsche, S. Freud, C.G. Jung und weiteren Denkern und beschreibt menschliches Erleben sowie Verhalten in ihren Entwicklungen. Diese Methoden werden als ‚Gestalten-Lehre‘ und ‚Verwandlungs-Lehre‘ verstanden.
Herzstück der morphologischen Psychologie ist die umfassende und differenzierte Beschreibung der Phänomene, die aus den gegebenen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten heraus entstehen können. Die Disziplin verzichtet auf Konstrukte anderer Disziplinen, wie etwa der Hirnforschung, um eine tiefere Einsicht in die seelischen Prozesse des Menschen zu gewinnen. Sie ist qualitativ und kulturpsychologisch orientiert, was bedeutet, dass sie sich an der Vielfalt der Wirklichkeit und den Alltagslebensformen orientiert, die als Schauplatz der seelischen Prozesse gelten. Diese Aspekte fördern einen tiefenpsychologischen Ansatz und bieten eine kritisch-kulturelle Perspektive, die anstehende Wandlungen begleitet und unterstützt.
Der Rückentext der ZWISCHENSCHRITTE 2-1992 charakterisiert die Morphologie als ein Instrument zur Annäherung an das Seelische im Alltag. Dies verdeutlicht, wie die morphologische Psychologie sich nicht nur als theoretische Disziplin versteht, sondern auch als praxisnahe Wissenschaft, die tief in die alltäglichen Lebensformen eindringt, um das Seelische zu reflektieren und zu verstehen. Das Engagement der morphologischen Psychologie für eine qualitativ-gestaltende Betrachtung macht sie zu einem wichtigen Bestandteil der zeitgenössischen psychologischen Landschaft.