Uni Leipzig, 5. November 2026 – Motorola hat auf dem Qualcomm Tech Summit auf Hawaii das High-End-Smartphone Signature 27 angekündigt. In Deutschland soll das Gerät ab 1.899 Euro kosten und in den kommenden Wochen ausgeliefert werden. Einen exakten Starttermin nennt Motorola allerdings nicht; als Ziel gilt die Markteinführung bis Ende 2026.

Der große Aufhänger ist GrapheneOS. Die Signature 27 soll Motorolas erstes Smartphone mit offizieller Unterstützung für das sicherheitsorientierte, standardmäßig Google-freie Custom-ROM werden. Ganz so weit ist es aber noch nicht: Zum Verkaufsstart läuft auf dem Telefon Android 17, vorinstalliert mit Google-Diensten, Gemini und Gemini Intelligence. GrapheneOS ist zunächst nicht verfügbar. Die Entwickler rechnen mit einer Veröffentlichung im Jahr 2027, ein konkretes Datum gibt es nicht.

Teures Spitzenmodell mit großer Batterie

Motorola verlangt weltweit laut eigener Angabe 1.599 US-Dollar. Der deutsche Bruttopreis von 1.899 Euro entspricht bei 19 Prozent Mehrwertsteuer rechnerisch etwa 1.595,80 Euro netto und liegt damit nahe am US-Listenpreis. Die Signature 27 soll laut Artikel das teuerste Motorola-Smartphone sein – ausdrücklich bestätigt wird das in den offiziellen Unterlagen allerdings nicht. Für Österreich und die Schweiz fehlen bislang offizielle Preise und Termine.

Technisch gesichert sind bisher unter anderem ein 7.000-mAh-Akku mit Silizium-Kohlenstoff-Anoden und kabelgebundenes Laden mit bis zu 90 Watt. Das Gerät soll zu den ersten Smartphones mit Qualcomms Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 gehören. Xiaomi will diese Chipgeneration ebenfalls in den 18er-Serien einsetzen, Honor in der 9er-Reihe. Qualcomm-Topchips bieten laut GrapheneOS gegenüber Googles Tensor-Chips eine höhere CPU- und GPU-Leistung; außerdem verfügen Qualcomm-SoCs über isolierte Komponenten sowie sicherere Mobilfunk-, WLAN-/Bluetooth- und GNSS-Module.

Auf der Rückseite sitzen vier Kameras. Beschrieben wurden bislang ein 200-Megapixel-Sensor für die Periskop-Telekamera und ein 50-Megapixel-Sensor für die Weitwinkelkamera. Letztere nutzt Sonys LOFIC-fähigen Lytia-910-Sensor. LOFIC soll Überstrahlungen heller Bildbereiche vermeiden, Bildrauschen bei wenig Licht reduzieren und in kontrastreichen Szenen weichere Abstufungen ermöglichen. Das Audiosystem entstand gemeinsam mit B&O; technische Einzelheiten fehlen noch.

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Motorola verspricht sieben Jahre Android-Updates. Nicht veröffentlicht sind dagegen belastbare Angaben zu Arbeitsspeicher, internem Speicher, Display, Kameras im Detail, regional abweichenden Akkukapazitäten und der Dauer von Sicherheitsupdates. Auch zum exakten GrapheneOS-Termin schweigen die Unterlagen.

Partnerschaft mit Fragezeichen

Motorola erklärt, die Sicherheitsanforderungen von GrapheneOS gemeinsam mit der GrapheneOS Foundation in die Entwicklung integriert zu haben. Anfang 2026 hatten beide Seiten eine Partnerschaft angekündigt. Geplant war, GrapheneOS auf ausgewählten Motorola-Geräten anzubieten und diese als hochsichere Geräte an Behörden zu vertreiben.

Eine offizielle Bestätigung, dass die Signature 27 GrapheneOS unterstützen wird, gab Motorola bislang jedoch nicht. GrapheneOS-Entwickler bestätigten auf X, dass das erste unterstützte Gerät ein Nachfolgemodell des 2026 vorgestellten Motorola Signature sein werde. Die Foundation hat zur Zusammenarbeit bisher keine ausführliche öffentliche Stellungnahme veröffentlicht.

Unklar bleibt, ob Motorola spezielle Updates, Schlüssel oder Entwicklerzugänge bereitstellt. Durch die Partnerschaft erhält GrapheneOS immerhin direkten Zugriff auf benötigte Android-Ressourcen. Die Verzögerung bis 2027 könnte an der Anpassung von Treibern, Tests mit echter Hardware und Sicherheitsprüfungen liegen. GrapheneOS will zunächst High-End-Geräte unterstützen und das Angebot später auf weitere Modelle ausweiten.

Bislang lief GrapheneOS praktisch ausschließlich auf Google-Pixel-Geräten. Nach Angaben der Entwickler erfüllen derzeit nur diese Geräte die hohen Sicherheitsanforderungen. Google erschwert die Entwicklung von Custom-ROMs laut dem Bericht seit Android 16: Für Pixel-Geräte werden Treiber-Binärdateien nicht veröffentlicht, eine vollständige Kernel-Quellcode-Commit-Historie fehlt, und neue AOSP-Versionen erscheinen nur noch halbjährlich.

Die ersten unterstützten Smartphones dürften deshalb teurer als vergleichbare Pixel-Modelle werden. Zum Vergleich: Die Pixel-11-Serie startet bei 1.000 Euro, das Pixel 11 Pro XL bei 1.400 Euro. Wegen der hochwertigen Ausstattung und der aktuellen Speicherpreise war für die Signature 27 ohnehin ein hoher Preis erwartet worden. Im direkten Vergleich mit Pixel-Geräten bietet sie vorerst aber keine nutzbare GrapheneOS-Version.

Was GrapheneOS anders macht

GrapheneOS ist ein quelloffenes, auf Datenschutz und Sicherheit ausgerichtetes Betriebssystem. Es basiert auf dem Android Open Source Project (AOSP), bleibt mit Android-Apps kompatibel und wurde ursprünglich für Google-Pixel-Geräte entwickelt. Veröffentlicht wurde das Projekt erstmals im März 2016; die angegebene Version lautet 2026081300 vom 13. August 2026. Als Lizenzen dienen MIT License und Apache License 2.0, die Architektur ist ARM, der Kernel monolithisch. Verfügbar sind Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch.

Entstanden ist das Projekt 2014 als Abspaltung von CopperheadOS. Daniel Micay begann damals, sicherheitsbezogene Änderungen zu AOSP beizusteuern. 2015 gründete er gemeinsam mit James Donaldson die Firma Copperhead, die das AOSP-basierte CopperheadOS entwickelte. Im Juni 2018 schied Micay nach einem Streit mit Donaldson als CTO und 50-prozentiger Anteilseigner aus; Micay warf ihm vor, das Projekt übernehmen und Spenden veruntreuen zu wollen. Danach veröffentlichte Micay als Fortsetzung von CopperheadOS das Projekt Android Hardening, das 2019 in GrapheneOS umbenannt und unabhängig als Open-Source-Projekt weitergeführt wurde.

Im Mai 2023 kündigte Micay seinen Rücktritt als leitender Entwickler und Direktor der GrapheneOS Foundation an. Als Grund nannte er zunehmende Belästigungen und Swatting-Angriffe. Im Oktober 2026 wurde er weiterhin als einer von drei Direktoren der Foundation geführt. Schon 2022 hatte Micay den Vertrieb eines von einem OEM gefertigten GrapheneOS-Smartphones angekündigt. Seit 2026 ist der Vertrieb eines unabhängigen OEM-Smartphones geplant.

Im Alltag setzt das System auf Sandboxing, Exploit-Abwehr, feinere Berechtigungsverwaltung und eine kleinere Angriffsfläche. Google-Play-Dienste sind standardmäßig nicht installiert, können aber optional in einer Sandbox mit eingeschränkten Berechtigungen nachinstalliert werden. Hintergrund-Apps dürfen standardmäßig nicht auf die Zwischenablage und können beim Netzwerk-, Sensor- oder Kamerazugriff begrenzt werden; bei Kameranutzung erscheint eine Anzeige. Storage- und Contact-Scopes beschränken Datei- und Kontaktfreigaben.

Hinzu kommen verschlüsselte Backups über Seedvault – lokal oder mit verschiedenen Cloud-Anbietern –, Update-Abfragen ohne identifizierende Informationen, Update-Unterstützung über VPN oder Tor und neue MAC-Adressen für WLAN-Verbindungen. Vanadium dient als gehärtetes WebView und Chromium-basierter Standardbrowser, außerdem gibt es einen abgesicherten GrapheneOS-PDF-Viewer. Der Zeitabgleich erfolgt beim Start über eine HTTPS-Abfrage an einen eigenen Zeitserver. Gehärtete C-Standardbibliothek und Memory-Allocator sowie zusätzliche Sicherungen beim App-Start und Bootprozess arbeiten eher im Hintergrund, machen aber den Kern des Systems aus.

Entsperren lässt sich das Gerät per Fingerabdruck und zusätzlicher PIN; Passwörter dürfen bis zu 128 statt 16 Zeichen lang sein. Es gibt fünf statt 20 Fingerabdruckversuche. Die Gerätedaten sind verschlüsselt. Beim Schutz werden BFU („Before First Unlock“) und AFU („After First Unlock“) unterschieden: Nach einem Neustart sind im BFU-Zustand die Schlüssel für geschützte Nutzerdaten noch nicht freigegeben. Nach der ersten Entsperrung bleiben im AFU-Zustand auch im gesperrten Gerät mehr Schlüssel und Daten im Arbeitsspeicher. Ein frisch gestartetes Telefon ist dadurch besser gegen Datenextraktion geschützt.

Nach zehn gültigen Fehlversuchen beträgt die Verzögerung vier Stunden, ab dem 15. Fehlversuch 41 Tage. Insgesamt stehen 20 gültige Fehlversuche für Brute-Force-Angriffe zur Verfügung. Bis zu fünf zuletzt eingegebene falsche Eingaben werden gespeichert und bei einer erneuten Eingabe nicht noch einmal gezählt, sofern das Pixel-Gerät dies hardwareseitig unterstützt. Firmware-Updates brauchen neben gültiger Signatur und Aktualität zusätzlich eine Authentifizierung des Eigentümers. So soll verhindert werden, dass eine Firmware ohne Ents