Die Universität Münster legt am 1. Juli 2026 den Grundstein für die erste „Islamisch-Theologische Fakultät“ in Deutschland. Diese Neugründung wird als bedeutender Schritt für die islamische Theologie und die muslimische Community in Europa gewertet. Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels bezeichnet die Schaffung dieser Fakultät als einen Meilenstein, der jahrelange Vorbereitungen erfordert hat. Der Ursprung der Fakultät liegt im „Zentrum für Islamische Theologie“ (ZIT), das seit 2012 eine wichtige Rolle an der Universität spielt.
Die Gründung des ZIT war nur der Beginn eines umfangreichen Prozesses. Ab 2015 wurden erste Ideen zur Weiterentwicklung formuliert, die schließlich 2019 zur Entscheidung des Rektorats führten, das ZIT in einen eigenständigen Fachbereich zu überführen. Dabei waren zahlreiche Institutionen und Gremien in den Entscheidungsprozess eingebunden, darunter das nordrhein-westfälische Ministerium für Kultur und Wissenschaft sowie verschiedene Gremien der Universität selbst. Auch die Stimmen der Studierenden wurden berücksichtigt.
Struktur und Angebote der Fakultät
Der Gründungsdekan der neuen Fakultät, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, wird eine zentrale Rolle bei der Organisation und Entwicklung der Fakultät einnehmen. Khorchide ist ein erfahrener Wissenschaftler, der seit 2010 die Professur für islamische Religionspädagogik innehat. Unter seiner Leitung werden vier Professorinnen und vier Professoren zu Themen wie islamischer Philosophie und Islam in der Sozialarbeit lehren. Aktuell sind rund 450 Studierende in den Lehramts- sowie theologischen Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben.
Die Fakultät wird nicht nur die Möglichkeit haben, eigenen Promotionsrechte zu vergeben, sondern auch Prüfungsordnungen zu entwickeln und selbstständig Prüfungskommissionen zu besetzen. Dies stellt einen wichtigen Fortschritt für die akademische Landschaft dar, da die Fakultät damit mehr Autonomie gewinnt.
Integration in den neuen Campus
Die Islamisch-Theologische Fakultät wird Teil des neuen „Campus der Theologien und Religionswissenschaften“ sein, der derzeit in Münster im Bau ist. Dieser Campus ist als ein Ort der Verständigung zwischen Wissenschaft, Politik, Religion sowie Kultur und Medien konzipiert. Eine der weltweit größten Forschungsbibliotheken zum Thema Religion wird dort entstehen. Diese Bibliothek wird eine Gemeinschaftseinrichtung sein, die auch von den katholi- und protestantischen Religionswissenschaftlern genutzt wird.
Der Betrieb der Fakultät wird offiziell im Wintersemester 2026/27 beginnen, und im Sommersemester 2027 erfolgt die erste Wahl des Fachbereichsrates. Von dieser Gründung ist ein dynamischer Einfluss auf die Schaffung von Lehrinhalten, Forschungsprofilen und Studiengängen zu erwarten. Die Fakultät wird jedoch auch an übergeordnete Regeln gebunden bleiben, einschließlich des Hochschulgesetzes und der Grundordnung der Universität Münster.
Die Finanzierung von acht Professuren, darunter für islamische Geschichte, Ethik und Philosophie, ist bereits durch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gesichert. Damit wird der Weg für eine fundierte akademische Ausbildung geebnet und gleichzeitig die akademische Landschaft in der Region bereichert. Die letzte Gründung eines neuen Fachbereichs an der Universität Münster liegt bereits 22 Jahre zurück und unterstreicht die Bedeutung dieser Neuausrichtung für die Hochschule und die Gesellschaft.