Nach Hackerangriff: Universität Leipzig verlängert Abgabefrist für Haus- und Abschlussarbeiten bis 20. November 2026
An der Universität Leipzig wird die Prüfungsfrist nach dem Hackerangriff erneut verlängert. Hausarbeiten und Abschlussarbeiten müssen nun bis zum 20. November 2026 abgegeben werden. Zuvor hatte die Universität die Frist bereits bis zum 6. November verschoben.
Für Staatsprüfungen gilt die Verlängerung nicht. Betroffene Studierende sollen sich an die staatlichen Prüfungsämter wenden. Die Universität betreut mehr als 30.000 Studierende – entsprechend groß ist die Zahl der Menschen, die derzeit mit Ersatzlösungen, offenen Fragen und reichlich Improvisation durch den Studienalltag kommen müssen.
Lehre läuft, digitale Wege bleiben holprig
Vor Ort funktioniert der Universitätsbetrieb trotz der Einschränkungen weitgehend normal. Die Technik in Hörsälen und Seminarräumen läuft, Vorlesungen und Seminare können grundsätzlich wie geplant stattfinden. Die Präsenzlehre geht weiter; digitale Lehrveranstaltungen mussten teilweise verschoben oder über externe Plattformen angeboten werden.
Ganz reibungslos ist der Alltag allerdings nicht. Digitale Anzeigetafeln vor den Hörsälen funktionieren nicht, deshalb bleibt mitunter unklar, wo eine Veranstaltung stattfindet. Auch Seminararbeiten und andere prüfungsrelevante Dokumente können viele Studierende derzeit nicht hoch- oder herunterladen.
AlmaWeb und Moodle sind weiterhin nicht erreichbar. Damit fehlen unter anderem Stundenpläne, Veranstaltungsverzeichnisse, Noten und Universitätsmitteilungen. Immatrikulationsbescheinigungen lassen sich momentan ebenfalls nicht herunterladen – Dokumente, die etwa für BAföG-Anträge, Semestertickets und Kindergeld gebraucht werden.
Der Student*innenRat berichtet von zahlreichen Fragen und Unsicherheiten. Besonders schwierig sei, dass viele Anlaufstellen derzeit nicht erreichbar sind. Für die Studienorganisation nutzt die Universität deshalb vorübergehend alternative Lösungen.
Server vom Netz, Wiederherstellung ohne Zeitplan
Die Universität war Mitte der vergangenen Woche Ziel eines Hackerangriffs. Nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks wurden die Server am Mittwoch, 28. Oktober, vom Internet getrennt, um weiteren Schaden zu verhindern. Fünf Tage nach dem Angriff arbeitete die Universität weiter an der Wiederherstellung ihrer IT-Systeme.
Die Hochschule befindet sich noch in der Analysephase und prüft, wie die Arbeitsfähigkeit teilweise zurückgewonnen werden kann. Dienste sollen schrittweise und nach Priorität wieder ans Netz gehen. Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.
Die reguläre Webseite ist weiterhin nicht erreichbar, auch die E-Mail-Kommunikation bleibt eingeschränkt. Seit Ende der vergangenen Woche sind Fakultäten und zentrale Einrichtungen jedoch über ein externes System wieder per E-Mail erreichbar. Dazu gehören unter anderem die Universitätsbibliothek, das Zentrum für Hochschulsport und das Sprachenzentrum. Das Universitätsrechenzentrum will Fakultäten und Einrichtungen außerdem Funktionspostfächer für eine eingeschränkte Kommunikation bereitstellen.
Eine Ersatz-Webseite unter www.uni-leipzig.de informiert Studierende und Beschäftigte über wichtige Entwicklungen. Auch der Instagram-Kanal der Universität wird dafür genutzt.
Rektorin Eva Inés Obergfell erklärte, es könne Wochen dauern, bis alle Systeme wieder online, verfügbar und stabil laufen. Ungeklärt ist weiterhin, wie die Angreifer in die Systeme gelangten, ob Daten abgeflossen sind und welche Hintergründe der Angriff hatte. Die zuständigen Behörden wurden informiert.
Das digitale Schwarze Brett und die Rückkehr zum Aushang
Die juristische Fakultät hat ein digitales „Schwarzes Brett“ eingerichtet, auf dem unter anderem Vorlesungsmaterial bereitgestellt wird. Weil zentrale digitale Systeme ausgefallen sind, greift die Fakultät teilweise auf Informationswege zurück, die an die Zeit vor rund 30 Jahren erinnern: zentrale Aushänge, Papier und der kurze Weg über den Flur.
Das klingt nach Rückschritt, ist im Moment aber schlicht praktisch. Während die üblichen Plattformen schweigen, müssen Informationen irgendwie zu den Studierenden gelangen. Online-Abgabefristen waren nach Angaben der Universität zunächst auf den 6. November verschoben worden; inzwischen gilt für Haus- und Abschlussarbeiten der 20. November 2026.
Für Studierende an der Uni Magdeburg, die den Leipziger Vorfall aus der Entfernung verfolgen, wirkt das vielleicht wie eine Nachricht aus einer anderen Hochschulwelt. Tatsächlich zeigt der Angriff, wie schnell ein Campus, der im Normalbetrieb von Plattformen, E-Mail und digitalen Anzeigen lebt, auf Aushänge, externe Systeme und persönliche Nachfrage angewiesen ist.
Cybersecurity als Studienfeld
Passend zu dieser Lage führt ein Fernstudium Cyber Security in den Bereich Threat-Hunting ein. Im Mittelpunkt steht das Aufspüren und Abwehren von Cyberangriffen – also genau jene Arbeit, die nach einem Vorfall wie in Leipzig an Bedeutung gewinnt.
Zum Studium gehören die Grundlagen moderner Betriebssysteme, verteilte Cloud-Anwendungen, Computer-Forensik und Datenanalyse. Hinzu kommen die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle, Pentesting und Reversing zur Analyse cyberkrimineller Aktivitäten sowie Architektur, Programmierung und Wartung von Sicherheitssystemen.
Das Studium kann auf Deutsch oder Englisch absolviert werden. Die Leipziger Universität ist derweil noch damit beschäftigt, ihre Systeme vorsichtig, Schritt für Schritt und nach Priorität wieder in Betrieb zu nehmen.
