Nachwuchsarchitekt:innentag 2026 fordert Weiterbauen, faire Bedingungen und weniger Spekulation
Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben sich Studierende, Absolvent:innen sowie Junior- und Voll-Mitglieder der Architektenkammern zum Nachwuchsarchitekt:innentag 2026 (NAT:26) getroffen. Veranstaltungsort war die Architekturfakultät des KIT. Zum inzwischen dritten Mal kamen dabei alle vier Fachrichtungen zusammen: Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung.
Der NAT ist kein Treffen, bei dem man nur Visitenkarten austauscht und danach wieder auseinanderläuft. Nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung arbeiteten die Teilnehmenden in zehn Themenworkshops. Am Ende stand ein gemeinsames Positionspapier. Organisiert wurde der NAT:26 von den Länderkammern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer (BAK) und nexture+.
Vom Studium in die Kammer
Wie kommt man eigentlich von der Hochschule in eine Architektenkammer? Der gemeinsam mit der BAK und nexture+ erarbeitete Kammerguide „16 Wege. Ein Ziel. Dein Einstieg.“ informiert über die unterschiedlichen Zugangswege junger Planer:innen zu den 16 Landesarchitektenkammern. Die Voraussetzungen unterscheiden sich, weil das System der Architektenkammern föderal organisiert ist.
Der vorherige NAT fand 2024 an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf statt. Hochschullehrende waren diesmal zwar besser vertreten als beim vorherigen NAT, blieben aber weiterhin unterrepräsentiert. Fehlende Praxisnachweise erschweren ihnen den Zugang zu den Kammern – ein ziemlich konkretes Hindernis, gerade für Menschen, die an Hochschulen lehren und zugleich den Beruf weiter im Blick behalten wollen.
Die Workshops drehten sich unter anderem um Planungshaltungen und Paradigmenwechsel, BIM und intuitive Planung, faire Arbeitsbedingungen, Intersektionalität, Abriss und Weiterbauen sowie die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg. Auch das Studium zwischen Krisen und Chancen, bezahlbares Wohnen, Partizipation und die gesellschaftliche Relevanz der Architektenkammern standen auf dem Programm.
21 Positionen, fünf dringende Forderungen
In Workshop 10 ging es um die Rolle der Architektenkammern. Eine Arbeitsgruppe zur Außendarstellung formulierte die Position: „Macht die Kammern gesellschaftsrelevant durch überraschende Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und maximale Omnipräsenz.“ Diskutiert wurden dabei die gesellschaftliche Wahrnehmung der Planungsberufe, Hitzeschutz, Wohnungsnot und der „Bau-Turbo“.
Zum Abschluss verabschiedeten die Teilnehmenden ein Positionspapier mit insgesamt 21 Positionen, Forderungen und Selbstverpflichtungen. Fünf Forderungen wurden durch Abstimmung als besonders dringend ermittelt:
- Gebäude sollen erhalten und weiter genutzt werden. Jeder Abriss soll erst nach einer Prüfung seiner ökologischen und sozialen Auswirkungen genehmigt werden.
- Die Architektenkammern sollen durch Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und starke öffentliche Präsenz gesellschaftlich relevanter werden.
- Experimentelle Planungsinstrumente sollen unterstützt werden. Wohnen soll nicht länger als Spekulationsgegenstand dienen.
- Gefordert werden Standards für Gehälter, echtes Mentoring beim Berufseinstieg sowie die Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen.
- Architektur- und Planungsberufe sollen an demokratische Grundwerte gebunden sein und diese in der Praxis fördern.
Als zentrale Themen des NAT:26 werden nachhaltige Bestandsumnutzung statt Abriss, gemeinwohlorientierte Räume, demokratische Grundwerte, weniger Spekulation mit Wohnraum und faire Bedingungen für junge Planer:innen genannt. Der nächste Nachwuchsarchitekt:innentag soll voraussichtlich in zwei Jahren stattfinden.
Zwischen Gebäudetyp E und Bau-Turbo
Die Debatten des NAT:26 passen in eine Zeit, in der die BAK an mehreren Fronten über die Zukunft des Planens spricht. Sie unterstützt den Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E. Vorgesehen ist ein eigenständiger Vertragstyp mit Basisstandards, der einfacheres, wirtschaftlicheres und ressourcenschonenderes Bauen ermöglichen soll. Für alle Gebäudetypen soll ein verlässlicher Rechtsrahmen für bezahlbares und innovatives Bauen entstehen.
Gleichzeitig fordert die Initiative „Bau-Turbo kommunal“ klare Leitplanken für die erweiterten Handlungsspielräume des sogenannten Bau-Turbos. Das Bündnis umfasst Architektur-, Umwelt- und Klimaschutzorganisationen. Die Reform des Baugesetzbuchs soll schnellere Entscheidungen ermöglichen; ohne klare Vorgaben könnten jedoch Flächenverbrauch, Zersiedelung und Klimabelastung zunehmen.
Auch bei der Gebäudemodernisierung mahnt die BAK zur Vorsicht. Beim geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz warnt sie vor neuen Unsicherheiten für Eigentümerinnen und Eigentümer bei Heizungsentscheidungen. Der Referentenentwurf soll mehr Wahlmöglichkeiten eröffnen, macht die Entscheidung nach Einschätzung der BAK aber nicht automatisch einfacher. Bei Investitionen müssten langfristige Kosten-, Infrastruktur- und Klimarisiken einschätzbar sein.
BAK-Präsidentin Andrea Gebhard war am 14. April bei Bundesjustizministerin Stefanie Hubig. Besprochen wurden der Gebäudetyp E, die Novelle des Baugesetzbuchs, gesamtschuldnerische Haftung, zirkuläres Bauen und Abfallrecht sowie eine mögliche Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnraum. Gebhard brachte konkrete Vorschläge zur Umsetzung des Gebäudetyps E ein. Zusätzlich legte die BAK fünf Regelungsbausteine für ein praxistaugliches Gebäudemodernisierungsgesetz vor und warnte vor einer Abschwächung zentraler Steuerungsmechanismen. Die diskutierten Eckpunkte von CDU/CSU und SPD könnten nach Darstellung der BAK die langfristige Verlässlichkeit der Gebäudeenergiepolitik beeinträchtigen.
Berufseinstieg, Wettbewerbe und neue Werkzeuge
Der Kammerguide „Architektur studiert – und jetzt?“ richtet sich an Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung. Er erläutert den Weg vom Studium über die Berufspraxis bis zur Eintragung in die Architektenkammer. Voraussetzungen für die Eintragung, Praxiszeiten, Fortbildungen, Junior-Mitgliedschaften und die Aufgaben der Architektenkammern werden darin erklärt.
Wie zugänglich der Beruf tatsächlich ist, zeigt sich auch bei Wettbewerben. In „Episode 46“ des BAK-Podcasts spricht Jonas Tratz über Wettbewerbsverfahren. Anonyme Wettbewerbe gelten als Instrument zur Förderung von Baukultur und Chancengleichheit. Junge und kleinere Büros stoßen in der Praxis laut Gesprächsbeschreibung allerdings auf erhebliche Zugangshürden. Tratz ist Partner von FAKT – Office for Architecture, Fachpreisrichter und ehemaliges Mitglied des Ausschusses „Wettbewerbe und Vergabe“ der Architektenkammer Berlin. Im Gespräch geht es um die Verknappungsfalle bei nicht offenen Wettbewerben, kollaborative Büro-Allianzen sowie vielfältige und generationenübergreifend besetzte Preisgerichte.
Die BAK vertritt die Interessen von Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen. Mitglieder sind die 16 Architektenkammern der Länder. Für ihr Verbindungsbüro in Brüssel sucht sie eine Referentin oder einen Referenten für Berufspolitik mit 39 Stunden. Auf dem Tisch liegen unter anderem die europäische Vergabereform, Qualität und fairer Wettbewerb, die Wohnungskrise, künstliche Intelligenz sowie politische Rahmenbedingungen für Architektinnen und Planer.
Auch die internationale Seite gehört dazu: Das Netzwerk Architekturexport NAX unterstützt deutsche Architektinnen und Architekten beim Zugang zu internationalen Märkten. Es arbeitet mit Teilnehmern und Partnern aus Politik, Wirtschaft und Medien. Ziel ist eine stärkere internationale Bekanntheit deutscher Architektur.
Für den Markt selbst liefert die Publikation „Facts & Figures“ Daten. Grundlage sind regelmäßige BAK-Befragungen und statistische Auswertungen. Die zwölf Kapitel behandeln unter anderem Marktgröße, Wertschöpfung, Anzahl und Altersstruktur der Architektinnen und Architekten sowie die Struktur der Planungsbüros.
Bestand, Daten und Öffentlichkeit
Das „Bundesregister Nachhaltigkeit“ der deutschen Architekten- und Ingenieurkammern ist gestartet. Die Plattform soll nachhaltiges Bauen fördern und Fachleute für klimagerechtes Bauen sichtbar machen. Kammermitglieder können sich als Nachhaltigkeitskoordinatorinnen und Nachhaltigkeitskoordinatoren registrieren.
Für den Umgang mit künstlicher Intelligenz hat die BAK „10 Fragen, 10 Antworten“ veröffentlicht. Die Zusammenstellung richtet sich an Architektinnen und Architekten, Stadtplanende, Landschaft
