Prof. Dr. Annika Clamor von der Internationalen Forschungsgruppe zur Psychopathologie (ICPP) und ihre Kolleg:innen von der Universität Hamburg sowie der Freien Universität Berlin haben eine wegweisende Meta-Analyse zur Emotionsregulation bei psychischen Störungen veröffentlicht. Die Fachzeitschrift Psychological Bulletin hat die Studie am 24. April 2026 veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Forschung bieten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen, mit denen Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, konfrontiert sind.

Ein zentrales Thema der Studie ist die Untersuchung von Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen, die bei zahlreichen psychischen Störungen häufig auftreten. Die Forscher:innen wollten herausfinden, ob diese Probleme unabhängig von der spezifischen Diagnose auftreten oder ob sie zwischen verschiedenen Störungsbildern variieren. Um zu validen Ergebnissen zu gelangen, werteten sie Daten aus 619 Studien aus, die insgesamt über 78.000 Teilnehmende weltweit umfassten.

Ergebnisse der Meta-Analyse

Die Analyse ergab, dass Schwierigkeiten in der Emotionsregulation ein zentrales Merkmal vieler psychischer Störungen sind. Menschen mit psychischen Erkrankungen zeigen eine Tendenz zum Grübeln, unterdrücken ihre Emotionen stärker und nutzen weniger adaptive Emotionsregulationsstrategien wie die Neubewertung. Interessanterweise variieren die Ergebnisse je nach Störungsbild.

Besonders auffällig waren die Ergebnisse in Bezug auf depressive Störungen, bei denen starkes Grübeln und eine geringe Nutzung von Neubewertung festgestellt wurden. Auch bei Persönlichkeitsstörungen zeigten sich spezifische Probleme: Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu akzeptieren, was zu einer verstärkten allgemeinen Emotionsdysregulation führt.

Impuls für die Psychotherapie

Die Erkenntnisse aus dieser Studie sind nicht nur von akademischem Interesse, sondern bieten auch wichtige Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung psychotherapeutischer Ansätze. Insbesondere könnte ein Fokus auf bestimmte Aspekte der Emotionsregulation als Schlüssel zur Förderung der psychischen Gesundheit dienen. Die Forscherinnen und Forscher betonen die Notwendigkeit, die spezifischen Besonderheiten der einzelnen Störungen zu berücksichtigen, um transdiagnostische Interventionen zu entwickeln.

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Die Veröffentlichung ist frei zugänglich, was die Verbreitung dieser wertvollen Informationen und deren Anwendung in der klinischen Praxis erleichtert. Der Zugang zu solchen Studien ist entscheidend, um Wissen über psychische Gesundheit zu fördern und dazu beizutragen, Präventionsstrategien zu entwickeln.