Bedirhan Erdem ist ein aufstrebender Wissenschaftler in der Rechtswissenschaft, der kürzlich auf die Herausforderungen aufmerksam gemacht hat, mit denen Nicht-Muttersprachler in der deutschen akademischen Welt konfrontiert sind. Nachdem er seinen ersten Masterabschluss in Rechtswissenschaft an der Bilkent Universität in Ankara erworben hat, entschied er sich, nach Deutschland zu ziehen. Diese Entscheidung wurde stark beeinflusst durch die unglücklichen Verhältnisse der türkischen Rechtswissenschaft und die eingeschränkte Wissenschaftsfreiheit in seinem Heimatland. Der Academic Freedom Index 2026 stuft die Türkei diesbezüglich als „absolut eingeschränkt“ ein.

Erdem war von der deutschen Wissenschaftskultur und der Tradition der Meinungsvielfalt fasziniert, die ihm als Kontrast zu den Bedingungen in der Türkei erschien. Trotz mehrerer Bewerbungen um wissenschaftliche Mitarbeiterstellen an verschiedenen Universitäten erhielt er zahlreiche Absagen. Lediglich die Leuphana Universität war bereit, ihn offen und ausschließlich basierend auf seinem Lebenslauf und seinen Publikationen zu bewerten.

Akademische Herausforderungen und Chancen

Seit 2022 verfolgt Erdem seine Promotion an der HU Berlin unter der Leitung von Professor Greco und ist seit 2024 am Lehrstuhl für deutsches und internationales Strafrecht an der Leuphana Law School tätig. Während er die Herausforderungen, sich als Fremdsprachler in der deutschsprachigen Rechtswissenschaft zurechtzufinden, beschreibt, sieht er auch Chancen in der Perspektivvielfalt. In seiner neuen Publikation thematisiert er die Schwierigkeiten, mit denen internationale Studierende konfrontiert sind.

Ein zentrales Thema in Erdems Arbeit ist die Differenzierung zwischen Alltagsdeutsch und der juristischen Fachsprache. Er betont, dass diese zwei Sprachen eigenständig erlernt werden müssen, um erfolgreich in der Rechtswissenschaft zu agieren. Dabei bezieht er sich auch auf Bernd Schünemanns Konzept der „Entnormativierung“, um die komplexe Verbindung zwischen Sprache und Rechtsmethodik zu erläutern.

Persönliche Erfahrungen und Orientierungshilfen

In seiner Publikation bietet Erdem zudem persönliche Erfahrungsberichte und Orientierungshilfen für den Forschungsalltag an, die sich unter anderem mit der Erfassung von Forschungsgegenständen und der Vermeidung von Übersetzungsfallen bei juristischen Begriffen beschäftigen. Diese Aspekte sind besonders relevant, nicht nur für Nicht-Muttersprachler, sondern für alle, die sich in der komplexen Welt der Rechtswissenschaft bewegen.

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Der Academic Freedom Index bietet einen umfassenden Überblick über die wissenschaftliche Freiheit in 179 Ländern und Gebieten. Die Bewertung zeigt, dass nur neun Länder in den letzten Jahren einen Anstieg der akademischen Freiheit verzeichneten, während 50 Länder einen signifikanten Rückgang hinnehmen mussten. Insbesondere institutionelle Autonomie spielt eine zentrale Rolle beim Schutz dieser Freiheit.

Die Ergebnisse des Indexes beruhen auf Bewertungen von mehr als 2.300 Ländernexperten und schaffen ein detailliertes Bild der aktuellen Situation der akademischen Freiheit weltweit. Es wird deutlich, dass die Herausforderungen, mit denen Erdem konfrontiert ist, Teil eines größeren Problems sind, das zahlreiche Wissenschaftler in vielen Ländern betrifft.