Wissenschaftler der International School of Management (ISM) haben eine bedeutende Studie über die Auswirkungen von Diäten auf die neuronale Verarbeitung von Belohnungen veröffentlicht. Die Forschungsarbeit mit dem Titel „Effects of Dieting on Neural Encoding of Preferences for Edible and Non-Edible Rewards: An ERP Study“ wurde in der Fachzeitschrift Brain & Cognition veröffentlicht. Die Studie wurde von Christina von der Assen, Dr. Annakarina Mundorf und Prof. Dr. Jutta Peterburs durchgeführt und zielt darauf ab, die Veränderungen in der neuronalen Verarbeitung subjektiver Präferenzen für essbare und nicht essbare Belohnungen nach einer zweiwöchigen Diät zu untersuchen, wie medicalschool-hamburg.de berichtet.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass individuelle Vorlieben für essbare und nicht essbare Belohnungen in der neuronalen Aktivität verankert sind. Insbesondere war die neuronale Kodierung subjektiver Präferenzen bei primären Belohnungen, also essbaren Reizen, stärker ausgeprägt als bei sekundären Belohnungen. Dies lässt darauf schließen, dass primäre Belohnungen eine höhere motivationale Bedeutung besitzen und intensivere Bewertungsprozesse durchlaufen. Interessanterweise stellte die Untersuchung fest, dass die kurzfristige Diät keinen signifikanten Einfluss auf die neuronalen Reaktionen auf die Belohnungen hatte.
Stabile Präferenzen und ihre Bedeutung
Die Befunde deuten darauf hin, dass subjektive Präferenzen weitgehend stabile individuelle Merkmale sind, die durch kurzfristige Verhaltensänderungen wie eine Diät nicht wesentlich beeinflusst werden können. Diese Stabilität könnte entscheidend sein für das Verständnis, wie Diäten und Essensentscheidungen langfristig getroffen werden. Die Thematik der Ernährung und deren Einfluss auf das Gehirn hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Auf dem 59. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), der vom 16. bis 18. März 2022 online stattfand, wurde dieser Zusammenhang ebenfalls thematisiert. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) diskutierten über 850 Wissenschaftler und Ernährungsfachkräfte die Auswirkungen der Ernährung auf das Gehirn und ernährungsbedingte Erkrankungen. Der Kongress stellte die Wechselbeziehungen zwischen Ernährung und Gehirnfunktionen in den Mittelpunkt, wie dge.de berichtete.
Interventionsstrategien zur Förderung des gesunden Essverhaltens
Ein zentrales Ziel des Kongresses war die Entwicklung von Interventionsstrategien zur Förderung gesunden Essverhaltens bis ins hohe Alter. Zu den Themen gehörten unter anderem die zentrale Steuerung des Stoffwechsels durch Nervenzellen im Hypothalamus und deren Einfluss auf die Nahrungsaufnahme sowie die Energiebilanz. Diese Schaltkreise spielen nicht nur eine Rolle bei der Regulierung des Glucose- und Fettstoffwechsels, sondern auch bei gesundheitlichen Problemen wie Adipositas und Diabetes Typ 2.
Das Zusammenspiel von Ernährung und Entscheidungsfindung über Nahrungsmittel ist komplex. Entscheidungen werden durch erlernte Präferenzen und Informationen wie Kaloriengehalt beeinflusst. Dies zeigt, dass Ernährung nicht nur den Körper, sondern auch das Denken und die Entscheidungen der Menschen prägt.
Ein weiteres relevantes Thema war die Altersanorexie, die nicht nur mit Appetitverlust, sondern auch mit einem signifikanten Risiko für Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty einhergeht. Die Prävalenz dieser Erkrankung beträgt in der gesunden Bevölkerung zwischen 10 und 20 Prozent und über 30 Prozent in klinischen Populationen. Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst Veränderungen in der Appetitregulation sowie inflammatorische Prozesse.