Am 20. Mai 2026 wurde Prof. Dr. Johannes Wessels einstimmig als neuer Präsident der Universität Göttingen gewählt. Der Senat der Universität und der Stiftungsausschuss stimmten einstimmig für Wessels, der als einziger Bewerber in die Wahl gegangen war. Er folgt auf Prof. Dr. Axel Schölmerich, der seit dem 1. März 2025 im Amt ist und übergangsweise die Aufgaben des Präsidenten übernommen hat.
Wessels, der 64-jährige Physiker, wird voraussichtlich Ende 2026 sein neues Amt antreten. Seine Amtszeit ist auf sechs Jahre ausgelegt. In seinen ersten Reaktionen äußerte Wessels Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und betonte den Willen, auf den bestehenden Leistungen Schölmerichs aufzubauen. Senatssprecher Prof. Dr. Ramin Yahyapour hob zudem Wessels’ umfangreiche Erfahrung als Hochschulpräsident hervor. Stephan Weil, der Vorsitzende des Stiftungsausschusses, bezeichnete ihn als angesehenen Wissenschaftler und erfolgreichen Hochschulpräsidenten.
Werdegang und Qualifikationen
Johannes Wessels wurde 1962 geboren und hat Physik an der Universität Heidelberg studiert. Dort promovierte er 1990. Nach seiner Promotion arbeitete er als Postdoktorand an der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt und an der State University in Stony Brook, New York. Seine Habilitation absolvierte er 2000 an der Universität Heidelberg und wurde 2003 Professor an der Universität Münster, wo er die Leitung des Instituts für Kernphysik übernahm.
Seine akademische Karriere setzte Wessels als Prodekan von 2005 bis 2006 und später als Dekan des Fachbereichs Physik bis 2010 an der Universität Münster fort. Höhepunkt seiner Laufbahn war die Wahl zum Rektor der Universität Münster im Oktober 2016. Darüber hinaus ist er seit September 2022 Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2018 wurde Wessels vom Deutschen Hochschulverband zum „Rektor des Jahres“ gewählt, was seine Anerkennung in der akademischen Gemeinschaft unterstreicht.
Hintergrund zur Wahl und Herausforderungen
Die Wahl Wessels‘ fand vor dem Hintergrund tumultuarer Ereignisse an der Universität Göttingen statt. 2024 hatte der Senat der Georg-August-Universität Metin Tolan das Vertrauen entzogen, was letztlich zur Entlassung durch das niedersächsische Wissenschaftsministerium führte. Tolan klagte gegen seine Entlassung, die laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen erst zum 30. September wirksam wird. Das niedersächsische Wissenschaftsministerium betonte jedoch, dass Tolan in seiner Amtsführung „nichts zu Schulden“ habe kommen lassen.
In der Zwischenzeit wird Susanne Menzel-Riedl die neue Rektorin der Universität Münster, nachdem sie gewählt wurde, um die Nachfolge von Wessels im Herbst 2026 anzutreten. Die Herausforderungen für Wessels in Göttingen sind vielfältig, insbesondere die Notwendigkeit, die Universität zukunftsfähig aufzustellen und die Vorgänge rund um die Abwahl Tolans zu einem guten Ende zu bringen.
Der Prozess zur Ernennung des neuen Präsidenten der Universität Göttingen erfolgte auf Basis klar definierter Regularien, die in den Bestimmungen für staatliche Hochschulen verankert sind. Der Senat und der Stiftungsrat bilden zusammen eine Findungskommission, die den Vorschlag zur Wahl erarbeitet und zur Diskussion bringt, bevor der Senat die endgültige Entscheidung trifft. Wessels‘ Wahl spiegelt damit sowohl eine klare Unterstützung als auch die Hoffnung auf Stabilität und Fortschritt an der Universität wider.