Am 15. Mai 2026 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eine bedeutende Förderung für den Sonderforschungsbereich/Transregio 332 „Neutrophile: Entwicklung, Verhalten und Funktion“ bekannt gegeben. Mit einer Summe von rund 13 Millionen Euro wird die Forschung an der Universität Münster über die nächsten vier Jahre unterstützt. Diese Initiative wird unter der Koordination von Prof. Dr. Dr. Oliver Söhnlein vom Institut für Experimentelle Pathologie geleitet.
Der Fokus dieser Forschungsaktivitäten liegt auf neutrophilen Granulozyten, den häufigsten weißen Blutkörperchen im menschlichen Blut. Spaß beizufügen ist, dass sie als erste Zellen bei Krankheitserregern im Körper eintreffen. Historisch wurden neutrophile Granulozyten oft als kurzlebige „Einweg-Zellen“ betrachtet, aber mittlerweile haben Studien ihren Status als vielseitige Immunzellen etabliert, die maßgeblich bei chronischen Entzündungen, Krebsentstehung und homöostatischen Prozessen eine Rolle spielen.
Erweiterte Forschungsschwerpunkte
In der neuen Förderperiode wird der Schwerpunkt der Forschung auf Gefäßentzündungen, Krebserkrankungen und Infektionen gelegt. Die Wissenschaftler haben bereits gezeigt, wie die Umgebung der Neutrophilen deren Verhalten nachhaltig beeinflusst. Ein zusätzliches Ziel besteht darin, Grundlagenforschung gezielt in klinische Anwendungen umzusetzen, um neue Therapieansätze zu entwickeln.
Ein wichtiger Bestandteil der neuen Förderperiode ist der Ausbau der technologischen Infrastruktur. Hierzu zählen moderne Verfahren zur Analyse von Proteinen und Stoffwechselprozessen sowie die Einführung eines neuen Arbeitsablaufs zur Einzelzellanalyse der Neutrophilen. Die Informatikplattform des Kompetenzverbunds spielt dabei eine entscheidende Rolle, insbesondere bei der Entwicklung neuer Analyseverfahren.
Kooperationen und Netzwerke
Der transdisziplinäre Ansatz des Sonderforschungsbereichs vereint Forschende aus mehreren Institutionen. Neben der Universität Münster sind die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die Universität Duisburg-Essen und assoziierte Partner wie die Technische Universität Dresden und das Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften – ISAS – e. V. im Netzwerk vertreten.
Besonders hervorzuheben ist die Gründung des Graduiertenkollegs „NeutroTrain“, welches wissenschaftliche Nachwuchskräfte fördern soll. Dieser interdisziplinäre Austausch wird durch eine zentrale Plattform für in-situ-Massenspektrometrie-Bildgebung und Multiplex-Immunhistochemie ergänzt, um die Visualisierung der Neutrophilen zu ermöglichen.
Zusammengefasst zeigt die Forschung zu Neutrophilen nicht nur deren Funktionalität, sondern auch die komplexen Wechselwirkungen, die sie im menschlichen Körper eingehen. Dies reduziert das Bild von Neutrophilen nicht nur auf eine homogene Zellpopulation, sondern hebt ihre phänotypische Heterogenität hervor. Somit wird deutlich, dass neutrophile Granulozyten eine entscheidende Rolle in der Immunantwort und bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen spielen.