Am Mittwoch, den 17. Juni 2026, wird die Technische Universität Dresden für alle Interessierten ein besonderes Ereignis bieten: Der Physik-Nobelpreisträger Dr. Georg Bednorz wird einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Supraleitung – vom Phänomen zur Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“ halten. Dies berichtet tu-dresden.de. Der Vortrag wird im Audimax der Universität in deutscher Sprache stattfinden, und der Eintritt ist kostenlos.
Dr. Bednorz, geboren 1950, ist ein renommierter Physiker, der für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Hochtemperatursupraleitung bekannt ist. Gemeinsam mit Karl Alexander Müller entdeckte er 1986, dass bestimmte Materialien unter bestimmten Bedingungen elektrischen Strom verlustfrei leiten können. Diese Entdeckung führte 1987 zur Verleihung des Nobelpreises, was den bislang kürzesten Zeitraum zwischen Entdeckung und Preisverleihung darstellt. In seinem Vortrag wird Bednorz die Entwicklung der Supraleitungsforschung sowie die komplexen technischen Herausforderungen behandeln, die eine breite Nutzung dieser Technologie lange Zeit behinderten.
Hochtemperatursupraleiter (HTSL) und deren Anwendungen
Hochtemperatursupraleiter, die bevorzugt bei 77 K betrieben werden, bieten faszinierende Möglichkeiten in der Messtechnik und bei der Energieübertragung. Laut wikipedia.org erfordern sie jedoch eine gezielte Kühlung mit flüssigem Stickstoff, um die Energieverluste zu minimieren. Eine gute Wärmeisolierung ist entscheidend, damit HTSL-Kabel effizient arbeiten können. Sie können elektrischen Strom nahezu ohne Widerstand leiten und transportieren bei gleichem Durchmesser etwa fünfmal so viel Strom wie konventionelle Kupfer- oder Aluminiumkabel.
Ein bemerkenswertes Beispiel für den Einsatz von HTSL-Technologie ist das Forschungsprojekt AmpaCity in Essen, das mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt ausgezeichnet wurde. In diesem Projekt wurde ein 1 Kilometer langes Supraleiter-Kabel verlegt, das zwei Umspannwerke unterirdisch verbindet und mehrere tausend Haushalte mit Strom versorgt. Dieses Kabel ersetzt eine herkömmliche 110-kV-Erdleitung und zeigt, wie leistungsfähig und platzsparend Supraleiter in der modernen Energieversorgung sein können. Die Verwendung von flüssigem Stickstoff zur Kühlung der HTSL-Kabel auf minus 196 Grad Celsius ist dabei entscheidend für die Effizienz.energieforschung.de hebt hervor, dass diese Technologie nicht nur in der Energieübertragung, sondern auch in industriellen Anwendungen, von Motoren bis zu Induktionsheizern, Anwendung finden kann.
Technische Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen
Obwohl die HTSL-Technologie große Fortschritte gemacht hat, sind noch zahlreiche technische Herausforderungen zu bewältigen. Die Sprödigkeit der keramischen Materialien ist eine der größten Hürden, die die Entwickler überwinden müssen. Innovative Ansätze, wie das Füllen keramischer Werkstoffe in Silberröhren, um flexible Leiter zu schaffen, sind vielversprechend. Solche Entwicklungen könnten die Anwendung von Hochtemperatursupraleitern in unterschiedlichen Bereichen revolutionieren und zur Erweiterung der Leistungsfähigkeit von Mittelspannungsnetzen beitragen.
In Deutschland ist die Gesamtlänge der Übertragungsnetze etwa 35.000 Kilometer, und die Integration von HTSL-Technologie könnte erhebliche Energieverluste in verschiedenen Sektoren, einschließlich der elektrochemischen Grundstoffindustrie, vermeiden. Um die Produktion und Forschung im Bereich der Hochtemperatursupraleiter weiter voranzutreiben, arbeiten zahlreiche Unternehmen an der Entwicklung skalierbarer Fertigungsmethoden und an der Verbesserung der Leitereigenschaften.
Die Vortragsreihe „Nobelpreisträger zu Gast an der TU Dresden“ unterstützt diese Entwicklungen und lädt Experten, Studierende und die Öffentlichkeit ein, über die Zukunft der Supraleitungsforschung nachzudenken. Die Anmeldung für Dr. Bednorz’ Vortrag wird unter tud.de/mn/nobel empfohlen. Für weitere Informationen steht Nicole Gierig, Referentin Öffentlichkeitsarbeit, unter Tel. 0351 463 39504 zur Verfügung.