Heute, am 2. November 2026, wirkt der November in Trier schon wieder wie ein grauer Filter über dem Tag. Genau diese Stimmung kennen Lars Schreiner aus Frankenthal, 23, und Anton Petuchow, 22. Beide arbeiten als digitale Nomaden von unterschiedlichen Orten aus – unter anderem auf den Kanaren, in Marokko, Brasilien und Portugal. Petuchow arbeitete im vergangenen Herbst in Brasilien.

Die dunklen und grauen Novembertage schlagen ihnen trotzdem nicht völlig egal entgegen. Schreiner sagt allerdings, dass ihn der Novemberblues durch seine Remote-Arbeit inzwischen weniger stark betrifft. Laptop aufklappen, Internet suchen, loslegen: Der Arbeitsplatz kann sich verschieben, manchmal ziemlich weit.

Vom Surfcamp zur Jobplattform

Die Idee für ihre Plattform entstand, als Schreiner in einem französischen Surfcamp arbeitete. Dort lernte er eine Finanzbuchhalterin kennen, die ihren Aufenthalt mit Toilettenputzen finanzieren musste. Ihren eigentlichen Beruf hätte sie nach Schreiners Ansicht auch aus der Ferne ausüben können. Dieser Gedanke blieb hängen.

Gemeinsam mit Petuchow entwickelte Schreiner daraus „Nomado24“. Die Plattform vermittelt ausschließlich Stellen, die vollständig remote ausgeübt werden können. Eine versteckte Präsenzpflicht soll es nicht geben – also keine Anzeige, die erst nach drei Bewerbungsgesprächen mit „gelegentlich im Büro“ um die Ecke kommt.

Nomado24 ging im Sommer 2026 online. Im Oktober verzeichnete die Plattform nach Angaben der Gründer rund 20.000 Zugriffe. Unterstützt wird das Projekt durch das Gründungsstipendium „Start.in.RLP“, das über das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium läuft. Inzwischen haben die Gründer ein Büro in Ludwigshafen. Künftig wollen sie das Konzept auch auf Länder wie Frankreich oder Spanien übertragen.

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Was derzeit auf Nomado24 zu finden ist

Ein Blick auf die am 1. November 2026 veröffentlichten Angebote zeigt, wie unterschiedlich vollständig ortsunabhängige Arbeit aussehen kann. Kognitiv Inc. sucht eine/n Workday-Extend-Berater/in beziehungsweise Senior Consultant für Remote-Arbeit in Kanada, Indien, Irland, Polen, Rumänien oder Spanien. Die Knowit Group bietet in Schweden „Årets innovativa examensarbete“ an.

Für Studierende aus Psychologie, Medien und Kommunikation ist bei Mindfulife ein Pflichtpraktikum möglich, remote in Deutschland. HB Travels sucht eine/n Travel Specialist, ebenfalls remote in Deutschland. Internationaler wird es bei ElevenLabs: Gesucht werden ein/e Senior Accountant für Polen, ein/e FP&A Lead für das Vereinigte Königreich, Belgien, Polen oder Frankreich sowie ein/e Equity Administrator – bei dieser Stelle sollen die Länderbeschränkungen geprüft werden.

TripleTen schreibt eine Stelle als Technical Owner aus, remote in Polen. Circle sucht eine/n Senior Solutions Engineer II, Payments, EMEA, für Remote-Arbeit im Vereinigten Königreich. Die Liste klingt nach Büro, aber ohne festen Schreibtisch: Tabellen, Kundentermine, Beratung, Reisen – und dazwischen vermutlich ziemlich viel Bildschirmlicht.

Remote ist nicht automatisch Homeoffice

Für klassische Büroarbeiten, die sich per Telefon, Handy und Laptop erledigen lassen, eignen sich Homeoffice und mobiles Arbeiten besonders. Während der Corona-Pandemie verlagerten viele Unternehmen ihre Arbeit ins Homeoffice, um die Virusausbreitung zu verringern und den Gesundheitsschutz zu gewährleisten. Auch nach der Pandemie blieb das flexible Arbeitsmodell bestehen.

2023 arbeiteten in Deutschland rund 25 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice. Zwischen den Branchen liegen allerdings Welten: Bei IT-Dienstleistungen waren es rund 75 Prozent, im Gesundheitswesen etwa 6 Prozent. Laut einer Umfrage von 2024 war die Möglichkeit zum Homeoffice für mehr als 80 Prozent der Befragten ein wichtiges Kriterium bei der Arbeitgeberwahl.

Im Alltag werden Homeoffice und mobiles Arbeiten oft synonym benutzt, rechtlich ist das nicht dasselbe. Homeoffice beziehungsweise Telearbeit ist auf den eigenen Wohnort als festgelegten Arbeitsort beschränkt. Nach der Arbeitsstättenverordnung muss der Arbeitgeber dort neben technischer Ausstattung wie Laptop oder Bildschirm auch eine vollständige Büroausstattung bereitstellen.

Mobiles Arbeiten erlaubt dagegen ortsflexibles Arbeiten an beliebigen Orten: zu Hause, im Coworking-Space oder im Urlaub, als „Workation“. Auch Kundenbesuche sowie Dienst- und Geschäftsreisen zählen dazu. Arbeitsgeräte soll der Arbeitgeber beim mobilen Arbeiten bereitstellen, vorgeschrieben ist das aber nicht.

Freiheit, Funklöcher und der Feierabend

Für Beschäftigte fallen Pendelwege weg, dadurch lassen sich Zeit und Kosten sparen. Viele berichten von einer besseren Work-Life-Balance, außerdem kann der Arbeitstag flexibler gestaltet werden. Das klingt angenehm – bis der Feierabend zwischen zwei offenen Tabs stecken bleibt.

Als größter Nachteil gilt der fehlende Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, der die Zusammenarbeit erschweren kann. Vielen Beschäftigten fällt es schwerer, nach der Arbeit abzuschalten. Nur wenige sehen ihre Produktivität durch Homeoffice beeinträchtigt; die meisten Beschäftigten und Arbeitgeber schätzen sie als höher oder gleich hoch ein. Rund die Hälfte der Führungskräfte bewertet hybride Meetings allerdings als anspruchsvoller als reine Präsenzmeetings.

Technisch braucht es je nach Arbeitgeber einen Arbeitslaptop und ein Mobiltelefon – oder private Geräte. Ein Internetzugang ist in den meisten Fällen nötig. 2024 verfügten rund 92,7 Prozent der Haushalte in Deutschland über einen Internetzugang, beim schnellen Breitbandinternet bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Cloud-Lösungen und VPN-Verbindungen sind für die Heimarbeit wichtige digitale Technologien; Kommunikationstools wie Microsoft Teams und Zoom wurden durch die stärkere Verbreitung von Heimarbeit deutlich häufiger genutzt.

Für die meisten Unternehmen hat IT-Sicherheit beziehungsweise Cybersicherheit höchste Priorität. Das ist der weniger romantische Teil des Arbeitens am Strand, im Zug oder in einer fremden Küche: Ein schöner Ausblick ersetzt kein stabiles Netz und schon gar keine sichere Verbindung.

Die Angaben zum Homeoffice stammen aus dem Statista Research Department und wurden am 17.12.2025 veröffentlicht. Statista bezeichnet die Informationen als Basisinformation ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit. Nomado24 zeigt derweil, wie konkret der Wunsch nach Ortsfreiheit inzwischen geworden ist – mit Stellen in Polen, Schweden, Spanien oder Deutschland, nicht nur mit großen Versprechen.