Am 28. Mai 2026 übergab die NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes eine Absichtserklärung zum Ausbau der digitalen Infrastruktur an der Universität Paderborn. Diese Initiative ist Teil des „Nordrhein-Westfalen-Plans für gute Infrastruktur“, dem größten Infrastruktur- und Investitionsprogramm in der Geschichte des Landes, das mit insgesamt 31,2 Milliarden Euro über 12 Jahre ausgestattet ist. Davon fließen 36 Millionen Euro in den Ausbau des Hochleistungsrechenzentrums an der Universität Paderborn. Die Gelder sollen die Stromversorgung und Kühlung für die beiden Supercomputer der Universität, Noctua 2 und Otus, verbessern.
Prof. Dr. Matthias Bauer, Präsident der Universität Paderborn, hebt hervor, dass eine zukunftssichere IT-Infrastruktur entscheidend für die Förderung von Spitzenforschung ist. Der Supercomputer Noctua 2 mit 140.000 Prozessorkernen und der leistungsstärkere Otus unterstützen innovative Anwendungen in Bereichen wie Quantenforschung, Materialwissenschaft und nachhaltige Energietechnik. Diese Rechenzentren sind essenziell für die Speicherung, Verarbeitung und Bereitstellung großer Datenmengen und tragen zur digitalen Souveränität Nordrhein-Westfalens bei.
Erweiterung des Rechenzentrums
Das Rechenzentrum im Gebäude X der Universität Paderborn wird derzeit ausgebaut, da die bestehenden Systeme nahezu an ihre Versorgungsgrenzen gestoßen sind. Die Erweiterungsstufen waren von Anfang an mit eingeplant, jedoch erfordert der Ausbau nun spezifische Anpassungen in der Infrastruktur. Die Landesförderung wird dazu beitragen, die nötigen Kapazitäten zu schaffen.
Der Plan sieht zudem vor, dass nachhaltige technische Lösungen zum Einsatz kommen. Der Strom wird aus regenerativer Erzeugung gewonnen, und die Abwärme der Rechenzentren wird für die Heizung genutzt. Dies verdeutlicht die Verbindung zwischen modernster Technologie und Klimaschutz, die Prof. Bauer betont.
Fokus auf Quantencomputing
Parallel zu den Entwicklungen an der Universität Paderborn beteiligt sich die Hochschule an einem interdisziplinären Konsortium, das eine belastbare Referenzarchitektur für Quantencomputing-Software-Stacks entwickelt. Dieses Projekt zielt darauf ab, die Breite des Quantencomputings in Deutschland effizienter abzubilden. Die Referenzarchitektur berücksichtigt alle relevanten Layer und Schnittstellen, was eine modulare Erweiterung um Software-Komponenten ermöglicht. Dabei wird eine Open-Source-Strategie verfolgt, die Transparenz und die Mitwirkung der Quantencommunity sicherstellen soll.
Ein zentrales Ziel dieses Ansatzes ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie im Bereich Quantencomputing. Durch die Entwicklung von Satellitenprojekten wird die Möglichkeit geschaffen, weitere Software-Bausteine und industrielle Anwendungen einzubringen. Diese sollen systematisch in bestehende Prozesse integriert werden, wodurch ungewollte Abhängigkeiten minimiert werden können.
Das Leitprojekt zur Referenzarchitektur hat bereits zu Beginn erste Versionen veröffentlicht und wird kontinuierlich in einem agilen Prozess weiterentwickelt. Die enge Kooperation mit Satellitenprojekten stellt sicher, dass innovative Lösungen und Geschäftsmodelle vorangetrieben werden.