Im Museum Vieille Montagne in Kelmis ist derzeit zu sehen, wie Ostbelgien künftig leben, bauen und sich bewegen könnte. Auf rund zwei Dutzend Schautafeln werden erstmals Ergebnisse eines gemeinsamen Projekts des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft, der RWTH Aachen und Parkstad Limburg präsentiert. Die Ausstellung trägt den Titel „Ostbelgien: Raum für Zukunft“ und ist bis zum 15. November geöffnet.

Ausgangspunkt ist das DG-Zukunftsprojekt „Ostbelgien-Leben 2040“. Im Mittelpunkt stehen neue Wohnformen und Bauweisen, grenzüberschreitende Mobilität, Ideen für Unternehmen und die Frage, welche Rolle die Gemeinden bei der Umsetzung spielen. Es geht also nicht bloß um hübsche Zukunftsbilder, sondern um Veränderungen, die irgendwann vor der eigenen Haustür spürbar sein sollen.

Was in den Workshops Zustimmung fand

Bei Workshops stießen eine Landschaftskunstroute, ein Innovationscampus, eine stärkere Förderung des Holzbaus sowie die Entwicklung neuer Formen des Bauens und Wohnens auf besonders viel Zustimmung. Die Ausstellung möchte diese Vorschläge zeigen, zugleich aber eine Diskussion anstoßen: Welche Veränderungen braucht die Region tatsächlich?

Wissenschaftlich begleitet wurde der Prozess von Prof. Christa Reicher von der RWTH Aachen. Wichtig ist dabei ein ziemlich bodenständiger Punkt: Die Menschen sollen konkrete Veränderungen in ihrem direkten Umfeld wahrnehmen können. Große Pläne allein reichen schließlich nicht, wenn sich im Alltag nichts bewegt – weder beim Wohnen noch auf dem Weg zur Arbeit.

Der Eintritt ist regulär im allgemeinen Museumsticket enthalten. Wer die Sonderausstellung kostenlos besuchen möchte, kann sich vorher per E-Mail an mvm@kelmis.be anmelden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein Strategieprozess für die Zeit nach 2040

Die Grundlage des Projekts reicht über die Tafeln im Museum hinaus. Die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens übernahm 2020 die Zuständigkeit für Raumordnung von der Wallonischen Region. Damit verbunden ist die Aufgabe, das raumordnerische Regelwerk anzupassen. Gleichzeitig soll das Regionale Entwicklungskonzept „Ostbelgien leben 2025“ fortgeschrieben und aktualisiert werden.

Beide Vorhaben wurden im Strategieprozess „Ostbelgien leben 2040“ zusammengeführt. Seit Anfang 2021 arbeiten die Fachbereiche Standortentwicklung und Raumordnung gemeinsam mit dem Begleitbüro HJP-Planer Aachen an einer integrierten Vision. Untersucht wird, wie das Leben in Ostbelgien langfristig gestaltet werden soll – mit Blick auf Natur- und Umweltschutz, Wirtschaft und Arbeit, Soziales und Gemeinschaft, Digitalisierung und Infrastruktur, Versorgung, Bildung sowie Planen und Bauen.

Die Ergebnisse sollen in einer grundlegenden Vision gebündelt werden. Vorgesehen war ihre Fertigstellung für 2024. Die Vision soll aus einer Entwicklungsstrategie und einer Raumstrategie bestehen, die sich ergänzen und auf den Planungshorizont 2040 sowie die Zeit danach ausgerichtet sind. Berücksichtigt werden sollen vor allem jene Themen, die für die Bevölkerung wichtig sind. Klingt nach viel Papier, ja – aber eben auch nach Fragen, die im Alltag ziemlich schnell konkret werden.

„KOMMpaktLAND“ als Leitbild

Das Fachgutachten zur Raumstrategie „Ostbelgien leben 2040“ entstand im Zeitraum 2020–2024 im Auftrag des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Teampartner war Compass Tourismus Partner eG. Grundlage war ein mehrstufiger und partizipativer Strategieprozess zur Entwicklung einer Zukunftsvision für Ostbelgien.

Formuliert wurde darin das raumordnerische Leitbild „KOMMpaktLAND“. Im Zentrum stehen Kommunikation, eine kompakte Siedlungsentwicklung und der Vorrang für Landschaftsbelange. Das Leitbild umfasst acht Ziele der Raumordnung. Dazu kommen ein Werkzeugkasten und Handlungsempfehlungen; zugleich bildet das Gutachten die Grundlage für die Ausarbeitung einer neuen Raumordnungsgesetzgebung.

Wie Beteiligung praktisch aussehen kann, zeigte sich im April 2022. Damals fand mit einem Workshopmobil eine aufsuchende Beteiligung in Ostbelgien statt. Ergänzende Informationen gibt es zur regionalen Entwicklungsstrategie und zum Leitbild „Ostbelgien leben 2040“. Weitere Dokumente betreffen die Gewerbeflächenstrategie Ostbelgien und den Bericht zur Baukultur Ostbelgiens.

Wer heute, am 31.10.2026, im Museum Vieille Montagne vor den Tafeln steht, sieht also nicht nur einzelne Ideen für Holzbau, Mobilität oder neue Quartiere. Dahinter steckt ein länger laufender Prozess, an dem Ministerium, Wissenschaft, Planungsbüros, Gemeinden und Menschen aus der Region beteiligt waren. Bis zum 15. November bleibt Zeit, sich die Entwürfe anzusehen – und sich zu fragen, welcher davon im eigenen Viertel zuerst auffallen würde.