RWTH Aachen, 29. Oktober 2026 – Porsche kommt wieder besser durch die Kurve. In den ersten neun Monaten 2026 stieg das operative Ergebnis auf 1,74 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum gerade einmal 40 Millionen Euro erreicht worden waren. Die operative Umsatzrendite kletterte von 0,2 auf 6,9 Prozent. Unterm Strich blieben 1,82 Milliarden Euro Konzernergebnis nach Steuern.

Der Aufschwung hat allerdings einen Haken: Porsche verkaufte nicht mehr, sondern weniger Autos. Der Umsatz sank um 5,9 Prozent von 26,86 auf 25,28 Milliarden Euro. Die weltweiten Auslieferungen gingen um 16,0 Prozent zurück – von 212.509 auf 178.532 Fahrzeuge. Dass der Umsatz weniger stark fiel als der Absatz, lag vor allem an einem höheren Anteil margenstarker Modelle sowie an positiven Preis- und Mixeffekten. „Value over Volume“ also: mehr Wert pro Fahrzeug statt möglichst viele Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

China bleibt der wunde Punkt

Im dritten Quartal erzielte Porsche ein operatives Ergebnis von 387 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte noch ein Verlust von 966 Millionen Euro zu Buche gestanden. Die Verbesserung beruht laut Porsche vor allem auf Kostensenkungen und einem veränderten Modellmix – nicht auf höheren Verkaufszahlen. Die EBITDA-Marge Automobile lag bei 17,3 Prozent nach 11,9 Prozent im Vorjahr.

Besonders schwierig bleibt China. 2025 sanken die Auslieferungen dort um 26 Prozent auf 41.900 Fahrzeuge, in den ersten neun Monaten 2026 ging es nochmals um rund ein Drittel nach unten. Porsche nennt den Wettbewerb chinesischer Hersteller wie BYD, eine schwächere Nachfrage nach westlichen Luxusgütern und den Verlust an Preissetzungsmacht als Ursachen. Nordamerika blieb dagegen mit 56.088 ausgelieferten Fahrzeugen die volumenstärkste Vertriebsregion.

Der Blick auf die Elektromobilität fällt ebenfalls gemischt aus. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge lag bei 21,7 Prozent, nach 23,1 Prozent im Vorjahr. Die höhere Vorjahresquote war vor allem dem starken Hochlauf des vollelektrischen Macan im Jahr 2025 geschuldet. Die Nachfrage nach batterieelektrischen Sportwagen blieb hinter den Planungen zurück. Deshalb investiert Porsche parallel in Elektro-, Hybrid- und Verbrennerplattformen.

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Eine Sportwagenschmiede mit weniger Varianten

Seit 1. Januar 2026 steht Michael Leiters an der Spitze des Unternehmens; er folgte auf Oliver Blume. Leiters setzt auf „Value over Volume“, eine geringere Modellvielfalt und technologieoffene Antriebe. Die unter seiner Führung entwickelte „Strategie 2035“ soll Porsche ermöglichen, mit weniger Fahrzeugen höhere Gewinne zu erzielen. Der Breakeven-Punkt der Produktion soll auf weniger als 200.000 Fahrzeuge pro Jahr sinken.

Am 7. Oktober 2026 stellte Porsche im Entwicklungszentrum Weissach die Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vor. Das übergeordnete Ziel: Porsche soll als begehrter Sportwagenhersteller gestärkt werden – mit neuen Produkten, Technologien, mehr Exklusivität und höherer Profitabilität. Die Marke will ihre Position zwischen sportlichem Luxus- und sportlichem Top-Premium-Segment ausbauen. Bis 2030 soll jedes Jahr mindestens ein neues, markenprägendes Produkt erscheinen.

Geplant ist eine spürbare Verschiebung des Portfolios. Die Zahl der Modellvarianten soll um etwa 20 Prozent sinken, während das Verkaufsvolumen je Variante mittelfristig um rund 30 Prozent steigen soll. Der Anteil der Modelle in den margenstarken D- und E-Segmenten soll am Gesamtportfolio um rund 45 Prozent wachsen. Im Raum stehen eine Mittelmotor-Supersportwagenplattform oberhalb des 911, zusätzliche emotionale 911-Derivate im D-Segment und ein SUV im D-Segment oberhalb des Cayenne.

Für die obersten 10.000 Fahrzeuge des Portfolios sind gezielte Preiserhöhungen von rund 20 Prozent vorgesehen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Spitzenmodelle soll mittelfristig ebenfalls um rund 20 Prozent steigen, der Optionsumsatz je Fahrzeug deutlich zunehmen. Das Sonderwunsch-Programm soll seine Umsätze mittelfristig versechsfachen. Unter „Home of Sports Cars“ bündelt Porsche künftig Performance einschließlich Manthey, Exclusiveness einschließlich Sonderwunsch und Exclusive Manufaktur sowie Heritage.

Den Anteil an der Manthey Racing GmbH hat Porsche auf 67 Prozent erhöht. Das Angebot soll von Performance-Kits und Rennstreckenerlebnissen bis hin zu exklusiven Fahrzeugkonzepten reichen. Eine Qualitätsinitiative soll zugleich die wahrgenommene Produkt- und Servicequalität erhöhen und die Garantiekosten mittelfristig um bis zu 45 Prozent senken.

Die Lücken im Modellangebot sind derzeit nicht zu übersehen: Das Auslaufen der Verbrenner-Einstiegsmodelle der Baureihe 718 und verzögerte Nachfolger haben Spuren hinterlassen. Die vollelektrischen 718 Boxster und Cayman sollen im ersten vollständigen Produktionsjahr 2028 zum Absatz beitragen. Ebenfalls 2028 ist ein neues SUV im B-Segment vorgesehen, das parallel zum vollelektrischen Macan angeboten werden soll. Es wird mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieb erhältlich sein und ab 2029 spürbar zu Umsatz und Profitabilität beitragen.

Der Antriebs-Dreiklang bleibt bestehen: Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektroantriebe. Porsche investiert weiter in markenprägende Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antriebe sowie in die nächste Generation der Batterietechnologie. Der 911 soll nicht vollelektrisch werden; vorgesehen ist stattdessen der Performance-Hybrid „T-Hybrid“. Reine Elektroplattformen sind unter anderem für künftige Modelle wie den Cayenne Electric vorgesehen. Die Zusammenarbeit mit Audi soll durch den Einsatz der PPE- und PPC-Plattformen intensiver werden.

Oberhalb der bisherigen Baureihen prüft Porsche neue Spitzenmodelle. Die Studie „Mission S“ steht für einen möglichen Mittelmotor-Supersportwagen mit Verbrennungs- und Hybridantrieb. Für den 15. Oktober 2026 kündigte Porsche einen Ausblick auf eine mögliche künftige Mittelmotor-Supersportwagenplattform an. Ob daraus wirklich ein Serienauto wird, ist damit noch nicht gesagt.

Sparen, verkaufen, neu sortieren

2025 war das operative Ergebnis um knapp 93 Prozent auf 413 Millionen Euro gefallen, die operative Rendite lag bei 1,1 Prozent. Sonderbelastungen von rund 3,9 Milliarden Euro entstanden unter anderem durch die Neuausrichtung der Produktstrategie, Investitionen in Batterietechnik und US-Zölle. Allein die US-Importzölle belasteten Porsche 2025 mit rund 700 Millionen Euro; für 2026 wird eine ähnliche Summe erwartet.

Im Vorjahreszeitraum schlugen Aufwendungen von 2,7 Milliarden Euro für die strategische Neuausrichtung zu Buche. Im laufenden Jahr waren es rund 500 Millionen Euro. Für das dritte Quartal nennt Porsche zusätzlich 100 bis 200 Millionen Euro für die strategische Neuausrichtung, 250 Millionen Euro für die weitere Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen und 200 Millionen Euro durch US-Zölle.

Der Netto-Cashflow Automobile stieg von 1,34 auf 2,50 Milliarden Euro, die Netto-Cashflow-Marge von 5,6 auf 11,3 Prozent. Wesentlich dazu beigetragen hat der Mittelzufluss aus dem Verkauf der Beteiligungen an Bugatti Rimac und der Rimac Group. Die Verkäufe wurden im September abgeschlossen, der Veräußerungsgewinn betrug 593 Millionen Euro und wurde überwiegend im Finanzergebnis berücksichtigt. Dem Konzern flossen 984 Millionen Euro zu, größtenteils im Netto-Cashflow Automobile.

Zum 30. September 2026 verfügte Porsche über eine Netto-Liquidität Automobile von 8,23 Milliarden Euro – 884 Millionen Euro mehr als zum Jahresende 2025. Zugleich soll die Kapitalintensität im Rahmen der „Sportwagenschmiede ’35“ sinken. Nach dem erwarteten Investitionshöhepunkt 2026 sollen Investitionen sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben mittelfristig deutlich zurückgehen.

Entwicklungszeiten sollen kürzer, Prozesse modularer und interne Kapazitäten größer werden. Entwicklungskosten künftiger Modellreihen sollen um bis zu 20 Prozent sinken. Beschaffungssynergien, geringere Produktionskosten und eine effizientere Vertriebsstruktur sollen helfen. Materialeinzelkosten für neue Fahrzeugprojekte sollen gegenüber bisherigen Planungen um rund 10 Prozent fallen – durch einen höheren Gleichteileanteil, mehr Synergien im Konzern- und Partnerverbund und eine stärkere Konzentration auf markendifferenzierende Komponenten.

Auch beim Vertrieb