Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben in einer aktuellen Studie das Verhalten von Würfelquallen untersucht. Insbesondere im Rahmen ihrer Arbeit in den Everglades sammelten sie die Quallen, um deren Nervensystem näher zu erforschen. Eine interessante Beobachtung machte das Team nach einem tropischen Regenschauer: Die Quallen schwammen nicht mehr an die Wasseroberfläche, wie sie es gewohnt waren. Diese Erkenntnis führte zu einer neuen Studie, die im Journal of Experimental Biology veröffentlicht wurde.
Die Forschung zeigt, dass physikalische Widerstände an der Grenzschicht das Verhalten von Wasserorganismen erheblich beeinflussen können. Bei der Würfelqualle Tripedalia cystophora, die zwar über ein einfaches Nervensystem verfügt, besitzen die Tiere leistungsfähige Augen und zeigen komplexes Verhalten. Normalerweise orientieren sich Quallen am Licht und suchen aktiv die Oberflächenbereiche auf, wo sie ihre Nahrung finden.
Einfluss von Regen auf die Quallen
Nach starken Regenfällen entsteht in den Küstengewässern eine Schichtung von Süßwasser über Salzwasser, was zu einer Halokline als Übergangszone führt. Um das Verhalten dieser Quallen unter solchen Bedingungen zu untersuchen, wurde im Labor eine künstliche Halokline erzeugt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Quallen nicht in der Lage waren, diese Grenzschicht zu durchqueren. Anstatt ihr Verhalten zu ändern, stießen sie auf einen Stratifizierungswiderstand, der ihren Energieverbrauch erhöhte und ihren Auftrieb reduzierte. Diese Studienergebnisse deuten darauf hin, dass nicht die Physiologie oder das Verhalten der Quallen sie zurückhält, sondern die physikalischen Gegebenheiten der Grenzschicht.
Diese Untersuchung reiht sich in die umfassenden Aktivitäten des KiNSIS (Kiel Nano, Surface and Interface Science) ein, welches sich mit Grenzflächenforschung beschäftigt. Die Studie beleuchtet eine interessante Verbindung zwischen physikalischen und biologischen Aspekten des Lebens im Wasser und stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Quallenforschung dar.
Globale Quallenpopulation und Umweltveränderungen
In den letzten Jahrzehnten sind weltweit Massenauftreten von Quallen (Scyphozoa) zu beobachten gewesen, die Auswirkungen auf marine Ökosysteme, den Tourismus und küstennahen Industrien haben. Quallen sind räuberisch und erbeuten kleine Fische sowie Fischeier, wodurch sie die Populationen anderer Zooplanktonarten regulieren. Jedoch stellen sie auch eine Bedrohung dar, indem sie Fischernetze verstopfen und Kühlanlagen von Schiffen sowie Industrieanlagen beschädigen. Nesselnde Quallen an Badestränden beeinträchtigen zudem den Tourismussektor erheblich.
Aktuelle Klimaänderungen und menschliche Aktivitäten, wie der Bau von Hafenanlagen und Offshore-Plattformen, verändern die marine Umwelt grundlegend. Diese Veränderungen führen zu Schwankungen in Temperatur, Salzgehalt und Strömungen, welche die Lebensbedingungen vieler Meerestiere beeinflussen. Quallen und ihre Entwicklungsstadien sind jedoch anpassungsfähig und könnten möglicherweise von diesen Umweltveränderungen profitieren, was die Erwartung eines vermehrten Auftretens von Quallen aufgrund des Klimawandels und der Übernutzung der Meere weiter verstärkt.
Die Forschung in Kiel und die damit verbundenen Erkenntnisse bieten einen wichtigen Einblick in die Mechanismen, die das Verhalten von Quallen beeinflussen. Gleichzeitig werfen sie einen Blick auf die sich verändernde marine Umwelt und deren Auswirkungen auf die Zukunft der Meeresökosysteme.