Revolution der Tatortermittlung: KI bringt digitale Akten auf das nächste Level!
Die Digitalisierung hält zunehmend Einzug in die Polizeiarbeit, besonders im Bereich der Tatortdokumentation und -analyse. Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) ein Projekt ins Leben gerufen, das den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Schaffung intelligenter 3D-Zwillinge von Tatorten fokussiert. In einer Zeit, in der Tatorte oft nur kurzfristig zugänglich sind, wird eine schnelle und präzise Dokumentation unerlässlich. Die TUM zielt darauf ab, die Interaktion mit diesen virtuellen Abbildern durch KI-Technologien zu revolutionieren. Laut TUM ermöglicht das Bayern LKA bereits die Nutzung von 3D-Modellen, die aus hunderten oder sogar tausenden Fotografien erstellt werden.
Die neuen digitalen Rekonstruktionen sind nicht nur wertvoll für die initiale Spurensicherung, sondern eröffnen auch Möglichkeiten für langfristige Ermittlungen. Die geplante KI-Software der TUM wird es den Ermittlern erlauben, den virtuellen Tatort aktiv zu befragen. Abfragen wie „Ich suche eine rote Jacke“ oder „Wie viele Messer befinden sich im Raum?“ sollen möglich sein. Dies könnte den Ermittlungsprozess erheblich beschleunigen. In der Praxis wird die Software Objekte im digitalen Tatort automatisch erkennen, klassifizieren und inventarisieren, und gefundene Gegenstände werden im Modell hervorgehoben, so dass sie direkt in die Ermittlungsarbeit integriert werden können.
Verbesserung der Tatortanalyse
Ein zentrales Ziel des Forschungsvorhabens ist die Zusammenführung verschiedener Spurenarten in einem virtuellen Raum. Dadurch sollen Zusammenhänge besser analysiert werden können, was die Effizienz der Ermittlungen steigern würde. Es werden Methoden zur automatischen Erkennung irrelevanter Fotos entwickelt, um die Erstellung von 3D-Tatorten zu beschleunigen. Zudem arbeiten die Forschenden derzeit an Funktionen zur Analyse räumlicher Beziehungen und Sichtlinien zwischen Objekten. Die enge Zusammenarbeit mit Kriminalfachleuten sorgt dafür, dass die entwickelten Methoden den praktischen Anforderungen gerecht werden. Die Forschungskooperation zwischen der TUM und dem BLKA ist bis Ende 2028 angelegt, und es wird erwartet, dass die Technologie auch den Einsatz digitaler Tatortzwillinge erleichtert, insbesondere bei der Datenerfassung durch Einsatzkräfte vor Ort.
Parallel dazu expandiert die Forschung zur KI in der digitalen Forensik unter dem Projekt „Weiterentwicklung der Kombination von Künstlicher Intelligenz und Digitaler Forensik“. Dieses von der DFG geförderte Projekt, das im April 2026 startete, hat ebenfalls das Ziel, die Ermittlungsprozesse zu beschleunigen und die Synergien zwischen KI und digitaler Forensik zu stärken. In diesem Zusammenhang wird immer klarer, wie wichtig digitale Beweismittel geworden sind, insbesondere im Hinblick auf Chatprotokolle und Cyberattacken. In Informatik.RUB wird die Aufgabenstellung der digitalen Forensik beschrieben, die sich mit der Sicherung, Untersuchung und Aufbereitung digitaler Daten beschäftigt.
Unter der Leitung von Rebekah Overdorf von der Ruhr-Universität Bochum und Frank Breitinger von der Universität Augsburg zielt das Projekt darauf ab, innovative Werkzeuge zur Identifikation möglicher Manipulationen bei Tatorten, insbesondere bei Verkehrsunfällen mit autonomen Fahrzeugen, bereitzustellen. Die Herausforderung, die stetig steigende Komplexität von Fällen zu bewältigen und große Datenmengen zu verarbeiten, wird durch die angepeilten Entwicklungen adressiert. Auch hier ist die Einbindung lokaler Strafverfolgungsbehörden von Bedeutung, um die Theorie in praktische Anwendungen zu überführen.
