Am 30. April 2026 stellt sich die internationale Wissenschaftsgemeinde einer wachsenden Herausforderung: der Verlässlichkeit wissenschaftlicher Studien. Im Rahmen des Forschungsprojekts SCORE (Systematizing Confidence in Open Research and Evidence) haben Forscher aus nahezu 100 Institutionen, darunter die Universität Witten/Herdecke, umfassende Anstrengungen unternommen, um die Reproduzierbarkeit sozial- und verhaltenswissenschaftlicher Befunde zu überprüfen. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass nur etwa die Hälfte der getesteten Studienergebnisse reproduzierbar war. Dies wirft Fragen auf über die Stabilität wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Darstellungsweise der Ergebnisse.

Insgesamt wurden 164 veröffentlichte Arbeiten untersucht, und die Resultate der Wiederholungen fielen meist ernüchternd aus im Vergleich zu den ursprünglichen Befunden. Diese Diskrepanz macht deutlich, dass Forschung oft eindeutiger präsentiert wird, als sie ist. Prof. Dr. Jan Philipp Röer erklärt, dass fehlgeschlagene Replikationen nicht notwendigerweise bedeuten, dass die ursprünglichen Befunde falsch sind. Vielmehr bescheinigt SCORE der wissenschaftlichen Gemeinschaft, dass es notwendig ist, weiterführende Forschung zu betreiben, um die Bedingungen zu verstehen, unter denen Ergebnisse stabil sind. Gleichzeitig fördert das Projekt Transparenz und die Offenlegung aller verwendeten Daten und Methoden, um den wissenschaftlichen Prozess nachvollziehbar zu gestalten.

Die Rolle der Reproduzierbarkeit in der Forschung

Die Diskussion um die Reproduzierbarkeit wird durch das zunehmende Volumen an verfügbaren Daten und Analysewerkzeugen unterstrichen. Laut zahlreichen Experten, wie sie beispielsweise in Berichten von der Universität Zürich zusammengefasst sind, wird die computergestützte Reproduzierbarkeit zunehmend wichtig. Diese Form der Reproduzierbarkeit erfordert die unabhängige Überprüfung von Ergebnissen sowie ein klares Nachvollziehen der Softwareeinflüsse. Offenlegung des Codes, der für die Studien verwendet wurde, wird daher als entscheidender Schritt zur Verbesserung der Wissenschaft betrachtet.

In der biomedizinischen Forschung beispielsweise ist es mittlerweile notwendig, molekulare Daten in Archive hochzuladen, um eine Veröffentlichung in Fachzeitschriften sicherzustellen. Hierbei wird im Methodenteil oftmals nur oberflächlich auf die verwendeten computergestützten Methoden eingegangen, es sei denn, die Publikation erfolgt in spezialisierten Zeitschriften wie „Bioinformatics“. Für eine optimale Nachvollziehbarkeit sollte jedes veröffentlichte Paper Links zu einem GitHub Repository für den Code sowie zu einem Archiv für die Daten enthalten. Ohne diese Maßnahmen wird es immer schwieriger, die wissenschaftliche Integrität und die Qualität der Ergebnisse zu gewährleisten.

Open Science und FAIR-Prinzipien

Ein zentraler Aspekt der Diskussion ist der Zugang zu offenen wissenschaftlichen Daten. Wissenschaftspolitische Erklärungen, die den offenen Zugang zu Forschungsdaten fordern, betonen die Bedeutung der FAIR-Prinzipien – Findable, Accessible, Interoperable, Reusable. Diese Konzepte ermöglichen es, Forschungsergebnisse nicht nur zu reproduzieren, sondern sie auch effizient zu nutzen und weiterzugeben. Nachhaltiges Forschungsdatenmanagement ist dafür unerlässlich und erfordert geeignete Infrastrukturen, die den gesamten Forschungsprozess unterstützen.

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Die Leibniz Gemeinschaft hat beispielsweise mit verschiedenen Initiativen zur Förderung von Datenmanagement infrastrukturelle Grundlagen gelegt. Diese beinhalten unter anderem die Einrichtung von Forschungsdatenzentren, die den Austausch und die Publikation von Daten gemäß disziplinären Standards gewährleisten. Zahlreiche Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft beteiligen sich aktiv an der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), um Ressourcen für die Verbesserung der Datenkompetenz zu bündeln und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu fördern.

Insgesamt zeigt die Diskussion um Reproduzierbarkeit und Open Science, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft den Weg zu größerer Transparenz und Nachvollziehbarkeit bereit ist zu beschreiten. SCORE und die Initiativen der Leibniz Gemeinschaft illustrieren den Willen, die Wissenschaft als gemeinsames, überprüfbares Projekt zu betrachten und somit das Vertrauen in die Forschung zu stärken.