Ein internationales Forschungsteam hat wegweisende Fortschritte in der Quantenmechanik erzielt, die das Verständnis von Quanten-Nichtlokalität revolutionieren könnten. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nicolas Gisin von der Constructor University in Bremen hat die Gruppe das seit über 60 Jahren als Goldstandard geltende Bellsche Theorem erweitert. Diese Studie wurde jüngst in der Fachzeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht und könnte bedeutende Implikationen für zukünftige Quantentechnologien und das Quanteninternet haben.

Das Bellsche Theorem befasst sich mit den Widersprüchen zwischen Quantenmechanik und klassischer Physik und wurde 2022 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Es zeigt, dass verschränkte Teilchen über große Distanzen hinweg korreliert bleiben, ein Umstand, der klassische Physiker wie Albert Einstein verblüffte. Klassische Modelle können diese Quanten-Nichtlokalität nicht erklären, was die Forschung in diesem Bereich umso spannender macht.

Erweiterung des Bellschen Theorems

Im Rahmen des neuen Experiments wurde ein „elegantes Dreieck“ verwendet, um Quanten-Nichtlokalität in Netzwerken mit mehreren Knotenpunkten zu untersuchen. Herkömmliche Bell-Tests nutzen in der Regel eine einzige Quelle, um verschränkte Teilchen an zwei Beobachter zu verteilen. Im Gegensatz dazu stellte das Team von Gisin die Nichtlokalität in einem Quantennetzwerk mit mehreren unabhängigen Quellen und Knotenpunkten in den Mittelpunkt.

Das Dreiecksnetzwerk umfasste drei Beobachter, die jeweils mit drei separaten Quellen verschränkter Teilchen verbunden waren. Durch festgelegte Quantenmessungen entfiel die zufällige Auswahl der Messung und die Ergebnisse zeigten Korrelationen zwischen allen drei Quellen. Diese Korrelationen stehen im Widerspruch zu klassischen physikalischen Modellen, was zur Entdeckung einer neuen Form der Netzwerk-Nichtlokalität führte, die als „echte Quantennetzwerk-Nichtlokalität“ bezeichnet wird.

Bedeutung für futuristische Technologien

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Quanten-Nichtlokalität auch in komplexen, realistischen Netzwerkstrukturen existiert. Dies ist besonders relevant für die Entwicklung groß angelegter Quantennetzwerke, auch bekannt als Quanteninternet. Der Nachweis nichtlokaler Korrelationen in solchen Netzwerken könnte wegweisend für Fortschritte in der Quantensicherheit und in der geräteunabhängigen Kryptografie sein.

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Die von Gisin und seinem Team erzeugte „elegante Verteilung“ stellt ein spezifisches Korrelationsmuster dar, das netzwerkabhängiges Verhalten zeigt. Die Korrelationen waren durch kein klassisches Modell reproduzierbar, was die Einzigartigkeit und Bedeutung ihrer Entdeckung unterstreicht. Dieses bahnbrechende Experiment wurde an der University of Science and Technology of China durchgeführt, unterstützt durch internationale Kooperationen und finanzielle Mittel aus dem Innovation Program for Quantum Science and Technology sowie der National Natural Science Foundation of China.

Prof. Gisin betont, dass diese Arbeit neue Wege für die theoretische und experimentelle Forschung eröffnet und dazu beiträgt, das Ziel eines skalierbaren Quanteninternets zu erreichen. Mit jeder neuen Entdeckung rückt die Vision eines robusten Quanteninternets näher, das möglicherweise die Art und Weise, wie Daten übertragen und gesichert werden, fundamentel verändern könnte.